Bundesliga-Finale der Frauen: JSV Speyer ist Deutscher Meister

Foto: Christian Schießl

Mit rund 500 Zuschauern war die Jahnhalle in Mönchengladbach mehr als gut besucht. Fest stand, dass sich in diesem Jahr ein neuer Verein als Deutscher Mannschaftsmeister in die Bücher einschreiben würde. Bislang konnte keiner der Finalrundenteilnehmer diesen Titel erringen. Geschafft hat es am Ende der JSV Speyer. In einem spannenden Finalkampf, bei dem neben deutschen Nationalmannschaftskämpferinnen auch international erfolgreiche Judokas für ihre Mannschaften starteten, setzten sie sich gegen die TSG Backnang mit 9:4 durch.

07.11.2015 von [Peter Kaiser]

Der erste Durchgang des Finals versprach schon hochkarätige Kämpfe. Anne-Marie Wagner trat in der Klasse bis 78 kg gegen die Pfälzerin Barbara Bandel an. In einem offenen Schlagabtausch endete die Partie mit einem Unentschieden. Bis 63 kg erkämpfte die Dritte der Europameisterschaften der U 21 Selina Dietzer für Speyer den ersten Punkt. Ihre Gegnerin, die Französin Sarah Loko, erhielt am Ende vier Shido. Verena Thumm (bis 52 kg) und Johanna Müller (bis 57 kg) sorgten für die 3:0-Führung. Verena Thumm setzte sich gegen Vera Dworazcyk mit O-soto-gari durch und Johanna Müller gewann mit O-uchi-gari gegen Romy Tarangul. Jasmin Külbs verlor den fünften Kampf gegen die Ukrainerin Iryna Kindzerska mit vier Shido. Die amtierende Europameisterin aus den Niederlanden Kim Polling sorgte mit einem Tomoe-nage nach sieben Sekunden in der Kategorie bis 70 kg für den vierten Punkt des JSV Speyer. In einem ausgeglichenen Kampf in der Klasse bis 48 kg konnte nach der vollen Kampfzeit die Backnangerin Katharina Menz gegen Jessica Lindner als Siegerin von der Matte gehen.

Ein 4:2-Vorsprung für den JSV Speyer versprach eine spannende Runde zwei. Kim Polling startete in der Klasse bis 78 kg gegen Antoinette Hennink und holte nach Bestrafungen den Punkt für Speyer. Die Niederländerin Carla Grol brachte mit einem Armhebel die TSG Backnang wieder einen Punkt näher an Speyer heran. Verena Thumm stellte mit einem Sieg durch Haltegriff gegen Vera Dworazyk den alten Abstand wieder her. Aufgrund eines Unentschieden in Runde eins reichte der Mannschaft von Nadine Lautenschläger nun ein Punkt, um das Finale für sich zu entscheiden. Johanna Müller erkämpfte diesen Punkt mit einer Würgetechnik in ihrer zweiten Begegnung gegen Romy Tarangul. Damit hatten die Pfälzerinnen ihren siebten Punkt erkämpft. Mit zwei weiteren Siegen von Jasmin Külbs und Nadja Bazynski, die gegen Iljana Marzok gewann, holten die Judokas neun Punkte. Katharina Menz konnte im letzten Kampf des Tages gegen Giuseppa Sagona noch auf 4:9 verkürzen.

Nadine Lautenschläger war überwältigt vom Sieg ihrer Kämpferinnen: „Ich kann im Moment nichts sagen, mir fehlen die Worte.“

Im Halbfinale besiegte der JSV Speyer zuvor den JC Wiesbaden deutlich mit 11:3. Für die Wiesbadenerinnen war die erreichte Bronzemedaille ein voller Erfolg und Betreuer Marcel Stebani war mehr als zufrieden mit seinen Kämpferinnen. Bereits nach der ersten Runde lag die Mannschaft von Nadine Lautenschläger mit 6:1 vorne. Die Punkte erkämpften Barbara Bandel, Verena Thumm, Johanna Müller, Jasmin Külbs, Kim Polling und Jessica Lindner. Auch in der zweiten Runde ließen die Kämpferinnen aus der Pfalz nichts mehr zu und holten noch einmal fünf Punkte durch Barbara Bandel, Verena Thumm, Johanna Müller, Jasmin Külbs und Kim Polling.

