Judo-Pionier Günter Lind starb mit 82 Jahren

Kurz vor Weihnachten verstarb der frühere Weltkampfrichter Günter Lind im Alter von 82 Jahren. Der Saarländer war von 1960 bis 1995 für den DJB, die EJU und die IJF in der ganzen Welt im Einsatz.

10.01.2018

Die ersten Eintragungen im Judopass stammen aus dem Jahr 1953. Seitdem hat Günter Lind die meiste Zeit seines Lebens dem Judosport  gewidmet. Er galt weltweit als einer der Judo-Pioniere. Der Mitbegründer von mehreren Judovereinen und des Judosports an der Saar wurde schon 1954 Saarlandmeister der Senioren im orangefarbenen Gürtel. Seinen ersten internationalen Einsatz für das Saarland hatte er 1955 bei den Europameisterschaften in Paris. Der damals 18-jährige Blaugurt unterlag dem 4. Dan und späteren Judo-Weltpräsidenten Charly Palmer aus England. Es folgten vier Bronzemedaillen bei Deutschen Mannschaftsmeisterschaften sowie Gold, Silber und Bronze bei Einzelmeisterschaften und Turnieren in Frankreich, Luxemburg und Belgien.

Seine Lehrer waren alle Japaner: Shozo Awazu (9. Dan, Paris), Ichiro Abe (10. Dan, Brüssel/Tokio), Tokio Hirano (8. Dan, Tokio), Fukuda, Ogura, Hagiwara und Joshima. In den Gründungsjahren des Saarländischen Judo-Bundes (SJB) war er Sportwart, Kampfrichterobmann, Lehrwart und Prüfungsbeauftragter. Er hielt unzählige Lehrgänge an der Sportschule in Saarbrücken ab. Mit der Lizenz Nr. 9 war er einer der ersten Judolehrer im Deutschen Judo-Bund. Als Judolehrer und Kampfrichter war er in der Judo-Welt hoch angesehen und geachtet.

1960 absolvierte er in der EJU die Prüfung zum internationalen Kampfrichter als jüngster Kampfrichter Europas. 1977 gratulierte der Weltsportdirektor Jonny Osako (Detroit, USA) Günter Lind bei den Europameisterschaften in Ludwigshafen zur Kampfrichter-Weltlizenz. 1984, nach seinem Einsatz bei den Olympischen Spielen in Los Angeles, erhielt er vom Ministerpräsidenten des Saarlandes die Verdienstmedaille für den Saarsport. 1990 wurde er bei den Europameisterschaften in Frankfurt am Main als erster deutscher Judoka für seine 30-jährige internationale Kampfrichtertätigkeit mit der Silbernen Ehrenmedaille der Europäischen Judo-Union ausgezeichnet. Als dienstältester Kampfrichter der Welt wurde er 1995 mit Erreichen der Altersgrenze bei den Mannschafts-Europameisterschaften in Trnava (Slowakei) verabschiedet. Er war bei über 50 Europameisterschaften, 13 Weltmeisterschaften sowie drei Olympischen Spielen 35 Jahre lang für den DJB, die EJU und die IJF in der ganzen Welt im Einsatz.

Seine Prüfungen vom 1. bis zum 5. Dan wurden stets mit sehr guten Leistungen abgelegt. Der 6. Dan wurde ihm 1979 und der 7. Dan 1990 für seine verdienstvolle Arbeit verliehen.

Die Trauerfeier findet am Freitag um 13:30 Uhr auf dem Friedhof in Saarbrücken-Dudweiler statt.