Entscheidung zum Vorfall Frank Möller

Bezugnehmend zum Vorfall vom 02.10.2019 in Kienbaum beim WM-Vorbereitungslehrgang der U 21 hat der Rechtsausschuss des Deutschen Judo Bund e.V. (DJB) aufgrund mündlicher Verhandlung vom 08.11.2019 diverse Sanktionen beschlossen.

11.11.2019

Es wurde beschlossen, dass Herr Frank Möller

  1. auf die Dauer von 5 Jahren für DJB-Tätigkeit als Trainer und Betreuer gesperrt wird (Lehrtätigkeitsverbot). Hinweis: Von diesem Verbot nicht erfasst ist jede andere Tätigkeit z.B. als Landes- oder Vereinstrainer, die sich als immer tadellos dargestellt hat.
  2. der Kontakt zu dem Athleten untersagt wird.
  3. innerhalb eines Jahres (2020) eine 40-stündige Schulung im Bereich Deeskalation zu besuchen hat.
  4.  nicht positiv für den DJB im Sinne der Ehrenordnung des DJB (§§ 1.1/ 4 c) Ehrenordnung) gehandelt hat. Eine Weitergraduierung ist damit ausgesetzt.
  5.  die Kosten des Verfahrens zu tragen hat.

Begründung (Sachverhalt / Verfahren)

Anlässlich eines WM-Vorbereitungslehrgangs der U 21 männlich des Deutschen Judo Bundes e.V.  am 02.10.2019 (Mittwoch) kam es zu einer Auseinandersetzung des Trainers mit einem Athleten. Der Athlet ist 18 Jahre alt.

Als erste Maßnahme hatte der DJB den Trainer von der Maßnahme in Kienbaum mit sofortiger Wirkung entbunden und als Betreuer für die U21-WM gesperrt. Der DJB hatte daraufhin schriftliche Stellungnahmen des Athleten, des Bundestrainers Pedro Guedes und des beschuldigten Trainers eingeholt und am 07.10.2019 den Rechtsauschuss des DJB unter Vorlage dieser Stellungnahmen angerufen. Der Rechtausschuss des DJB hatte sofort ein Verfahren formal eingeleitet.

Der Rechtsausschuss des DJB ist nach § 22 Abs. 1 der DJB- Satzung für alle Streitfälle im DJB zuständig. Der Rechtsausschuss hat Ordnungs- und Strafgewalt. Der Trainer als Landestrainer hatte sich nach anwaltlicher Beratung freiwillig dem Rechtsausschussverfahren unterworfen.

Darauf hatte der Rechtsausschuss des DJB eine mündliche Verhandlung für den 08.11.2019 in Potsdam angeordnet. Zur Vorbereitung der mündlichen Verhandlung holte der Rechtsausschuss schriftliche Zeugenaussagen zu dem konkreten Vorfall von zwei Athleten sowie eine mündliche Aussage ein. Zudem sind 23 Stellungnahmen von Athleten der täglichen Trainingsgruppe des Trainers eingegangen sowie ein Schreiben anderer Landestrainer.

Zwischenzeitlich hatte der Trainer sich schriftlich bei dem Athleten entschuldigt, was er in der mündlichen Verhandlung des Rechtsausschusses wiederholte.

Am 01./02.11.2019 entfachte sich eine mediale Berichterstattung gegen den Trainer, als der Vorwurf der rassistischen Tendenzen erhoben wurde. Darauf stellte der Landesverband den Trainer vorläufig von einer Tätigkeit frei.

Rechtliche Würdigung

Aufgrund eigener Einlassung ist unstreitig erwiesen, dass der Trainer den Athleten mindestens am Kopf und Kragen gepackt und aus dessen Zimmer in einen Speisesaal gezerrt hatte, nachdem dieser eine aus Sicht des Trainers erfolgte Anweisung zum Aufräumen nicht nachgekommen sei. Er hatte ihn demnach körperlich angegangen. Demgegenüber blieb der Athlet stets passiv.

Ausweislich des Ehrenkodex des Deutschen Judo Bunde e.V. für alle im DJB tätigen Personen, hat jeder Trainer die körperliche Unversehrtheit eines jungen Erwachsenen zu achten, darf ein Trainer keine Form der Gewalt, insbesondere physischer Art, ausüben und hat die Würde des jungen Erwachsenen zu respektieren. Diese Grundsätze sind für den Rechtsausschuss des DJB als allgemeinverbindlich im DJB zu betrachten. Zudem wurden dadurch die Judowerte Selbstbeherrschung und Wertschätzung verletzt. Gegen diese Grundsätze und Werte wurde am 02.10. 2019 verstoßen. Ein solcher Verstoß stellt für den Rechtsausschuss des DJB bereits ein „No-go“ dar, so dass es unerheblich ist, ob möglicherweise noch ein Schlag zusätzlich gegeben war.

Für den Trainer war sein Verhalten rückwirkend betrachtet nicht erklärlich und nicht seinem Naturell entsprechend. Insbesondere wurde durch seine tägliche Trainingsgruppe im Landesverband in deren Stellungnahmen festgehalten, dass ein solches Verhalten noch nie vorgekommen war, was als zutreffend anzunehmen ist.

Festgestellt werden konnte durch den Rechtsausschuss des DJB trotz gegenteiliger Aussagen, dass dieser Vorgang das Ende einer persönlichen Aversion des Trainers gegen den Athleten war. Der Athlet wurde vom Rechtsausschuss des DJB als sehr zurückhaltend, gutmütig und pflichtbewusst erlebt. Der Rechtsausschuss des DJB konnte jedoch nicht feststellen, dass dieser Vorfall von einer rassistischen und gar rechtsradikalen Grundeinstellung ausgelöst war. Nachdem bis zum Bereich der U 21 des DJB absolutes Alkoholverbot besteht, was die Bundestrainer des DJB kontrollieren, war eine solche Ursache ebenso auszuschließen.

Angesichts der unstreitigen Verdienste von Herrn Frank Möller als Kämpfer für den DJB und unterstützender Trainer des DJB und des erstmaligen Vorfalles, war trotzdem die ausgesprochene Sanktion als tat- und schuldangemessen anzunehmen, da - wie ausgeführt - ein solches Verhalten angesichts des Ehrenkodex und der Judowerte des DJB nicht zu tolerieren ist.