Judo in Äthiopien

Johannes Daxbacher reiste bereits achtmal zum Judoaufbau nach Äthiopien; Judoka aus der ganzen Welt treffen sich in Addis Abeba der Hauptstadt Äthiopiens und der Afrikanischen Union.

02.10.2017 von [Johannes Daxbacher]

„Judo for Ethiopians“ wurde 2010 durch Johannes Daxbacher ins Leben gerufen, als der ehemalige DJB - Lehr- und Prüfungsreferent zum ersten Mal nach Äthiopien reiste um Judo anzubieten und zu unterrichten (Judomagazin berichtete darüber).

„In diesen acht Jahren ist sehr viel gegangen, es ist Judo was die Äthiopier auf der Tatami zeigen, das freut mich sehr“, resümierte der bayerische Polizeihauptkommissar am Ende seiner letzten Reise im September 2017.

Die persönliche Bitte von IJF-Präsident Marius Vizer an den Diplomtrainer vom Polizeisportverein Königsbrunn zum Aufbau einer Judo-Organisation in dem ostafrikanischen Land, das im Jahr 2010 kein Judo kannte, führte in der Folge zu einer großen Unterstützungswelle und einem großen sportlichen wie politischen Netzwerk zu Gunsten „Judo for Ethiopians“.

Die dringend erforderlichen Judomaterialien wie Judogi und Tatami wurden von deutschen Judovereinen und dem Deutschen Judo-Bund (DJB) gespendet. Der Materialientransport nach Afrika gestaltete sich v.a. aus Kostengründen sehr schwierig, konnte allerdings mit Hilfe der Andreas Schmid Logistik, dem Auswärtigen Amt und der Deutschen Botschaft in Addis Abeba erfolgreich umgesetzt werden. „Es sind aber weitere Materialien vonnöten und die Kostenfragen für die Containerverschiffung inklusive der Einfuhrgebühren sind nicht einfach zu lösen“, erklärt der deutsche Judo-Botschafter, der aktuell auf der Suche nach einem Kostenträger für den nächsten Transport ist.

Fleißig am Trainieren...

„Äthiopische Judoka, Jungs und Mädchen, haben nun die Möglichkeit sich im kultivierten Kämpfen, dem Randori, auf echten Tatami und im Judogi zu entwickeln“, so der „Spiritus rector“ des äthiopischen Judo mit großer Freude. Daxbacher erinnert sich gerne an die Teilnahme von Yared und Hana beim German Grand Prix 2015 in Düsseldorf, der mit IJF- und DJB-Unterstützung, Materialspenden und Pressekonferenz unter dem Motto „Judo for Ethiopians“ stand. Beide Judoka wurden durch diese besondere Auszeichnung hochmotiviert und bringen sich engagiert in den Judoaufbau Äthiopiens ein. Yared ist nun Träger des 1. Dan und leitet sehr erfolgreich einen Judoverein, während die 20-jährige Hana als Braungurtträgerin eine gute Werbung für die weiblichen Nachwuchsjudoka bietet.

Enge Vernetzung und Unterstützung erhielt Daxbacher auch vom Weltpolizeisportverband (USIP), in dem er als TC-Mitglied die Verbindungsperson zur IJF darstellt. Ein weiteres Highlight war das große persönliche Interesse von Wilfried Lemke (UNOSDP), der in seiner Funktion als UN-Sonderberater „Sport für Frieden und Entwicklung“ im September 2016 die äthiopischen Judoka in Addis Abeba besuchte.

Die Aufnahme des Projekts „Judo for Ethiopians“ in die Initiative der Deutschen Bundesregierung „Mehr Platz für Sport – 1.000 Chancen für Afrika“ sieht Johannes Daxbacher als die höchste Wertschätzung, nämlich „Judo von der deutschen Regierung als Mittel für die Entwicklungsunterstützung“ einzusetzen. 

Johannes Daxbacher ist begeistert über die internationale Anteilnahme von Judoka aus der ganzen Welt, die beruflich in Äthiopien sind und sich mit ihrem Judo-Know-how höchst engagiert für die äthiopischen Judofreunde einsetzen.

Melanie Stoll vom HTG Bad Homburg brachte sich 2012 für drei Monate in die Ausbildung der Äthiopier ein, als sie aus privaten Gründen in Addis Abeba war. Daxbacher war 2013 zusammen mit seiner Frau Regina, die als Judo-Expertin des Auswärtigen Amtes und des DOSB berufen wurde, in der äthiopischen Hauptstadt und an drei Außenstützpunkten tätig Das Judo-Ehepaar Daxbacher zeigte der äthiopischen Gesellschaft, in der die Rolle der Frau noch entwicklungsfähig ist, u.a. wie Team-Teaching zwischen Mann und Frau funktionieren kann. Die Frauen- und Mädchenbeteiligung war bei diesen Judoseminaren teilweise nahezu bei 50 Prozent.

Die letzte Reise im September 2017 brachte auch auf politischer Ebene wieder einige positive Entwicklungen. So wurden bei Treffen mit dem äthiopischen Sportminister Ato Tesfaye und dem Präsidenten des äthiopischen NOC Dr. Ashebir die nächsten Schritte zum weiteren Ausbau einer nationalen Verbandsstruktur besprochen.

Mit dem Chef der Ethiopian Federal Police, Commander General Asefa und Commander Desta, besprach der Fachwart für Judo im Deutschen Polizeisportkuratorium (DPSK), verschiedene Möglichkeiten zur Implementierung von „Judo for police forces“.

Daxbacher ist sehr dankbar für die Hilfe von Freunden, Sponsoren und den Judo- wie auch den Polizeisportverbänden. „Ohne diese Unterstützung wäre meine Arbeit nicht möglich, der erreichte Erfolg ist unser gemeinsames Judo-Werk“, so der 54-Jährige, der auch schon für die UN und IJF im Rahmen „Judo for peace“ weltweit unterwegs war. Die Flugkosten wurden dankenswerter bei dieser Reise vom Senior Experten Service Weltdienst 30+ (SES), der vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt wird, übernommen.

"Das Judo-Pflänzchen in Äthiopien ist gesetzt und es wächst“, so Daxbacher, der seit 2011 Mitglied in der IJF-Kommission „military and police“ ist, „ es braucht aber noch Pflege und Unterstützung, viel Geduld und den Zusammenhalt der Welt-Judo-Familie. Ich freue mich über jede Art der Unterstützung für die äthiopischen Judo-Freunde!“