Judo - Eine Sportart für alle

Judo - Eine Sportart für ALLE. Seit Beginn der 70er Jahre wird Judo erfolgreich in den Behindertensport integriert. Den behinderten Menschen werden Anreize im Bereich der Koordinationsfähigkeit und Kräftigung gegeben. Judo ist eine interessante Alternative/Ergänzung zur Krankengymnastik. Es wurde festgestellt, dass sich bei vielen der Muskeltonus reguliert. Auch psychosomatische Probleme verschwinden, die Selbstsicherheit steigt und die Koordinationsfähigkeit verbessert sich.

Zwei Prinzipien bestimmen das Wesen der Sportart Judo:

Das Technische Prinzip vom Siegen durch Nachgeben betont die notwendige Bewegungsökonomie. Der Judoka will mit möglichst geringem Aufwand zu maximalen Erfolgen kommen. Dieses lässt sich erreichen, wenn Körper und Geist zu einem höchst wirksamen Gebrauch und Zusammenspiel trainiert werden.

Das Moralische Prinzip vom gegenseitigen Helfen und Verstehen lässt Judo zu einem ausgezeichneten Erziehungssystem werden. Wichtig zu wissen, dass dieses Prinzip nicht heute in die Sportart hinein interpretiert wird, sondern vor über 110 Jahren niedergeschrieben, die Grundlage für das moderne Judo bildet.

Judo ist somit ein dynamisches Bewegungsangebot für alle Behinderten, weil es den behinderten Menschen ganzheitlich erfasst, weil behinderte Menschen diesen Sport mit ihrer ganzen Person betreiben und weil Judo für Behinderte spezifische Methoden, Techniken und Verfahren ausgebildet hat, die alles unterlassen, was zusätzlich schädigend oder störend wirken kann.

Judo bietet ein vielseitiges Angebot an Stand- und Bodentechniken. Durch die Ausbildung von Kombinations- und Kontertechniken, durch Übungen zum Fallen, Werfen und Halten ist die Sportart von sich aus so vielseitig strukturiert, dass eine differenzierte motorische Entwicklung beim Judosportler erwartet werden kann. An die Stelle des Judotrainings leistungsorientierter Prägung, des effizienten Lernens motorischer Fertigkeiten durch Nachvollziehen vorgegebener Handlungsmuster, tritt das explorierende Lernen im Spiel, durch Spiel und auf spielerische Weise. Angestrebt wird eine kreative, aktive und reaktive Bewegungsgestaltung, bei der Körper- und Bewegungsmöglichkeiten den individuellen Fähigkeiten entsprechend experimentierend eingesetzt werden.

Welche Zielsetzung steht dahinter?

Ein Jukoda kann seine Techniken verbessern, höhere Judo-Grade erwerben oder verschiedene Formen des Wettkampfsportes betreiben. Das Ziel des Judo der Behinderten besteht jedoch nicht primär darin, eine Judotechnik effizient, brillant und dynamisch auszuführen. Vielmehr will Judo dazu beitragen, den behinderten Menschen bei der Bewältigung ihrer Alltagsprobleme durch ein kleines Stückchen mehr an Selbständigkeit und Handlungskompetenz zu helfen. Neben den sportlichen Aktivitäten geht es um die Verbesserung der psychosozialen und gesellschaftlichen Situation durch Förderung von Kontakten und Kommunikation. Trainingsgrundlagen des Judo sind partnerschaftliche Boden- und Standtechniken, Gemeinschaftsspiele und Entspannungsübungen. Unser Motto: Freude an der Bewegung

Judo als Rehabilitationssport

Judo wirkt mit den Mitteln des Sports ganzheitlich auf Behinderte oder von Behinderung Bedrohte ein und unterstützt als eine von vielen Maßnahmen den Therapieplan des Arztes. Dabei werden insbesondere die konditionellen Fähigkeiten Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit, sowie die koordinativen Fähigkeiten Gleichgewicht, Reaktion, Orientierung und Geschicklichkeit gefördert. Judo als Rehabilitationssport umfasst sportliche Übungen in Gruppen unter ärztlicher Betreuung bzw. Überwachung. Dieser Sport darf nur von Übungsleitern mit einer besonderen Qualifikation im Rahmen von regelmäßig abzuhaltenden Übungsstunden durchgeführt werden. Die Sportart Judo bietet alle Voraussetzungen, um als Rehabilitationssport von den gesetzlichen Trägern der Rehabilitation anerkannt zu werden.

Judo mit Geistig- und Lernbehinderten

Bei geistig behinderten Menschen hat sich gezeigt, dass diese gerne raufen und sich auseinandersetzen. Durch dieses Raufen können sie aggressives Verhalten abbauen, ihr Selbstbewusstsein stärken und auch das Gruppenverhalten verbessern.

Judo für Geistig- und Lernbehinderte wird erst seit Beginn der 80er Jahre angeboten. Häufig arbeiten hier die Judovereine mit den Einrichtungen für geistig Behinderte zusammen. Anfängern werden zunächst nur Bodentechniken gezeigt, da sie im Stand oft Gleichgewichtsstörungen haben. Im Boden ist eine kämpferische Auseinandersetzung möglich, ohne dass eine besondere Verletzungsgefahr besteht. Im Stand dominieren bei behinderten Judokas Beintechniken und Eindrehwürfe.

Mittlerweile werden für Geistig- und Lernbehinderte auch Wettkämpfe angeboten, unter anderem auch die Deutschen Meisterschaften.

Judo mit Verhaltensauffälligen und psychisch Kranken

Bei verhaltensauffälligen Menschen soll in erster Linie das Selbstwertgefühl und das Selbstbewusstsein gestärkt werden. Sie lernen im Judo ein besseres Verhalten dem Partner und der Gruppe gegenüber. Judo ist mehr als eine Freizeitbeschäftigung, denn es wird gezielt zur Unterstützung der Therapie eingesetzt.

Judo als Breitensport für Behinderte

Hier orientiert sich Judo primär an individuellen Normen und Leistungen und berücksichtigt besonders die Bedürfnisse nach Gesundheit, Geselligkeit, Spiel und Spaß. Tragende Elemente sind die Betonung nicht wettkampforientierter Inhalte und die Einbeziehung anderer Sportarten und vielfältigen Freizeitaktivitäten.

Judo als Wettkampfsport

Blinde und sehbehinderte Judoka kämpfen bei Welt- und Europameisterschaften sowie bei den Paralympics um Titel und Medaillen. Aber auch für Judoka mit einer körperlichen und geistigen Behinderung wurde auf internationaler Ebene ein sportliches Wettkampfsystem aufgebaut. Deutsche Judomeisterschaften sind bereits installiert, Europa- und Weltmeisterschaften werden folgen.

Wie sieht eine Judostunde aus?

Eine Judostunde beginnt und endet immer mit einem rituellen Grußzeremoniell. Die anschließende Erwärmungsphase beinhaltet gymnastische Übungen und interaktive Spiele. Der Judoteil besteht aus einem partnerschaftlichen Training von Fallübungen, Wurftechniken und Bodengriffen. Kämpferische Spiele und entspannende Phasen runden die Judostunde ab.

Vielen Menschen mit geistiger Behinderung kommt der eher reglementierte und teils ritualisierte Ablauf einer Judo-Übungsstunde bei der Bewältigung ihrer Probleme sehr entgegen. Sie empfinden diese Teile einer Trainingsstunde keinesfalls einengend, sondern hilfreich bei der Bewältigung vieler Probleme, die ihre Erkrankungen mit sich bringen, wie Konzentrationsschwächen, Wahrnehmungsstörungen usw.