Deutschlands Judoka vereint beim Judo-Festival

Passend zum Tag der Deutschen Einheit treffen sich Judokas aus ganz Deutschland zum Judo-Festival 2019 in Oberhaching. Vier Tage "Judo pur".

05.10.2019 von [Jens Keidel und Melina Röll]

Die mit Sicherheit weiteste Anreise hatten Teilnehmende aus Borkum mit einer 13-stündigen Fahrt. Aber es lohnt sich. Zu diesem Grißevent in Bayern sind Top-Referenten aus ganz Judo-Deutschland und darüber hinaus geladen.

Am ersten Tag konnten die Teilnehmenden vormittags zwischen vier verschiedenen Workshops wählen: Der dreifache Olympiateilnehmer und Stützpunkttrainer in München, Winston Gordon, bot ein abwechslungsreiches Training zu dem Thema „Grip and Throw“ an und zeigte während der Mittagspause „Juji-gatame“ aus verschiedenen Situationen. U18-Bundestrainer Bruno Tsafack vermittelte den Teilnehmenden „bewegtes Judo“ und Knut Nowak, ehemaliger Physiotherapeut der deutschen Nationalmannschaft und Bundesligakämpfer, erklärte wie man „Sehnen und Gelenke für Wettkampfjudokas vorbereiten“ kann. Sven Keidel, Prüfungsreferent des Bayerischen Judo-Verbandes, vermittelte Kata unter dem Motto „Best of Kata“.

„Es ist echt schwer, sich bei so einem breiten Angebot für einen Workshop zu entscheiden“ so Paola Onofaro aus Wildeshausen. „Ich finde es total toll, dass uns hier in so kurzer Zeit so viel geboten wird“, fährt sie fort.

Am Nachmittag zeigte Bruno Tsafack dann einen „Ne-waza-Handlungskomplex“ in seinem zweiten Training. Yasuko Haramaki, Stützpunkttrainerin in München, vermittelte alles „Rund um O-uchi-gari“. „Das macht total Spaß mit ihr! Man sieht ihr an, dass sie Spaß an der Sache hat, weil sie immer so viel lacht“, sagte Tobias Seifert. Knut Nowak führte seinen Workshop vom Vormittag fort. Er hat seine Workshops gefilmt und stellt das Material nun auf seinen YouTube-Channel https://www.youtube.com/channel/UCFNcCI195puQYzIoRULPuWw online. Simon Schnell, Athletiktrainer des Nationalkaders, zeigte was es beim „Hanteltraining“ zu beachten gibt. Nadine Wewer, Illustratorin, Designerin und Autorin bot zudem einen Workshop zum Thema „Manga zeichnen – leicht gemacht“.

Bruno Tsafack in Aktion

In der zweiten nachmittäglichen Workshopphase ging es genau so interessant weiter. Während Yasuko Haramaki „Maki-komi“ unterrichtete, hatte Simon Schnell das Ziel: „I make you strong!“ Richtig austoben konnten sich die Judokas, die am Randori unter der Leitung von Alexander Bauhofer, Landestrainer in Bayern, teilnahmen. Jörn Meiners, Bundestrainer im Ju-Jutsu zeigte „Selbstverteidigung – Atemi“.

Wer am Abend noch Energie hatte, konnte die Spezialtechnik von Ilse Heylen aus Belgien, Olympia-Dritte 2004 in Athen, erlernen. Als Überraschung kam Timo Cavelius, Nationalkaderathlet und Zweiter beim Grand Prix in Tiflis (Georgien) zum Workshop von Ilse dazu und vermittelte den Judoka auf der Matte ebenfalls seine Spezialtechnik. Für die nicht ganz so energiegeladenen Teilnehmer bestand die Möglichkeit, sich beim „Meinungen, Gedanken Austausch“ mit Funktionären des  BJV und DJB zu unterhalten. Außerdem bestand die Möglichkeit in der Sauna und dem Schwimmbad zu entspannen. „Der Tag war sehr anstrengend, aber ich habe viel gelernt. Ich freue mich schon auf die nächsten Tage und bin gespannt, was noch auf mich zukommt“, sagte Markus Ühlein aus Unterfranken.

