Emotionale Olympia-Erinnerungen

Birgit Arendt
Das DJB-Präsidium und der Vorstand mit unseren Olympia-Helden

Im Rahmen einer Gala-Veranstaltung in Leipzig wurden unsere Olympia-Helden von Tokio geehrt.

11.10.2021 von [Birgit Arendt]

Hoch oben über den Dächern der Stadt Leipzig im Panorama-Tower hatte Präsident Daniel Keller die Vertreter der Landesverbände, Ehrengäste und Kampfrichter eingeladen, um unsere Olympia-Helden von Tokio zu empfangen und zu ehren.

Als die Hauptakteure des Abends ankamen, gab es minutenlang Standing Ovation.

Bevor es zunächst zum Gala-Dinner ging, gratulierte Daniel Keller einem Landespräsidenten zum Geburtstag. Thomas Jüttner aus Berlin durfte seinen 44. Ehrentag in solch einem schönen Ambiente mit seinen Judo-Kollegen feiern.

Präsidenten unter sich

Aber dennoch, an diesem Abend standen einzig und allein unsere Olympioniken im Mittelpunkt. Und so formulierte es auch Daniel Keller in seiner Eingangsrede. Der DJB möchte sich bedanken bei den Athleten und noch einmal viele schöne Momente von Olympia teilen. „Ihr habt Hervorragendes geleistet und Euch hervorragend präsentiert. Ihr seid unsere Vorbilder und habt Judo-Deutschland viel Freude und Spaß bereitet. Vielen Dank dafür“, sagte er an die Athleten gewandt.

Als erstes wurde unsere Weltmeisterin und Olympia-Bronze-Gewinnerin Anna-Maria Wagner mit ihrem Heimtrainer Mirko Grosche geehrt. Für Olympiamomente von ihr als Einstimmung gab es noch einmal viel Beifall. „Ich habe immer noch Gänsehaut, vor allem wenn ich sehe, dass ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen ist“, sagt Anna-Maria Wagner gerührt nach dem Film. Sie dankte vor allem ihrer Trainingspartnerin Maike Ziech. „Ohne sie hätte ich es nie geschafft.“ 

Anna-Maria Wagner bei ihrer Ehrung

Auch ihr Heimtrainer Mirko Grosche gab noch einmal einen Rückblick auf seine Gedanken während der Olympischen Spiele. „Ich habe alles verfolgt und war schon sehr nervös.“ Seine Bedenken waren vor allem darauf gerichtet, ob zwei so große Höhepunkte kurz hintereinander zu stemmen sind. „Aber nach einer kurzen Erholungsphase nach den Weltmeisterschaften hatte ich dann doch die Gewissheit, dass Anna es schaffen kann.“ Er erhielt ein Geschenk als Dankeschön. Anna-Maria Wagner wurde mit dem 4. Dan ausgezeichnet. 

Mirko Grosche gut gelaunt mit DJB-Präsident Daniel Keller

Der Vize-Olympiasieger von Tokio, Eduard Trippel, wurde mit seinem Heimtrainer Andreas Esper geehrt. Ach seine Olympia-Impressionen begeisterte alle Gäste. „Es ist schön zu sehen, es löste viele schöne Gefühle und positive Erinnerungen aus“, sagt Eduard Trippel ergriffen nach dem Video. Auf sein stetes Lächeln angesprochen, gab er eine Erklärung dafür. „Alle waren so verkrampft und ich wollte einfach nur den Wettkampf genießen.“ Für ihn war das Finale dann noch der Bonuskampf. „Es hat dann aber leider nicht ganz gereicht.“ Dennoch, ein Bild bleibt sicher vielen in Erinnerung. Das gemeinsame Foto mit Lasha Bekauri nach dem Finale, bei dem beide glücklich in die Kamera strahlen und besondere Achtung füreinander ausstrahlen. „Lasha macht ein cooles Judo. Und wenn ich einem den Olympiasieg gönne, dann vor allem ihm“, gibt sich Eduard Trippel unglaublich fair. 

Eduard Trippel im Interview mit Olympia-Bronzemedaillengewinnerin Annett Böhm

Sein Heimtrainer Andreas Esper plauderte dann noch etwas aus dem Nähkästchen. Im Vorfeld hatte sein Schützling sich am liebsten einen richtigen Kracher für den ersten Kampf gewünscht, um richtig reinzukommen. Den bekam er dann auch – und nicht nur im ersten Kampf. Mit dem Serben Nemanja Majdov stand ihm der Weltmeister von 2017 gegenüber, den er mit Waza-ari bezwang. Der nächste Gegner Donghan Gwak aus Korea ist Weltmeister 2015, Krisztian Toth Vize-Weltmeister von 2014 und aktueller Bronzegewinner von Budapest.  Auch sein Halbfinalgegner Michael Zgank aus der Türkei ist Vize-Weltmeister von 2017. Im Finale dann Lasha Bekauri. Der 21-jährige Georgier ist Doppel-Weltmeister bei den Junioren. „Es ist alles aufgegangen“, sagt Esper noch immer glücklich über den Ausgang eines sehr stressigen Tages Ende Juli.

Auch für Trainer Andreas Esper gab es ein Dankeschön und Eduard Trippel erhielt den 3. Dan. „Ja, der Trip(p)el-Dan“, scherzte er mit einem Wortspiel begeistert. 

