Ping-Pong-Spiel um den WM-Titel

Vize-Weltmeister sowie Gold und Silber beim Kata Grand Slam für den DJB! Bei dem erstmalig auf IJF-Ebene ausgetragenen Kata-Grand Slam, der gleichzeitig als Qualifikation für das WM-Finale galt, konnten die deutschen Athleten je einmal Gold und Silber gewinnen.

09.10.2017 von [Sebastian Frey]

Als Favoriten in ihrer Klasse gingen Wolfgang Dax-Romswinkel und Ulla Loosen in der Ju no kata an den Start. Beide wurden ihrer Favoritenrolle gerecht und gewannen souverän den Grand Slam in ihrer Altersklasse und zogen als Punktbeste beider Pools in das WM-Finale ein. Hierbei konnten sie im „Fernduell“ das neu formierte japanische Team Ishida/Ishida mit drei Punkten schlagen. Bemerkenswert ist, dass die japanische Delegation eigens für das Ju no kata-Team mit der ehemaligen Weltmeisterin Omori einen persönlichen Coach für dieses Paar im Trainerstab bereithielt. Nach den eng umkämpften Finals der letzten Jahre und den zweimaligen WM-Titeln für Wolfgang Dax-Romswinkel und Ulla Loosen eine bei vielen Nationen mit großem Interesse verfolgte Entwicklung.

Am Folgetag hieß es nun mitfiebern. Die Auslosung versprach ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Favoriten in der Ju no kata. So starteten Wolfgang Dax-Romswinkel und Ulla Loosen im direkten Vergleich nach den Japanerinnen. Und diese legten mit einer Traumwertung von 440 Punkten vor. Dabei überzeugten die beiden sympathischen Damen mit einer Geschmeidigkeit in den Techniken und punktgenauen Abständen bei Angriffen und Übernahmen. Obwohl Wolfgang und Ulla sich noch einmal technisch steigern konnten, ging der Titel dieses Jahr verdientermaßen nach Japan zurück. Gleichwohl soll der WM-Titel im kommenden Jahr wieder zurückgeholt werden, so der Hinweis unseres Top-Kata-Paares. Wir sind gespannt, das Ping-Pong-Spiel um den WM-Titel in der Ju no kata zwischen Deutschland und Japan geht in die nächste Runde.

Aber nicht nur in der Ju no kata gab es Grund zur Freude. In der Kime no kata konnten Sarina und Jochen Müller mit einer präzisen und im Ausdruck dynamisch dargebotenen Kata insbesondere in den Angriffsübernahmen sowie in Idori überzeugen und sicherten sich hinter den Drittplatzierten der letztjährigen WM Silber in ihrer Altersklasse. Eine ganz starke Leistung der beiden Groß-Umstädter, bei denen DJB-Coach Sebastian Frey noch sehr viel Potenzial sieht.

Auch Jörn Stermann-Sinsilewski und Volker Degenhart traten in ihrem Pool der Kime no kata an, um sich ein Final-Ticket für die WM zu sichern. Und der Pool sollte Spannung pur versprechen! Die beiden Judokas aus Eschweiler boten eine Kata nach Maß und konnten besonders in Tachiai punkten. Auch wenn es am Ende nicht für den erhofften Sprung auf das Treppchen reichte, konnten sich beide abschließend dank der besseren Gesamtpunktzahl für das WM-Finale qualifizieren, bei dem nur das punktbeste nationale Team an den Start gehen darf. Ein sehr unglücklicher Modus, der nicht nur den deutschen Teams zum Verhängnis wurde. So blieben in der Katame no kata und Ju no kata EM-Platzierte auf der Strecke ebenso wie die WM-Dritten in der Kime no kata.

Hiervon ließen sich die beiden Kime no kata-Experten nicht beirren. Im Finaldurchgang zeigten beide Nervenstärke und den Willen der Entschlossenheit. Kleinste Unterschiede in der Spannung und Dynamik gaben letztendlich den Ausschlag. Mit einer Punktlandung aus dem Vorjahr behaupteten Jörn und Volker erneut mit Platz sechs ihre Position in der Weltspitze.

Die weiteren deutschen Kata-Teams konnten sich beim Grand Slam leider nicht platzieren und somit die Qualifikation für die WM-Finals perfekt machen, obwohl die gezeigten Leistungen mehr erhoffen ließen. Insbesondere in der Katame no kata mit Sandra Büchler und Christopher Scharf sowie in der Kodokan goshin jutsu mit Astrid Machulik und Marcus Nietner demonstrierten eine sehr überzeugende Kata in Angriff und Verteidigung. In der Nage no kata konnten die beiden deutschen Paare Andreas Ber mit Uke Johannes Eidinger sowie Alexander Schleicher mit Tim Smeikal ihr Potenzial nicht voll ausschöpfen und beendeten das Turnier auf den Plätzen fünf bzw. sieben.

Aufgrund ihrer sehr guten Leistungen wurden die deutschen Wertungsrichter Stefan Bernreuther (Ju no kata), Karl-Heinz Bartsch (Kime no kata) und Magnus Jezussek (Nage no kata) sowohl im Grand Slam als auch in den Finals der WM eingesetzt.