Juniorteam-Spotlight: Die Olympia-Hoffnung aus Glinde

Klaus Müller

Manche Menschen müssen regelrecht zu ihrem Glück gezwungen werden. Wenn keine gute Überzeugungsarbeit geleistet worden wäre, dann hätte der TSV Glinde nun eine Vorzeigejudoka weniger. Zum Glück hat sich Miriam Butkereit, Grand Slam und Grand Prix Medaillengewinnerin, vor 17 Jahren doch für den richtigen Weg entschieden.

01.01.2018 von [Karolin Huse]

Die gebürtige Hamburgerin, die aus einer Judo-Familie stammt, schnitt in ihren ersten Schnupperkursen nicht gut ab. „Ich fand Judo blöd, es hat mir keinen Spaß gemacht. Erst beim zweiten Anlauf hat es dank gutem Zureden seitens meiner Mutter geklappt. Zum Glück!“, sagt die dreifache Deutsche Meisterin, die sich heute kein Leben mehr ohne ihre Lieblingssportart vorstellen kann.

Trotzdem gibt es auch einige Schattenseiten zu verzeichnen. Die hohe Verletzungsrate dürfte wohl der größte Negativaspekt sein. Sechs Operationen waren in den letzten Jahren nötig, um verschiedene Judo-Blessuren auszugleichen. Die letzte ist erst wenige Wochen her, da wurde eine Verletzung am Meniskus korrigiert. Aufgrund Miriams Verletzungsdichte verlief dieses Jahr durchwachsen für sie. Eine Schulterblessur, die sie sich im letzten Sommer zuzog, stoppte die Bundespolizistin für kurze Zeit aus. Die erhoffte Nominierung für die Europameisterschaft verpasste Miriam knapp. Bei der Weltmeisterschaft war sie Nachrückerin, der Start blieb jedoch aus.

 Doch dank der großen Zahl an Turnieren und Trainingscamps ist letztendlich das richtige Maß an Wettkampfpraxis vorhanden gewesen, welches für die ersten großen Erfolge in der Laufbahn der Wahl-Kölnerin sorgte. Beim Grand Slam in Abu Dhabi und beim Grand Prix in The Hague gewann sie jeweils eine Bronzemedaille. Diese Erfolge sorgten für einen gewaltigen Sprung in der Weltrangliste. Als zweitbeste Deutsche schließt Miriam das Jahr auf Platz 29 (Stand: 30.12.17) ab, hinter Giovanna Scoccimarro und vor Laura Vargas Koch. „Im Hinblick auf die Olympischen Spiele schätze ich beide als sehr gefährlich für mich ein, da wir in der Rangliste eng beeinander liegen.“

 Bis nach Tokio ist es zwar noch ein langer Weg, doch die letzten Wochen haben bewiesen, dass Miriam auf dem richtigen Weg ist. Am Stützpunkt in Köln werden Woche für Woche die Grundlagen für eine Teilnahme an den Olympischen Spielen gelegt. Die Ausbildung bei der Bundespolizei nimmt im Jahr nur wenige Monate in Anspruch, den Rest des Jahres ist Miriam für das Training freigestellt. 

Auch privat dreht sich bei der Rheinländerin alles um den Kampfsport. Mit Johanna Blietz und Diana Süß wohnt sie in einer Wohngemeinschaft in Köln, mit beiden ist sie sehr gut befreundet. Mit Johanna Blietz teilt sie auch die Gewichtsklasse. Doch da wird es wohl keine Konkurrenzprobleme geben. „Für Privates ist auf der Matte kein Platz. Doch außerhalb des Sports bin ich sehr entspannt, da zählt es nicht, ob ich gegen eine gute Freundin verloren oder gewonnen habe.“ Das Trio wird außerdem durch eine Katze komplettiert, die ihre Mitbewohnerinnen tüchtig auf Trab hält.

 Wenn alles nach Plan läuft, startet das Jahr 2018 für Miriam mit der Deutschen Meisterschaft. Danach wird der Wettkampfkalender auf den Start bei den Jahreshöhepunkten ausgerichtet. Das Ziel ist der Start bei der Europa- und Weltmeisterschaft. Mit leeren Händen will Miriam von dort nicht nach Hause fahren. 

Wir wünschen ihr auf ihrem Weg viel Glück und gutes Gelingen!

Das "Juniorteam-Spotlight" ist ein Format, das vom DJB Juniorteam ins Leben gerufen wurde. Junge, erfolgreiche Athleten sollen jeden Dienstag vorgestellt werden. Die jungen Engagierten arbeiten dazu mit der Bundesjugendleitung und den "Helden von Morgen" zusammen, um ihre Bekanntheit zu steigern. Vorschläge und Wünsche können auf der Facebookseite des DJB Juniorteams geäußert werden oder per direkt per Mail beim Jugendmedienteam des DJB unter jungemedien(at)judobund.de.