Trip(p)el-Dan Trainer Andreas Nesper

Bevor unser Bronze-Team nach vorn kam, gab es auch noch die magischen Momente des Team-Wettkampfes. Wer denkt nicht noch an den Moment, als Anna-Maria Wagner trotz Verletzung ihren Kampf gewonnen hatte und vom ganzen Team umarmt wurde. Oder als der Matchwinner Sebastian Seidl gefeiert wurde.

Giovanna Scoccimarro bringt es auf den Punkt: „Es hat super viel Spaß mit dem Team gemacht. Man hatte den kompletten Rückhalt des Teams hinter sich. Wir haben Geschichte geschrieben.“

Einer, der Motivation für das Team angesagt hatte, war Karl-Richard Frey. Im Vorfeld hatte er eine Ansprache im Team gemacht, die für viele bestimmend war. „Ich möchte, dass Ihr alles gebt und der Welt zeigt, was Ihr wollt und Euch wie eine Familie fühlt!“ Das Musketiere-Motto „Einer für alle, alle für einen“ stand für das Team im Raum wie ein Fels in der Brandung.

Für Theresa Stoll ist diese Ansprache heute noch sehr emotional. „Es war einfach Gänsehaut. Kalle, dieser starke Mann, hat solche Worte rausgehauen.“ Für einen gab es aber besonderen Druck. Sebastian Seidl entschied mit seinem Kampf über Sieg oder Niederlage im Bronzekampf. „Es lastete ein großer Druck auf mir, aber der Kampf hatte Spaß gemacht und ich war mir eigentlich sicher, dass ich gewinnen werde. Ich habe versucht, immer selbstbewusst zu bleiben und mir gesagt: das musst Du jetzt nach Hause holen!“

Für die Mannschaft gab es noch einmal begeisterten Applaus. 

Besondere Ehre für unsere Olympia-Sportler

Auch die anderen Team-Mitglieder erhielten für ihre Leistungen den nächsthöheren Dan als Auszeichnung. Damit sind unsere Athleten aus der Nationalmannschaft nun mit den folgenden Dan-Graden auf den Matten der Welt unterwegs:

  • Eduard Trippel, Giovanna Scoccimarro und Jasmin Grabowski tragen nun den 3. Dan,
  • Sebastian Seidl, Igor Wandtke, Theresa Stoll und Anna-Maria Wagner den 4. Dan,
  • Karl-Richard Frey und Martyna Trajdos erhielten den 5. Dan.
  • Ebenso ausgezeichnet mit dem 5. Dan wurde Bundestrainer Claudiu Pusa.

Auch Dietmar Nowak, Senior-Chef von Dax-Sports, hatte noch ein besonderes Geschenk.  Er überreichte gemeinsam mit seinem Kollegen Melek Melke jedem Athleten ein T-Shirt mit den Namen des Teams als Erinnerungsstück. 

Dream Team Shirts von Dax-Sports

Für einen weiteren Judoka gab es an diesem Abend noch eine Überraschung. Benjamin Golze aus dem Brandenburgischen Spremberg wurde mit der DJB-Ehrennadel in Silber ausgezeichnet. Er steht als Macher für die mehrfache Ausrichtung des Jugendpokals in Senftenberg und hat sich in den vergangenen Wochen in besonderer Weise auf einem ganz anderen Gebiet hervorgetan. „Er hat in seinem Leben auch immer Weltoffenheit gelernt“, sagt Daniel Keller in seiner Laudatio. 

Vorstandssprecher Frank Doetsch und Präsident Daniel Keller überreichen die DJB-Ehrennadel in Silber

„Wir haben viele engagierte Judoka, die sich in Deutschland für eine besondere Frau eingesetzt haben, aber er und seine Frau haben mittlerweile einen besonders engen Kontakt zur afghanischen Frauenrechtlerin und Judoka Linna und unterstützen sie bei der Integration in Deutschland. Deshalb auch die Auszeichnung für seinen Einsatz für die Judo-Werte“, sagt unser Präsident weiter.

Sehr gerührt nimmt Benjamin Golze die Auszeichnung entgegen. „Es ist für mich persönlich eine Selbstverständlichkeit, etwas zurück zu geben“ sagt er und ergänzt sofort unter Beifall: „Ich habe eigentlich vier Töchter – aber jetzt habe ich fünf!“ 

Linna musste aus Afghanistan fliehen, hat aber in Deutschland die Chance auf ein neues Leben

Eine ganz besondere Judoka hat einen großen Anteil an diesem gelungenen Abend. Durch das Programm führte Annett Böhm auf ihre herzliche und charmante Weise. Gemeinsam mit Sören Starke hatte sie die organisatorischen Fäden in der Hand. Daniel Keller dankte Beiden besonders. Aber auch ein Danke an die Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle, die die Vorbereitung besonders unterstützt haben. 

Sören Starke und Annett Böhm rundum zufrieden nach einer gelungenen Veranstaltung

Der Abend klang aus mit vielen Gesprächen. Unter anderem hatten die Athleten ihre Medaillen dabei. Sogar Udo Quellmalz, der Gold- und Bronze-Gewinner bei Olympia 1996 bzw. 1992 hatte die beiden Medaillen im Gepäck. 

Igor Wandtke, Udo Quellmalz und Sebastian Seidl strahlen um die Wette