Alina Böhm gewinnt Gold

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Alina Böhm wird Europameisterin, Johannes Frey Vize-Europameister. Luise Malzahn wird Fünfte.

01.05.2022 von [Birgit Arendt]

Alina Böhm (JZ Heubach, WÜ) gewann den ersten Kampf in der Klasse -78 kg gegen die Spanierin Lucia Perez Gomez nach reichlich zwei Minuten. „Es war ein spektakulärer Ippon“, ist Bundestrainer Claudiu Pusa begeistert. Die Israelin Inbar Lanir besiegte sie nach einer Minute am Boden mit einer Haltetechnik und stand damit im Poolfinale gegen Natalie Powell aus Großbritannien. Nach fast drei Minuten erzielt Alina Böhm einen Waza-ari, den sie bis zum Kampfende erfolgreich verteidigt und steht damit im Halbfinale. In einem schweren Kampf gegen die Italienerin Alice Bellandi gewinnt sie im Golden Score durch die dritte Strafe für die Italienerin. „Es war ein schwerer Kampf, in dem die Italienerin immer versuchte zu tricksen. Aber die Kampfrichter haben gute Leistungen gezeigt und das auch erkannt“, kommentiert Claudiu Pusa den Kampf.

Alina Böhm überglücklich mit ihrer Goldmedaille und dem Trainerteam

Im Finale gegen die Niederländerin Guusje Steenhus erzielt Alina Böhm nach fast zwei Minuten Waza-ari, den sie verteidigte. Damit wurde sie zum ersten Mal Europameisterin bei den Frauen. „Ich fühle mich unglaublich und könnte die ganze Welt umarmen“, sagt sie überglücklich am Ende des Wettkampftages. „Ich bin so happy und kann es noch gar nicht glauben.“ Für diese Europameisterschaft in Sofia war sie hoch motiviert. „2015 bin ich in der gleichen Halle Jugend-Europameisterin geworden. Es war heute Morgen alles gleich, es war ein magischer Moment für mich und dann habe ich diesen Erfolg von damals sogar wiederholt.“

Luise Malzahn (SV Halle, ST) startete nach einem Freilos gegen die Italienerin Giorgia Stangherlin und siegte nach weniger als zwei Minuten mit Ippon. Im Poolfinale gegen die Portugiesin Patricia Sampaio gingen die beiden Kämpferinnen ins Golden Score. Auch wenn die Portugiesin bereits zwei Strafen hatte, verlor Luise Malzahn mit Waza-ari nach 4:41 min Kampfzeit.

Luise Malzahn in Aktion - Am Ende steht ein starker 5. Platz

In der Trostrunde kämpfte Luise Malzahn zunächst gegen die Ukrainerin Anastasya Turchyn. Nach reichlich einer Minute führte sie mit Waza-ari, die Ukrainerin glich jedoch eine Minute später aus. Sehr schnell ging Luise Malzahn jedoch im Boden weiter und erkämpfte mit  einer Haltetechnik den zweiten Waza-ari. Damit stand sie im Kampf um Bronze gegen die Italienerin Alice Bellandi. Diese warf nach reichlich einer Minute Waza-ari, den sie erfolgreich verteidigte. Luise Malzahn wird damit EM-Fünfte. „Luise hat einen guten Wettkampf gemacht und einen guten 5. Platz erreicht. Es war schade, dass es nicht zur Medaille gereicht hat“, sagt Bundestrainer Claudiu Pusa.

Insgesamt sieht er ein gutes Teamergebnis der Frauen bei den Europameisterschaften. „Wir sind auf der richtigen Spur, haben aber dennoch viel Arbeit vor uns und müssen noch an einigen Schrauben drehen.“

Johannes Frey (JC 71 Düsseldorf, NW) gewann im Schwergewicht alle Kämpfe bis zum Finale mit Ippon, erst dort stoppte ihn Jur Spijkers aus den Niederlanden. Im ersten Kampf gegen den Franzosen Joseph Terhec trotzte er ihm drei Bestrafungen ab und gewann nach zweieinhalb Minuten mit Ippon. Auch der zweite Kampf gegen den Aserbaidschaner Ushangi Kokauri ging nur unwesentlich länger und Johannes Frey schloss mit einem sehenswerten Sumi-gaeshi ab. Im Halbfinale besiegte er den Ungarn Richard Sipocz bereits nach 32 Sekunden mit Ippon für einen Tai-o-toshi.

Johannes Frey zeigte eine tolle Leistung bei der EM in Sofia und belohnte sich mit Silber

