Die Trainer-B-Ausbildung
Noch mehr als in der ersten Ausbildungsstufe soll in der zweiten zielgruppenorientiert ausgebildet werden. Zurzeit bietet der Deutsche Judo Bund drei unterschiedliche Ausbildungsgänge der zweiten Stufe an:
1. Trainer-B Leistungssport
2. Trainer-B Breitensport (Judolehrer) und
3. Trainer B-Selbstverteidigung
Jede dieser Ausbildungen wird pro Jahr einmal zentral vom Deutschen Judo Bund in Köln durchgeführt. Zusätzliche werden weitere B-Ausbildungen nach Bedarf in den Gruppen oder sogar in den Landesverbänden angeboten.
Weitere zielgruppenorientierte Ausbildungen, wie Judo im Elementarbereich oder Judo in der Prävention, sind in Planung bzw. teilweise schon in der Erprobungsphase.
1. Der Trainer-B Leistungssport
Die Trainer-B Ausbildung Leistungssport orientiert sich in erster Linie an der Zielgruppe der jugendlichen Wettkämpfer von 14 bis 16 Jahren (Aufbautraining), die systematisch an den Leistungssport herangeführt werden sollen. Dabei wird der Rahmentrainingsplan des DJB stark berücksichtigt.
Die 60stündige Ausbildung unterteilt sich in ca. 26 Lehreinheiten Theorie und ca. 34 Lehreinheiten Praxis. In der Theorie beschäftigen wir uns hauptsächlich mit grundlegenden Inhalten der Trainingslehre und des modernen Technik- und Koordinationstrainings. Die Fachbereiche der Leistungsphysiologie und der Leistungspsychologie werden zentral überwiegend von Spezialisten, wie Prof. Dr. Baum oder Dr. Mickler übernommen. Die Praxis bezieht sich neben dem Kraft-und Ausdauertraining hauptsächlich auf wettkampfnahe Trainingsmittel. Dabei werden die Teilnehmer möglichst auch in das Stützpunkttraining und die Arbeit der Bundestrainer in Köln integriert. Durch die räumliche Anbindung an die Sporthochschule und die Trainerakademie gelingt es auch immer wieder Referenten, wie Klaus Keßler oder Frank Wieneke in die Ausbildung zu integrieren. Die Prüfung zum B-Trainer Leistungssport besteht aus einer kleinen Hausarbeit, einer 90minütigen Klausur zur Theorie, der Demonstration eines eigenen Handlungskomplexes und der Überprüfung des korrekten Bewegungsvorbildes. Die 1995 von Leo Held und Ralf Lippmann neu entwickelte und 1999 überarbeitete Ausbildungskonzeption wird inhaltlich ständig an moderne Entwicklungen angepasst und stellt so das wichtige Bindeglied zwischen der Trainer-C Ausbildung und der später folgenden anschlusstrainingsorientierten Trainer-A Ausbildung dar.
2. Der Trainer-B Breitensport (Judolehrer)
Als 1996 die erste neue „Judolehrer“ Ausbildung im DJB durchgeführt wurde, hatte dies Vorreitercharakter. Es war die erste rein breitensportorientiere Ausbildung auf der zweiten Ausbildungsstufe in Deutschland. Nach nur wenigen Jahren der Weiterentwicklung wurde diese Ausbildung als erste vom damaligen DSB lizensiert und die erste offizielle Trainer-B Breitensport Ausbildung war fester Bestandteil der Ausbildungs-Rahmenrichtlinien im deutschen Sport.
Heute wird die breitensportorientierte B-Ausbildung zentral in zwei Ausbildungsblöcken durchgeführt. In zwei Teilen, jeweils von Donnerstag bis Sonntag, werden die 60 Lehreinheiten überwiegend zielgruppenorientiert vermittelt. Die Zielgruppen, für die der „Judolehrer im DJB“ ausgebildet wird, sind überwiegend erwachsene, aber auch jugendliche breitensportorientierte Judoka. Themen wie funktionelle Anatomie und Gymnastik, fitnessorientiertes Kraft- und Ausdauertraining oder methodische Wege des Judounterricht stehen hier im Vordergrund. Ca. die Hälfte des Unterrichts ist mit der Trainer-B Leistungssportausbildung identische, sodass es Quereinstiegsmöglichkeiten in beide Richtungen gibt. So gibt es z.B. in Württemberg alle zwei Jahre eine dezentrale Trainer-B Ausbildung mit gemeinsamer Grundausbildung und späterer Spezialisierung.
