Am zweiten Tag der Deutschen Einzelmeisterschaften der Frauen und Männer in der Oberfrankenhalle in Bayreuth wurden Marlen Hein, Claudia Malzahn, Kerstin Thiele sowie Mario Schendel, Dennis Huck und Robert Zimmermann Deutsche Meister
Auch am zweiten Wettkampftag gab es wieder spannende Wettkämpfe.
Aber auch sehr emotionale Momente prägten diesen zweiten DEM-Tag.
Nachdem Peter Frese den scheidenden Frauen-Bundestrainer Norbert Littkopf mit den Worten verabschiedet hatte: "Lieber Norbert, Du wirst uns fehlen, aber auch Deine Musik", hätte man eine Stecknadel fallen hören können, als Norbert Littkopf sich auf seine Weise verabschiedete. Er zog die Mundharmonika aus der Tasche und spielte völlig versonnen "Time to say good-bye". Die Stimmung in der Halle konnte kaum mehr an Dramatik vertragen. Die Zuschauer bedankten sich mit einem Riesenapplaus.
Ebenso verabschiedete Peter Frese den Männer-Bundestrainer Frank Wieneke. Er hatte als Olympiasieger im Sommer in Peking Ole Bischof zum Olympiasieg geführt und wird nun an der Sporthochschule Köln arbeiten. Auch er bedankte sich bei allen Athleten und Trainern für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen acht Jahren seiner Tätigkeit als Bundestrainer der Männer.
Auch verneigten sich die Bayrischen Sportler, Organisatoren und Funktionäre vor ihrem Präsidenten Gerhard Fleißner, der die DEM nach Bayreuth geholt hatte und daraus ein organisatorisches Meisterstück gemacht hat. Alle Athleten, Judo-Mitstreiter und Besucher haben sich sehr wohl gefühlt und bedankten sich beim Cheforganisator.
Aber auch noch ein weiteres Highlight wartete an diesem Tag. Gegen Mittag kam Olympiasieger Ole Bischof nach mehreren Stunden Fernsehauftritt bei Stefan Raab, einer sehr kurzen Nacht und mehreren hundert gefahrenen Kilometern in die Halle, stand als Gesprächspartner zur Verfügung - und er gab unendlich viele Autogramme. Wie solch ein abgebrühter Kämpfer wie Ole bei leuchtenden Kinderaugen selbst mit um die Wette strahlt und liebenswert und geduldig auf ihre Wünsche eingeht, war schon ein Erlebnis wert.

Neben all diesen Erlebnissen am Rande der Wettkämpfe sollen aber auch diese nicht zu kurz kommen.
Bei den Männern meldete sich nach einer langen Verletzungspause der WM-Teilnehmer Mario Schendel wieder zurück und wurde souverän Deutscher Meister in der 73-Kilo-Klasse. Er besiegte im Finale den Titelverteidiger Wolfgang Amoussou nach reichlich drei Minuten mit Ippon.
In der 81-Kilo-Klasse holte sich Dennis Huck den Meistertitel vor Robert Conrad, der bereits in der Hauptrunde den Olympia-Ersatzkandidaten Sven Maresch ausgeschaltet hatte.
Ein besonderes Finale gab es in der 90-Kilo-Klasse. Zwei Freunde, die gemeinsam in der Juniorenzeit lange Zeit zusammen trainierten und sich so manches "Gefecht" auf den nationalen Matten geliefert hatten, standen nach vier Jahren erstmals wieder gegeneinander auf der Matte und wieder einmal in einem Meisterschaftsfinale: Robert Zimmermann und Michael Pinske. In der Juniorenzeit ging der Sieg häufig an den zwei Jahre älteren Michael, in diesem Finale sollte es jedoch anders kommen.
Dabei hatte Robert schon im Vorfeld ganz klar gesagt: "Wir sind beste Kumpels und gegen Michael zu verlieren ist keine Schande. Ich wills aber wissen!" Agiler auf der Matte und intensiver in den Angriffsversuchen gewann letztendlich Robert Zimmermann verdient und konnte diesen Sieg kaum fassen.
Bei den Frauen dominierten die Olympia-Ersatzstarterinnen. In der Klasse bis 57 kg gewann Marlen Hein gegen die Titelverteidigerin Viola Wächter. Trotzdem sich die Halle für die Lokalmatadorin Viola Wächter mächtig ins Zeug legte, konnte sie im Finalkampf nicht überzeugen.
In der Klasse bis 63 kg schaffte die Vize-Europameisterin Claudia Malzahn (Foto rechts) eine besondere Situation "in Familie". Nachdem am ersten Wettkampftag ihre jüngere Schwester Luise bereits Meisterin wurde, zog nun auch noch die ältere nach. Claudia gewann im Finale souverän gegen das hoffnungsvolle Nachwuchstalent und Lokalmatadorin Alexandra Sebald (Foto links) und wurde zum vierten Mal Deutsche Meisterin bei den Frauen.
Auch in der Klasse bis 70 kg siegte mit Kerstin Thiele die Olympia-Ersatzstarterin. Sie gewann gegen die Berlinerin Katharina Hilger.
Ergebnisse vom 2. Wettkampftag:
Frauen
-57 kg:

1. Marlen Hein, Prenzlau
2. Viola Wächter, FC Schweitenkirchen
3. Anne Kätzler, Oranienburg
3. Miriam Garmatter, TuS Hermannsburg
5. Esther Drotler, VfL Sindelfingen
5. Sina Felske, JC 66 Bottrop
7. Nicole Hafner, 1. JC Mönchengladbach
7. Sandy Nisser, PSV Weimar
-63 kg:

1. Claudia Malzahn, SV Halle
2. Alexandra Sebald, TSV Grafing
3. Claudia Ahrens, UJKC Potsdam
3. Melanie Gerber, JC Leipzig
5. Franziska Pufahl, UJKC Potsdam
5. Romina Kucharski, UJKC Potsdam
7. Lena Katrin Eller, Judogemeinschaft Sachsenwald
7. Lisa Elm, UJKC Potsdam
-70 kg:

1. Kerstin Thiele, JC Leipzig
2. Katharina Hilger, KiK Berlin
3. Elisa Schmidtke, UJKC Potsdam
3. Barbara Baur, TSV Großhadern
5. Luisa Beckmann, Beueler JC
5. Iljana Marzok, SC Berlin
7. Nina Koch, Judoka Rauxel
7. Melanie Wolf, VfL Sindelfingen
Männer
-73 kg:

1. Mario Schendel, UJKC Potsdam
2. Wolfgang Amoussou, JC 66 Bottrop
3. Bartholomäus Konat, SSV Homburg-Erbach
3. Yannick Gutsche, TSV Bayer 04 Leverkusen
5. Rene Walter, SFV Europa
5. Soshin Katsumi, FT 1844 Freiburg
7. Julian Mehl, TSV Großhadern
7. Christopher Völk, TSV Abensberg
-81 kg:

1. Dennis Huck, JC Ettlingen
2. Robert Conrad, JC Leipzig
3. Yassin Grothaus, Crocodiles Osnabrück
3. Sven Maresch, SC Berlin
5. Stefan Oldenburg, SU Witten-Annen
5. Steffen Schirma, JC 90 Frankfurt/Oder
7. Robert Gess, JC Leipzig
7. Dominic Hofmann, JC Rüsselsheim
-90 kg:

1. Robert Zimmermann, JC 90 Frankfurt/Oder
2. Michael Pinske, SC Berlin
3. Dino Pfeiffer, BC Karlsruhe
3. Frank Dedek, JC Leipzig
5. Matthias Konitz, SV Georg Knorr
5. Robert Dumke, SC Berlin
7. Rene Kirsten, JC Leipzig
7. Toni Hinze, FSV 1895 Magdeburg

Wolfgang Amoussou (JC 66 Bottrop) mit Beinfasstechnik in der Klasse bis 73 kg gegen Julian Mehl (TSV Großhadern)

Uchi-Mata von Valentin Knobloch (TSV Bayer 04 Leverkusen) gegen Stefan Grunert (1. JC Passau) in der Klasse bis 90 kg

Der Sportamtsleiter von Bayreuth Christian Möckel lässt Ole Bischof in das Ehrenbuch der Oberfrankenhalle eintragen

DJB-Präsident Peter Frese dankt dem Bayerischen Präsidenten Gerhard Fleißner (von rechts) für die würdevolle und organisatorisch hervorragend ausgerichtete Meisterschaft
Berichterstattung und Fotos:
Erik Gruhn und Birgit Arendt