Angelika Wilhelm wird verabschiedet

Birgit Arendt
Stephan Bode, Angelika Wilhelm, Frank Doetsch und Thomas Schynol

Die internationale Kampfrichterin Angelika Wilhelm wurde von ihren Kollegen und Kolleginnen emotional aus ihrer aktiven Kampfrichterlaufbahn verabschiedet.

25.06.2022 von [Birgit Arendt]

Nach fünf Paralympics, elf Weltmeisterschaften, fünf World Games und 21 Europameisterschaften wurde nun Kampfrichterin Angelika Wilhelm von ihren Kampfrichterkollegen offiziell verabschiedet.

Angelika Wilhelm war einst selbst aktiv und war 1987 DDR-Vize-Meisterin. Nach ihrem Studium der Elektrotechnik/Informatik arbeitete sie dann recht schnell als hauptamtliche Trainerin. Auch war sie Gründungsmitglied des Thüringer Judo-Verbandes und verantwortete dort über 30 Jahre lang das Kampfrichterressort. 2005 wurde ihr dann eine Stelle als Berufsschullehrerin für Informatik und Mathematik angeboten. Seitdem arbeitet sie mit viel Freude und Engagement in diesem Beruf, aber parallel auch immer als Kampfrichterin und Trainerin im Judo.

Bereits 1988 wurde sie in Budapest IJF-B-Kampfrichterin, im Jahr 2000 bestand sie in Soul, Korea, die Prüfung zur IJF-A-Kampfrichterin.

Sie schiedste bei Europa- und Weltmeisterschaften vor allem im Nachwuchsbereich und arbeitete sich schnell in die Kampfrichterei bei den sehbehinderten Judoka ein.

Mit ihrer Kompetenz und ihrem Einfühlungsvermögen wurde sie bereits 2004 zu den Paralympics in Athen nominiert. Auch 2008 in Peking und 2012 in London wurde ihr diese Ehre zuteil. 2014 wurde ihr das Vertrauen gegeben, im IBSA-Team (International Blind Sports Federation) als Kampfrichterdirektorin zu arbeiten. Als solche nahm sie dann auch 2016 in Rio de Janeiro und 2021 in Tokio an den Paralympics teil.

Neben den Weltmeisterschaften der Junioren 2002 in Korea war sie bis 2018 bei zehn Weltmeisterschaften der sehbehinderten Judoka eingesetzt.  

Ihr Wissen und ihre Erfahrungen gab sie auch als Mitglied der Kampfrichterkommission der DDR von 1987-1990 und dann auch der Bundes-Kampfrichterkommission von 2001-2021 und als Landeskampfrichterreferentin in Thüringen von 1990-2021 weiter.

Für ihr Engagement und ihre Leistungen für den Judo-Sport erhielt sie 2015 das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, erhielt die Guts-Muths-Ehrenmedaille in Gold 2020 und wurde nach dem über 30-jährigen Engagement in Thüringen Ehrenmitglied des Landesverbandes.

„Mich hat die Zeit bei der IBSA sehr geprägt. Nicht nur durch meine Kampfrichter-Arbeit sondern vor allem als Kampfrichter-Direktorin habe ich in den zwei Olympiazyklen sehr viel geschafft“, sagt sie. Sie hat Strukturen aufgebaut und ihre Ideen eingebracht für eine professionelle Arbeit im Bereich der Sehbehinderten. „Da ist mir viel gelungen und ich bin auch stolz darauf. Ich habe erreicht, was ich realistisch erreichen konnte“, sagt die ehrgeizige Kampfrichterin. „Man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist. Und ich habe den Eindruck, dass es jetzt so ist.“

Auch schließt sich für sie ein Kreis. „Ich habe 1992 bei meinem ersten großen Turnier außerhalb von Europa in Tokio angefangen und habe jetzt mit den Paralympics in Tokio einen Schlusspunkt gesetzt.“

Nun will sie sich in erster Linie um sich selbst kümmern, vor allem um ihre Gesundheit und sie will auch mehr Zeit mit ihrer Familie genießen.

„Ich gehe zufrieden, hatte wunderschöne Jahre und jetzt ist Zeit für etwas Neues“, sagt sie und möchte nun auch noch anderen Sportarten wie Tischtennis und Radfahren nachgehen und hat noch viele Reiseziele in aller Welt auf ihrer Agenda.

Ihre Kampfrichterkollegen und -Kolleginnen bereiteten ihr einen emotionalen Abschied. Kampfrichterreferent Stephan Bode, DJB-Präsident Thomas Schynol und Vorstandssprecher Frank Doetsch überreichten ihr ein Abschiedsgeschenk und dankten ihr für ihre jahrzehntelange engagierte Arbeit.