Der Trainer-B Breitensport ist in seiner Grundstruktur eigentlich die beste Basis, um als „Allrounttrainer“ möglichst viele unterschiedliche Zielgruppen unterrichten zu können. Hier werden wichtige Grundlagen für spezielle Erweiterungslehrgänge vermittelt. Seit diesem Jahr gibt es auch die Möglichkeit solche themenorientierten Erweiterungen, wie z.B. Kata oder Fitness, im Modulsystem zur offiziellen Trainer-A Lizenz Breitensport zu nutzen.
Die Prüfung zum B-Trainer Breitensport besteht aus einer umfangreichen Hausarbeit, einer 90minütigen Klausur zur Theorie, der unterrichtbegleitenden Überprüfung des korrekten Bewegungsvorbildes und einer 20minütigen Lehrprobe.
3. Der Trainer-B Selbstverteidigung
Seit nunmehr 3jähriger Erprobungs- und Evaluierunsphase steht die Ausbildung zum Trainer-B Selbstverteidigung auf soliden Füßen und entwickelt sich zurzeit enorm positiv. Die Lehrgänge sind frühzeitig ausgebucht, sodass das zentrale Angebot im nächsten Jahr dezentral erweitert werden soll. Es ist uns gelungen, mit dem gerade frisch diplomierten Judo- und Jujutsuka Mario Staller, einen renommierten Experten als festen Referenten gewinnen zu können.
Die Ausbildung unterteilt sich in vier Module zu je 15 Lehreinheiten und wird momentan noch zentral in Köln durchgeführt.
- Modul 1 Qualifizierung zur Durchführung von Selbstsicherheitstraining
- Modul 2 Judo-Kata und Selbstverteidigung
- Modul 3 Atemi-waza, Schlag- Block und Tritttechniken
- Modul 4 Judotechnik in der Anwendung
In Modul 1 wird von Anja Derksen, die solche Kurse hauptsächlich in Zusammenarbeit mit der Polizei durchführt, vermittelt, wie Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungstraining für die Zielgruppe Frauen organisiert und durchgeführt wird.
In Modul 2 unterrichten unser Kataxperte Klaus Hanelt mit weiteren Referenten hauptsächlich Elemente aus Goshin-jutsu und Kime-no-kata unter dem Motto: „In und durch Kata Selbstverteidigung üben und lernen“.
In Modul 3 werden die für Judoka eher unbekannten Schlag- Block und Tritttechniken vermittelt und vor allem methodische Wege der Anwendung aufgezeigt. Dieses Modul wird zurzeit von Mario Staller geleitet.
Und in Modul 4 vermitteln Ralf Lippmann und Mario Staller gemeinsam die Anwendung der Judotechnik in der Selbstverteidigungssituation. Hier steht der Umgang mit Widerständen und sich verändernden Bedingungen im Vordergrund; ein Thema, mit dem sich beide Referenten sowohl in Praxis als auch in Theorie und über Veröffentlichungen intensiv beschäftigt haben.
Die Prüfung zum B-Trainer Selbstverteidigung besteht aus einer umfangreichen Hausarbeit, der unterrichtbegleitenden Überprüfung des korrekten Bewegungsvorbildes und ab 2010 einer 20minütigen Lehrprobe. Wer bereits in der zweiten Stufe lizenziert ist, dem genügen 45 Lehreinheiten ohne Prüfung zur Zusatzqualifikation, wobei Modul 4 Pflicht ist und aus den anderen drei zwei gewählt werden können.
Lizenzen der zweiten Stufe müssen innerhalb von zwei Jahren mit 15 Lehreinheiten verlängert werden.