Inklusion in Lindau - Judo für ALLE

Bei der Judo-Junior-Akademie (JJA) in Lindau wurde das Thema Inklusion intensiv behandelt. Vom 26.-28.04.2019 trafen sich junge Engagierte aus ganz Deutschland am Bodensee, um sich gemeinsam fortzubilden.

03.05.2019

Die Jugendherberge Lindau war der perfekte Ort für die erste JJA im Jahr 2019. Die barrierefreie Unterkunft ist zertifiziert für das barrierefreie Qualitätsmerkmal „Reisen für alle“. In der Jugendherberge war neben den JJA-Teilnehmern auch eine Gruppe vom Ernst-Lossa-Haus aus Nordrhein-Westfalen. Gelebte Inklusion war so das gesamte Wochenende Thema.

Nach der Anreise und einer ersten Vorstellungsrunde gab es direkt nach dem Abendessen eine Einführung in das Thema Inklusion. Dabei wurden Erfahrungen ausgetauscht und Fragen beantwortet. Mit Stefan Axt stand ein ausgewiesener Experte für die JJA in Lindau zur Verfügung. Als Nachwuchsbeauftragter SG Judo im Deutschen Behindertensportverband beschäftigt er sich tagtäglich mit dem Thema Inklusion und plädiert für ein gemeinsames Sporttreiben und Zusammenleben.

Ein weiteres Highlight wartete dann direkt am Abend. Mit Nachwächter Michl ging es bei einer historischen Nachtwanderung auf der Insel Lindau durch düstere Gassen, verwinkelte Ecken und vorbei an prächtigen Patrizierhäusern. Bewaffnet mit Hellebarde, Laterne und viel Humor wurden die Geheimnisse längst vergangener Zeiten gelüftet. Die lange Geschichte des Lebens am Bodensee wurde so lebendig. Nach diesen tollen Eindrücken ging es nach Hause, um fit für den nächsten Tag zu sein. 

Der Samstag stand ganz unter Motto „Judo mit Einschränkungen“. Nach dem Frühstück stand die erste Praxiseinheit auf dem Programm. Nachdem einige Besonderheiten von Techniken und Regeln im ID- und PARA-Judo erklärt wurden, hieß es „Augen zu und durch“. Judo mit geschlossenen Augen war für die meisten Teilnehmer eine neue Erfahrung und es wurde sowohl im Stand, als auch am Boden mit dieser Beeinträchtigung trainiert und sogar ein kleiner Übungswettkampf durchgeführt. Durch diese simulierte Beeinträchtigung ist es den jungen Judoka leichter gefallen, sich in die Situation eines Menschen mit Behinderung hineinzuversetzen. Für einen Trainer im Bereich Inklusion ist dies eine wichtige Erfahrung. "Der Trainer muss die Einschränkung verstehen und die Fördermöglichkeit erkennen", sagt Stefan Axt. 

Der April macht was er will. An diesem Sprichwort ist viel Wahres dran und deshalb musste die geplante Kanutour am Mittag leider abgesagt werden. Die Gefahr des Kenterns bei starken Winden war zu groß. Das von Projektreferentin Maria Deimel geplante Alternativprogramm ließ sich aber auch sehen. Nach der Überfahrt mit der Fähre nach Bregenz ging es mit der Pfänderbahn hoch auf den gleichnamigen Berg Pfänder. Dort wurde der Alpenwildpark besucht und das zubereitete Lunchpaket eingenommen. Die komplette Tour war natürlich barrierefrei, ein Aspekt der zum Glück in der heutigen Zeit immer mehr berücksichtigt wird. 

Am Abend stand eine weitere Praxiseinheit auf dem Programm. Dieses Mal konnten die Teilnehmer zwar sehend auf die Tatami gehen, aber dafür wurden andere körperliche Einschränkungen simuliert. Judo mit einem Arm oder ohne Beine ist zunächst unvorstellbar und nötigt daher den größten Respekt vor den wirklich beeinträchtigten Judoka ab. Außerdem gab Stefan Axt Tipps für Judospiele mit Hörgeschädigten. So können beispielsweise akustische Signale durch Stampfen auf den Boden ersetzt werden. Gemeinsames Training im Verein ist überhaupt kein Problem. Wenn der Arzt grünes Licht gibt, kann man mit beeinträchtigten Judoka nahezu alles trainieren. Es braucht nur etwas mehr Zeit. Eine schöne Erkenntnis am Ende des Tages. 

Es geht auch mit Hadicap!

Der Abend stand dann zur freien Verfügung. Die Geschlossenheit der Gruppe zeigte sich darin, dass fast alle Teilnehmer den Abend zum Austausch nutzten und gemeinsam ein spannendes Escape Game spielten. 

Am nächsten Morgen wurden nach dem Frühstück Kooperationsmöglichkeiten aufgezeigt und interessante Informationen über die Stiftung Liebenau und den Kreisjugendring Lindau (Projekt Jugendarbeit für ALLE) gegeben. Regionale Vernetzung funktioniert überall in Deutschland, schaut doch mal bei euch in der Region! Nach der Feedbackrunde stand auch schon die Heimreise auf dem Programm. 

Inklusion ist ein wichtiges Thema in der heutigen Gesellschaft und sollte auch von Sportvereinen und anderen Institutionen wahrgenommen und berücksichtigt werden. Gerade der Sport bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zusammenzubringen. Dadurch entstehen wunderschöne Momente und tolle Freundschaften. 

In Lindau wurde das Thema an diesem Wochenende in den Mittelpunkt gerückt und das nicht nur bei der Judo-Junior-Akademie.Yvonne Roither, eine Reporterin von der Zeitung „Schwäbische – Lindau“ besuchte die Veranstaltung und hat einen schönen Artikel geschrieben sowie ein Video gedreht (für 99 Cent auf der Website zu lesen). IJF-Fotograf Felix Baron von Solemacher war ebenfalls vor Ort und hat einige schöne Bilder gemacht. Inklusion ist für ihn eine Herzensangelegenheit. Ein ganz großes Dankeschön außerdem an Manfried Steiert vom TSV Lindau für die unkomplizierte und gute Zusammenarbeit und die Bereitstellung der Judohalle. An diesem Wochenende haben sich viele Menschen für Inklusion und gemeinsame Teilhabe eingesetzt.

Interesse ebenfalls an einer Judo-Junior-Akademie (JJA) teilzunehmen? Im Juli heißt es „Leinen los“ und ab nach Norderney. Vom 05.-07.07.2019 findet die jährliche „Insel-Akademie“ statt.

Am ersten Juli-Wochenende stehen wieder Sommer, Sonne, Strand und Judo im Mittelpunkt! Mittlerweile hat die „Insel-Akademie“ Tradition und der besondere Flair machen diese Judo Junior Akademie (JJA) zu einem ganz besonderen Erlebnis. Seid dabei und genießt die Insel Norderney! Weitere Infos erhaltet ihr hier. Jetzt anmelden und dabei sein.

 

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