Gemeinsam Judo machen

Felix von Solemacher

Die erste Judo-Junior-Akademie 2017 ist vorbei. Judoka aus ganz Deutschland haben sich in Köln getroffen und gemeinsam mit dem Thema „Inklusion“ beschäftigt.

12.04.2017 von [Lino Hermanns]

Als Teilnehmer waren sowohl Judoka mit und ohne geistige Behinderung in der Sporthochschule Köln dabei. Nach der Anreise stand zunächst das Kennenlernen auf dem Programm. Die Gruppe hat sich von Anfang super verstanden und einem spannenden Wochenende stand nichts im Weg. Das erste Zusammentreffen vor dem Abendessen wurde auch dazu genutzt, über die Vorkenntnisse und Erfahrungen der Teilnehmer mit dem Thema „Inklusion“ zu sprechen. In einer lockeren Runde wurde der Abend schließlich beendet, um fit für den nächsten Tag zu sein.

Am Samstag stand zunächst die Theorie im Vordergrund. Es wurden Fragen geklärt und speziell das Thema „Judo und der Weg in die Inklusion“ angesprochen. Wie kann man im Rahmen der Judowerte als Verein Inklusion fördern? Welche gesellschaftliche Verantwortung trägt man? Referent Klaus Gdowczok hat hier interessante Einblicke geboten.

Zum Mittagessen stießen weitere Trainingspartner hinzu. Acht Judoka, welche auch wettkampfmäßig G-Judo betreiben, wurden von Klaus Gdowczok eingeladen, damit die Trainingsgruppe noch größer wird. Schon während des Essens war die Laune bestens und an den bunt durchgemischten Tischen wurde sich angeregt unterhalten. Im Anschluss ging es endlich auf die Matte.

Gemeinsam aktiv auf der Matte

Das Training wurde zunächst von Walter Gülden geleitet. Er trainiert viel mit G-Judoka und war selbst in jungen Jahren erfolgreich im Judo. So kann er auf einen dritten Platz bei der Deutschen Meisterschaft und einen ersten Platz beim internationalen Turnier in Kerpen zurückblicken. Die inklusive Trainingseinheit mit G-Judoka der Wettkampfklassen I, II und III und den Judoka ohne geistige Behinderung funktionierte von Anfang an ohne Probleme. Es gab keinerlei Berührungsängste und das sportliche Niveau war sehr hoch. Alle waren gut drauf und hatten sichtlich Spaß am Training. Victor Gdowczok, Goldmedaillengewinner bei den Special Olympics, übernahm auch ein paar Trainingsinhalte. Da am gleichen Tag der 1. FC Köln sein Heimspiel direkt neben der Sporthochschule hatte, mussten die angereisten G-Judoka früher fahren, um noch aus der Stadt zu kommen. Deshalb fiel die Kuchenpause kurz aus und der zweite Teil der Trainingseinheit wurde schnell eingeläutet. Im abschließenden Randori zeigten alle Teilnehmer, was sie drauf haben und man merkte, dass viele der Judoka auch Wettkämpfe bestreiten.

 

 

Nach der Verabschiedung und dem gemeinsamen Abendessen zeigte Klaus Gdowczok eine beispielshafte Trainingseinheit zum Aufwärmen und wie die Teilnehmer diese in ihr Vereinstraining integrieren können. Im Anschluss interviewte der DJB-Juniorteamer Leon Petzoldt noch einige der Athleten für ein Medienprojekt. Er hat das gesamte Wochenende mit der Kamera begleitet und wird daraus einen schönen Film drehen. Lasst euch überraschen! „Junges Engagement“ ist übrigens bei allen Teilnehmern ein großes Thema und die Meisten von ihnen sind ehrenamtlich aktiv.

Ein Highlight war zudem, dass Ghazi Nujeidat, Mitarbeiter des israelischen Sportministeriums in der Sporthochschule Köln zu Besuch war. Klaus Gdowczok, Initiator der ersten G-Judo Weltmeisterschaft (19.-22.10.2017 in Köln) nutze die Gunst der Stunde und lud die israelische Delegation persönlich ein. Israel hat viele G-Judoka und wäre eine enorme Bereicherung für diese WM. Nach einem spannenden und anstrengenden Tag wurde das Abendessen dazu genutzt, sich abseits der Tatami auszutauschen und zu unterhalten.

Klaus Gdowczok, Ghazi Nujeidat und Maria Deimel

Am Sonntagmorgen gab es nach dem Frühstück noch einen offenen Erfahrungsaustausch mit abschließender Reflexion und Feedback. Die Veranstaltung wurde von allen Teilnehmern sehr positiv bewertet, lediglich der Zeitplan am Samstag wurde bemängelt. Leider hat „König Fußball“ hier einen Strich durch die Rechnung gemacht und so musste umdisponiert werden. Das gemeinsame Training, der inklusive Gedanke dahinter und die entstandenen Kontakte lassen die positive Stimmung aber deutlich überwiegen. Auch DJB-Projektreferentin Maria Deimel ist zufrieden: „Die Veranstaltung war ein voller Erfolg. Es ist ein tolles Miteinander entstanden. Beide Seiten, also Judoka mit und ohne Behinderung hatten keinerlei Berührungsängste und nehmen etwas aus dieser Veranstaltung mit.“

 

Fotos: Felix von Solemacher

 

 Eine Fotogalerie mit den besten Schnappschüssen gibt es hier...