Ins Finale gegen den deutlich kräftigeren Jur Spijkers aus den Niederlanden ging er sehr selbstbewusst. Bundestrainer Daniel Gürschner beschreibt jedoch auch: "Plötzlich hat er den Stecker gezogen." Nach zwei Minuten brachte der deutlich schwerere Niederländer Johannes Frey aus dem Gleichgewicht und mit einem schnellen Übergang in den Boden musste er sich mit einer Haltetechnik geschlagen geben. Damit gewinnt Johannes Frey Silber. „Johannes hat heute ein gutes Turnier gekämpft. Er war sehr konzentriert und bis zum Finale konnte er sein Judo zeigen. Schade, dass es nicht zu Gold gereicht hat“, sagt Daniel Gürschner als betreuender Trainer. Johannes Frey hatte keinen optimalen Start in die Europameisterschaften. Nach der Unmittelbaren Wettkampf-Vorbereitung in Kienbaum kämpfte er zunächst mit einer Mandelentzündung und brachte beim Wiegen lediglich 107 kg auf die Waage. Einige seiner Gegner, wie Kokauri oder auch Spijkers, wiegen mit fast 150 kg deutlich mehr. Dennoch fährt er immer zu einem Turnier, um ganz vorne dabei zu sein und hat dies ja auch bereits oft bewiesen, dass er das kann. "Es war für mich ein starkes Turnier und ich habe mich von Kampf zu Kampf gesteigert", schätzt er ein. Die Silbermedaille ist für ihn eine wichtige Medaille in seiner Karriere. "Ich bin sehr glücklich über die EM-Medaille."

In der gleichen Gewichtsklasse kämpfte Losseni Kone (SC Alstertal-Langenhorn, HH) gegen den Olympia-Zweiten in Tokio Guram Tushishvili aus Georgien. Er ging hochmotiviert in den Kampf und hatte dem Georgier zwei Strafen abgetrotzt. "Er war sich seiner Power bewusst und hat das auch den Geogier spüren lassen", sagt bundestrainer Daniel Gürschner. Im Golden Score nach insgesamt viereinhalb Minuten Kampfzeit setzte sich der Georgier dann doch mit Waza-ari durch und Losseni Kone schied damit aus.

In den Klassen bis 90 und bis 100 kg kämpften drei weitere Athleten des Deutschen Judo-Bunds.

Johann Lenz (TSV Großhadern, BY) kämpfte in seinem ersten Kampf gegen Andrej Charkarovski aus Nord-Mazedonien sehr souverän und besiegte ihn bereits nach weniger als einer Minute mit Waza-ari und setzte eine halbe Minute später noch Ippon drauf. Im zweiten Kampf gegen den Niederländer Jesper Smink begann er gut, kassierte jedoch nach zweieinhalb Minuten Waza-ari. Damit musste er stärker in die Offensive, schaffte es jedoch nicht mehr, diese Wertung zu egalisieren. Damit schied er aus.

Karl-Richard Frey (TSV Bayer Leverkusen, NW) kennt Mathias Madsen aus Dänemark als Trainingspartner aus verschiedenen Trainingscamps. Er besiegte ihn im Golden Score nach insgesamt 5:10 min Kampfzeit mit Ko-soto-gari. Sein nächster Gegner war Varlam Lipparteliani aus Georgien, Vize-Olympiasieger und Fünfter von Tokio sowie dreifacher Vize-Weltmeister. Karl-Richard Frey probierte alles und hatte auch durchaus Chancen, die jedoch nicht belohnt wurden. Letztendlich hatte der Georgier die besseren Chancen und siegte mit Waza-ari und nach dreieinhalb Minuten mit Ippon. Für Karl-Richard Frey bedeutete es das Wettkampf-Aus.

Falk Petersilka (1. Godesberger JC, NW) beginnt gegen den Bulgaren Kostadin Tsvetanov, den er gut beherrscht und nach reichlich zwei Minuten mit einer Haltetechnik gewann. Im nächsten Kampf trat er gegen den späteren Europameister Michael Korrell aus den Niederlanden an. Er war gut eingestellt auf den physisch starken Niederländer, musste dann jedoch nach fast zweieinhalb Minuten eine Waza-ari-Wertung abgeben. Er schaffte es nicht mehr, diesen Rückstand aufzuholen und schied damit aus dem Wettkampf aus.

"Wir müssen mehr Sicherheit in den Angriffen bekommen", sagt Bundestrainer Daniel Gürschner als Erkenntnis aus der EM. "Dicht daneben ist eben auch vorbei", wertet er die durchaus guten Anfangskämpfe der Männer, die dann in den zweiten Kämpfen nicht mehr siegreich waren. "Die Männer müssen sich vor keinem verstecken. Umso schwerer ist es für uns Trainer zu sehen, dass sie es nicht bis ganz oben schaffen. Die Möglichkeiten haben alle." Als großes Manko sieht Daniel Gürschner die fehlenden internationalen Trainingscamps, die in der Corona-Zeit alle gestrichen wurden. "Uns fehlt die internationale Konkurrenz im Training."

Daniel Gürschner vertrat den Bundestrainer Pedro Guedes, der mit der Nationalmannschaft bereits im internationalen Trainingslager in Brasilien weilt. "Ich freue mich, dass Pedro Guedes als Chef-Bundestrainer das Vertrauen hat, dass ich ihn zur EM vertreten durfte. Für die Athleten war das sicher kein Problem, da wir eng als Team zusammenarbeiten", sagt Daniel Gürschner über seine Verantwortung bei der EM.

Für die meisten Athleten aus der EM-Nationalmannschaft geht es am Montag ebenfalls ins Trainingscamp nach Brasilien. In Sao Paulo warten bereits einige Athleten aus dem Bundeskader und weitere internationale Teams.

In der ZDF-Sportreportage wird der Erfolg von Alina Böhm und Johannes Frey ab Minute 33:12 in einem kurzen Beitrag aufgegriffen: https://www.zdf.de/sport/zdf-sportreportage/sportstudio-reportage-vom-1-mai-2022-100.html.

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