Girls Power in Bangladesh

Mitte November fand in Dhaka in Kooperation mit der JAAGO Foundation und FEM (Female Empowerment Movement) eine Judo-Projekt-Woche für Mädchen statt. Vom Deutschen Judo-Bund war Viola Alves, Judofans besser bekannt als Viola Wächter, mit ganz viel Ippon Girls-Material vor Ort. Der Hauptorganisator und Initiator war die Deutsche Botschaft in Dhaka. 

02.12.2019 von [Viola Alves]

Bangladesh ist ein sehr junges, vorwiegend muslimisch geprägtes Land, die Frauen und Mädchen nehmen die eher klassische Rolle in der Gesellschaft ein und werden Hausfrauen, die Gesellschaft und das Straßenbild ist von Männern geprägt. Ziel der Projektwoche war es, die Mädchen, die in Dhakas Slums zu Hause sind, zu stärken, ihnen Selbstbewusstsein zu vermitteln und Selbstverteidigung in Form von Judo zu vermitteln. 

Die Räumlichkeit in denen das Projekt durchgeführt werden sollte war anders als jene Dojos, die man kennt. Ausgestattet mit einem Betonboden, einem Schreibtisch, unzähligen Ventilatoren, 2 Umkleideräumen, Dusche und WC, stellte sich die Situation anders da als erwartet. Der Inhaber des Dojos war im Besitz von 16 Moosgummimatten, was eine Fläche von 4x4 Metern ergab. Um das verrutschen der Matten zu verhindern wurden diese sicherheitshalber mit Klebeband zusammengehalten. Die extra bestellten Judomatten konnten nicht rechtzeitig geliefert werden und so musste mit dem gearbeitet werden, was zur Verfügung stand. Während der ganzen Woche gab es keine einzige Klage von einem Mädchen über die Gegebenheiten vor Ort gehört. Sie waren einfach glücklich überhaupt teilnehmen zu dürfen. 

Jeden Tag gab Viola einer anderen Gruppe einen kleinen Judo-Crash-Kurs. Angefangen bei 12/13-jährigen über 14/15-jährige motivierte fröhliche Mädchen bis hin zu 20-jährigen Volunteers der JAAGo Foundation. Vermittelt werden konnte das Fallen, 1-2 Standtechniken und 1-2 Bodentechniken, sogar ein kleines Bodenrandori war möglich unter Anfeuerungsrufen aus der Gruppe und wachsamen Augen aller Mädchen.  Die Gruppen hatten eine Größe zwischen 6 und 20 Mädchen. Den älteren Mädchen konnte zusätzlich noch einige einfache Griffe aus dem Bereich Selbstverteidigung beigebracht werden und das Einhalten von Distanzen durch Einsetzen von Stimme und Gestik. 

Mittags wurden alle durch einen Caterer kulinarisch mit typisch bangladesischen Essen versorgt. Die Speisen wanderten in gewohnter Manier mit der rechten blanken Hand in den Mund. So vermeidet man auch Müll, indem man kein Einwegbesteck nutzt.  Von Vioala mitgebrachte deutsche Süßigkeiten fanden großen Anklang und wurden freundschaftlich unter den Mädchen geteilt mit dem Beisatz "Sharing is Caring" und das abgebissene Gummibärchen wanderte in den Mund der Freundin. 

Spaß beim Judo!

Nicht nur die Mädchen konnten viel von Vioala lernen, auch sie konnte einiges mitnehmen. „Erwarte nie zu viel in Bangladesh und freue dich darüber, wenn etwas funktioniert oder vorhanden ist. Arbeite mit dem was du zur Verfügung hast. Man kann diese Mädchen mit einfachen Dingen glücklich machen und bekommt das schönste Lächeln und strahlende Augen zurück geschenkt. Und bangladesische Mädchen lieben es zu tanzen. So wurde ich von 2 Gruppen am Ende jeden Tages mit traditionellen Tänzen belohnt.“ 

Überraschend war, dass die ersten Gruppen in ihrer Schuluniform den Judounterricht begonnen haben. Kopftuch und Schal wurden nach einiger Zeit aber selbstständig abgelegt.  Jeodch gibt es leider kaum uns bekannte Sportkleidung für Mädchen/ Frauen in Bangladesh. Aber eine Jeanshose mit Stretchanteil und ein weites T-Shirt oder Bluse waren ausreichend.
Es besteht großes Interesse solch eine Projektwoche zu wiederholen oder gar fest im jährlichen Abstand zu wiederholen. Die Projektwoche wurde aus dem Kulturfond der Deutschen Botschaft finanziert. Dieser Fond dient dazu unterschiedlichste Projekte anzubieten in Bangladesh. 

Vioala sagt zum Schluss über ihren Aufenthalt in Bangladesh: „Jedes einzelne Mädchen ist mir in nur einem Tag ans Herz gewachsen und ich musste eine Träne unterdrücken als mir zum Abschied ein Mädchen sagte, dass sie mich vermissen werden.“

 

Fotos: Viola Alves