Frisch ausgeschlafen konnten die Teilnehmenden sich auf einen zweiten, mindestens genauso spannenden und aktiven Tag freuen. Am Morgen konnten sie mit Bruno Tsafack „Situationen schaffen“ und Winston Gordon zeigte „O-soto-gari IN & OUT“. Wer einmal etwas neues ausprobieren wollte, hatte die Möglichkeit sich im Capoeira zu versuchen. Zusammen mit Sabiá Senzaleiro, Capoeira-Lehrer, wurden die Teilnehmenden an die brasilianische Kampfkunst bzw. Kampftanz herangeführt. Hier war vor allem ein gutes Rhythmusgefühl nötig. „Ich fand das cool! Es war sehr interessant diese Kombination aus Kampfsport und Tanzen erleben zu dürfen.“, so Theresa Lutter aus der Oberpfalz.  Außerdem wurde der Film „Mrs. Judo – Be strong Be Gentle Be Beautiful“ gezeigt. In diesem Film geht es um das Leben von Keiko Fukuda, eine mittlerweile verstorbene Kämpferin mit dem 10. Dan im Judo.
 
Nach dem Mittagsessen zeigte Yasuko Haramaki „Leglocks (Ne-Waza)“. Parallel konnten die Teilnehmenden am Workshop „Fun & Action“ des DJB-Juniorteams teilnehmen. Das DJB-Juniorteam ist ein Zusammenschluss junger Judoka, die sich freiwillig engagieren. „Ohne die Unterstützung der Jugendlichen, wäre hier vieles nicht möglich gewesen“, betont Jens Keidel, Cheforganisator des Judo-Festivals. Simon Schnell zeigte im gleichen Zeitfenster „Judospezifisches Konditionstraining“. Patrick Stix, Beauftragter für Gewaltprävention im Berliner Judoverband, erarbeitete mit den Teilnehmenden in seinem Workshop alles Rund um das Thema „Konfliktmanagement“.

In der zweiten Nachmittagsrunde konnten sich die Judoka im Randori auspowern. Referent Alexander Bauhofer legte hier den Schwerpunkt auf das Anleiten eines aufgabengebundenen Randoritrainings. Auch  Jens Keidel ließ es sich nicht nehmen bei diesem Event selbst auf der Matte aktiv zu werden. Er zeigte, „Kata – leicht gemacht für Kyu-Prüfungen“. Wer den frühen Abend etwas entspannter angehen wollte, konnte sich im Yoga mit Gernot Wührer, u.a. Neurofeedback-Therapeut, Sportpsychologe, Yogalehrer, Prana-Lehrer und Heilpraktiker für Psychotherapie, erproben. In einem weiteren Workshop von Simon Schnell ging es um die Theorie hinter „Krafttraining für Judoka“.

Nach dem Abendessen gab es wieder die Chance sich mit Ilse Heylen und ihrer Spezialtechnik auseinanderzusetzen. Die Olympia-Dritte betonte, dass sie sehr glücklich ist hier sein zu dürfen und die Teilnehmenden mit Spaß an der Sache etwas lernen sollen. Außerdem konnte man mit Jens Keidel alles zum Thema „Sturzprävention“ lernen. Johanna Bloehs aus Ingolstadt ist begeistert vom Judo Festival: „Meine Erwartungen wurden in den beiden vergangenen Tagen voll erfüllt! Ich freue mich schon auf die letzten beiden Tagen des Judo-Festivals“.

Ein großes Dankeschön geht an AirHop München https://www.airhoppark.de/unsere-parks/muenchen/, die für alle Teilnehmenden Turnbeutel zur Verfügung stellten, sowie Dax-Sports, die eine großzügige Mattenfläche ermöglichen.