Judo für ALLE!

Letztes Wochenende fand wieder die Judo-Junior-Akademie unter dem Thema: "Inklusion im Judo" statt.

26.10.2021

Am 22. Oktober trafen sich 14 engagierte Judoka aus ganz Deutschland in der Sportschule Wedau (NRW), um das Thema „Inklusion im Judo“ kennenzulernen.

Unter der Leitung von Leistungssportreferentin Kim Fiona Linnebacher wurde den Teilnehmenden gezeigt, dass Judo für alle da ist. Es spielt keine Rolle ob man eine körperliche oder geistige Beeinträchtigung hat, groß oder klein, dick oder dünn ist. Im Judo sind alle willkommen.

In vier praktischen Trainingsblöcken wurde den Teilnehmenden die Inklusion im Judo nähergebracht.

Nach der Anreise und einer ersten Vorstellungsrunde gab es direkt nach dem Abendessen eine Einführung in das Thema, dabei sammelten die Teilnehmer zusammen, was sie von dem Wochenende erwarten und lernten sich bei einem Fragebingo spielerisch kennen. Der weitere Abend wurde von den Teilnehmern veranstaltet.

Zu Beginn des ersten Blocks zeigte Koordinator für Menschen mit körperlicher Behinderung des Judo-Verbands Berlin sowie selbst aktiver und erfolgreicher Wettkämpfer, Nicholas Schäfer-Menchetti den Judoka Bodenübungen sowie einige Würfe.  Das Besondere dabei: Nicholas Schäfer hat selbst nur einen Arm und beweist, dass man trotz körperlichen Handicaps keinen Nachteil im Judo haben muss.

Der erste praktische Block wurde mit einem Workshop bei Dozentin am Institut für Bewegungswissenschaft Uni Hamburg, Lehrreferentin und Inklusionstrainerin Lea Holz beendet. Bei ihr lernten die jungen Judoka die Definition von „Inklusion“ und wie sie im Vergleich zur Exklusion und Integration steht. Ein weiteres Thema war, welche Türöffner es geben muss, damit Inklusion im Judoverein stattfinden kann. Am Schluss waren die Teilnehmenden gefragt inwiefern Inklusion in ihrem Verein schon umgesetzt wird und was noch verbessert werden kann.

Die Mittagspause wurde von den jungen Engagierten intensiv genutzt um sich untereinander auszutauschen.

Im zweiten Praxisblock zeigten Samuel Dietz und Betreuer Peter Franz (Pit), dass man trotz geistiger Beeinträchtigung bei den ganz Großen mitspielen kann. Samuel Dietz hat selbst eine geistige Behinderung und hat gezeigt, wie er trotzdem vom Fünfjähriger Judoka der WK3 zum Special Olympics Sieger in der WK1, der höchsten Weltklasse, werden konnte. Dabei bot er den Teilnehmenden Einblicke aus seiner eigenen Wettkampfvorbereitung und ging dabei auf die Besonderheiten des ID-Judo („intellectual disability“) ein. Abschließend zeigte Samuel seine Spezialtechniken und präsentierte zur Freude aller Teilnehmenden seine bereits gewonnenen Medaillen.

In der nächsten Einheit wurde Theorie und Praxis miteinander vermischt. Nach einem erneuten Workshop bei Lea Holz, bei dem die Teilnehmer Spiele kennenlernten, die nicht ausgrenzen oder einen Verlierer produzieren, konnten die Teilnehmenden mit Pit selbst ausprobieren, wie es sich mit einer Beeinträchtigung lebt. Beispielsweise mussten sie mit Brillen, die das Sehvermögen beeinträchtigen, einen Parcours absolvieren oder mussten versuchen mit nur einem Arm zu kämpfen.

Nach dem Abendessen und einer wohlverdienten kleinen Pause erfolgte die letzte Praxiseinheit unter der Leitung von Nicholas Schäfer-Mechetti und Lea Holz. Die Teilnehmenden sollten erarbeiten, wie ein Judotraining aufgebaut ist und kamen so zum Schluss, dass es keinen Unterschied macht, wenn man inklusives Judotraining anbietet.  Ebenfalls hat Lea noch methodische Reihen von spielerischen Aufwärmen bis hin zu Fuß- oder Eindrehtechniken vorgeführt.

Nach einer Feedback-Runde am Sonntag endete die erste Judo-Junior-Akademie 2021, bei der die Teilnehmer und Teilnehmerinnen sicherlich mit vielen neuen Erfahrungen und Eindrücken nach Hause gehen. Laut den Teilnehmern wurden alle Erwartungen erfüllt und sie fanden es toll, dass auch Referenten mit eigenem Handicap dabei waren.

Inklusion ist ein wichtiges Thema in der heutigen Gesellschaft und sollte auch von Sportvereinen und anderen Institutionen wahrgenommen und berücksichtigt werden. Gerade der Sport bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zusammenzubringen. Dadurch entstehen wunderschöne Momente und tolle Freundschaften.