Im anderen Halbfinale bezwang die TSG Backnang den Club des Ausrichters 1. JC Mönchengladbach mit 8:6. Im  ersten Durchgang war es eng. Hier stand es am Ende 4:3 für die TSG Backnang, die durch Antoinette Hennik, Loko und Vera Dworaczyk mit 3:0 in Führung gegangen war. Die Wende leitete Miryam Roper ein, die in einem spannenden Kampf mit zwei Wazaari Romy Tarangul bezwingen konnte. Julia Tillmanns und Sheena Zander sorgten dann für den Ausgleich, wobei Zander gegen Nationalmannschaftskämpferin Iljana Marzok gewann. Sie setzte sich mit einem Haltegriff durch. Katharina Menz gewann anschließend gegen Mira Ulrich. In der Rückrunde war es ein gegenseitiger Schlagabtausch. Die Niederländerin Hennik legte für die Süddeutschen vor. Die Ungarin Szabo glich aus und setzte den wechselnden Punktegewinn fort, bis der zweite Kampf von Marzok gegen Zander die endgültige Entscheidung brachte. Diesmal ließ die Favoritin nichts anbrennen und bezwang Sheena Zander mit Ippon für Seoi-nage. Damit war der achte und entscheidende Punkt für Backnang gefallen. Zuvor hatte Vera Dworazcyk noch in der letzten Sekunde die Ippon-Wertung gegen Tekeci erzielt.
 
Im Viertelfinale stand die TSG Backnang dem Dritten der Gruppe Nord gegenüber, dem JC 66 Bottrop. In der Hinrunde traten in der Gewichtsklasse bis 70 kg Iljana Marzok und 63-Kilo-Europameisterin Martyna Trajdos gegeneinander an. Nach einen spannenden Kampf entschieden am Ende Shido-Bestrafungen den Wettkampf. Iljana Marzok erhielt vier und somit die Disqualifikation. In der zweiten Runde hatte Romy Tarangul es mit Sina Felske zu tun, die Dritte der Studenten-EM in diesem Jahr. Bis eine Minute vor Schluss führte Sina Felske mit einer kleinen Wertung und erst 40 Sekunden vor dem Ende der Kampfzeit konnte Romy Tarangul die entscheidende Wazaari-Wertung erzielen. Insgesamt gesehen ließen die Süddeutschen in Runde zwei auch nichts mehr anbrennen und gewannen den Kampf mit 10:4.

Die weitere Viertelfinalbegegnung entschied der JC Wiesbaden deutlich mit 10:3 für sich. Witten starteten als Gruppenzweiter in diese Partie und zeigte bereits im ersten Kampf, in welche Richtung es gehen sollte. Miriam Dunkel erzielte für die Wittener den ersten Punkt gegen Miriam Butkereit, die EM–Starterin U23 der kommenden Woche. Anschließend drehten die Wiesbadener den Spieß gewaltig um und lagen nach der ersten Runde mit 5:1 in Führung. Den Rückstand in der zweiten Runde aufzuholen war eine schwere Aufgabe für die Wittener Mädels. Sie konnten einige gute Akzente setzen und teilweise den Abstand verkürzen. Am Ende mussten sie sich jedoch mit 10:3 geschlagen geben.

Die Finalrunde war eine gelungene Veranstaltung, die vom 1. JC Mönchengladbach hervorragend organisiert wurde und reibungslos verlief.


Foto-Galerie von der Finalrunde