Olympia 2016 – Wer ist dabei?

Der Deutsche Judo-Bund (DJB) nominierte in der Sportschule Wedau die Olympiakandidaten für Rio 2016. Endgültige Klarheit herrscht aber erst nach der Zustimmung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

06.06.2016 von [Lino Hermanns]

Noch keine endgültige Entscheidung

Die XXXI. Sommerssiele in Rio de Janeiro stehen vor der Tür und die Frage wer in Brasilien dabei ist, geht in die entscheidende Phase. In einem ersten Schritt muss der DJB dem DOSB einen Nominierungsvorschlag unterbreiten. Nach einer eingehenden Prüfung wird dieser Vorschlag dann bestätigt oder es wird noch einmal über einzelne Nominierungen gesprochen und verhandelt. Bei den Olympischen Spielen 2012 in London wurden allerdings alle 11 genannten Athleten des DJB auch seitens des DOSB anerkannt.

Die Olympiamannschaft des DJB wird aller Voraussicht nach in 13 Gewichtsklassen vertreten sein. Lediglich die leichteste Gewichtsklasse bis 48 kg bei den Frauen ist nicht besetzt. 

Überraschungen dabei?

Während einige Kämpfer schon  fest mit Rio planen konnten, ist es in manchen Gewichtklassen in den letzten Wochen und Monaten zu spannenden Zweikämpfen um das begehrte Olympiaticket gekommen. Gerade das Duell in der Gewichtsklasse bis 100 kg zwischen Dimitri Peters und Karl-Richard Frey hat Judo-Deutschland elektrisiert.

Bei den Frauen konnten Mareen Kräh (-52 kg), Martyna Trajdos (-63 kg) und Luise Malzahn (-78 kg) fest mit einer Nominierung rechnen. In der Gewichtsklasse bis 57 kg hat sich die olympiaerfahrene Miryam Roper gegen Viola Wächter behauptet. Zudem sind Laura Vargas-Koch (-70 kg) und Jasmin Külbs (+78 kg) in Rio de Janeiro dabei und kämpfen um eine der begehrten Olympiamedaillen. Des einen Freud ist des anderen Leid. Iljana Marzok (-70 kg) und Carolin Weiß (+78 kg) müssen dieses Jahr leider zu Hause bleiben. Franziska Konitz war in der Qualifikationsphase auch auf einem sehr guten Weg, aber aufgrund ihrer schweren Verletzung an der Halswirbelsäule musste sie den aktiven Leistungssport beenden. Der DJB wünscht Franziska alles erdenklich Gute für die Zukunft.

Die nominierte Mannschaft freut sich nun aber auf das Abenteuer Brasilien. Michael Bazynski, Bundestrainer der Frauen, freut sich auf die Olympischen Spiele und ist von seiner Mannschaft überzeugt. Er wird nun alles dafür geben „die Nominierten optimal vorzubereiten und an den Start zu bringen“.  

Wie schon in London 2012 startet bei den Männern Tobias Englmaier in der Gewichtsklasse bis 60 kg. Zunächst verletzungsbedingt fast noch an den Qualifizierungsanforderungen gescheitert, wird er nun doch die Möglichkeit haben, in Rio sein Können zu zeigen.

Mit Sebastian Seidl (-66 kg) hat es ein weiterer Bayer auf die Nominierungsliste des DJB geschafft. Zudem hat Igor Wandtke durch starke Leistungen in der Gewichtsklasse bis 73 kg auf sich aufmerksam gemacht und kann sich den Traum von Olympia erfüllen. Spannend wurde es noch einmal in den höheren Gewichtsklassen. Bis 81 kg hat sich Sven Maresch gegen Alexander Wieczerzak durchgesetzt. Marc Odenthal ist nach dem letzten Masters in Mexiko auch für die Olympischen Spiele qualifiziert und somit in der Gewichtsklasse bis 90 kg für den DJB nominiert. Bei den Schwergewichten über 100 kg hat André Breitbarth das Duell gegen Sven Heinle für sich entschieden.

Goliath gegen Goliath

Ein Highlight im deutschen Judosport war in den letzten Monaten der Zweikampf zwischen Dimitri Peters und Karl-Richard Frey (-100 kg). Sie haben sich gegenseitig zu Höchstleistungen getrieben und sind dabei immer fair miteinander umgegangen. Nach dem Vizeweltmeistertitel von Frey in Astana schien schon eine Vorentscheidung gefallen zu sein. Doch zu Beginn des Jahres machte Dimitri Peters den Kampf um den Startplatz bei den Olympischen Spielen noch einmal spannend. Einem beeindruckenden ersten Platz beim Heim-Grand Prix in Düsseldorf folgten weitere gute Leistungen. Letztendlich entschied sich Bundestrainer Detlef Ultsch aber doch für Karl-Richard Frey vom TSV Bayer 04 Leverkusen. Verdient hätten es sicherlich beide.

Hier die Olympia-Nominierungen des DJB im Überblick:  

Männer:

bis 60 kg: Tobias Englmaier, TSV München-Großhadern, Bayern

bis 66 kg: Sebastian Seidl, TSV Abensberg, Bayern

bis 73 kg: Igor Wandtke, Judo Team Hannover, Niedersachen

bis 81 kg: Sven Maresch, SC Berlin, Berlin

bis 90 kg: Marc Odenthal, 1. Judo Club Mönchengladbach, Nordrhein-Westfalen

bis 100 kg: Karl-Richard Frey, TSV Bayer 04 Leverkusen, Nordrhein-Westfalen

über 100 kg: André Breitbarth, SFV Europa Braunschweig, Niedersachsen 

Frauen:

bis 52 kg: Mareen Kräh, KSC Asahi Spremberg, Brandenburg

bis 57 kg: Miryam Roper, TSV Bayer 04 Leverkusen, Nordrhein-Westfalen

bis 63 kg: Martyna Trajdos, Eimsbütteler TV, Hamburg

bis 70 kg: Laura Vargas-Koch, Erster Berliner Judo Club 1922, Berlin  

bis 78 kg: Luise Malzahn, SV Halle, Sachsen-Anhalt

über 78 kg: Jasmin Külbs, 1. JC Zweibrücken, Pfalz

 

Ersatz:

Männer: 

bis 100 kg: Dimitri Peters, Judo Team Hannover, Niedersachsen

über 100 kg: Sven Heinle, SV Fellbach, Baden-Württemberg

Frauen:

bis 57 kg: Viola Wächter, FC Schweitenkirchen, Bayern 

über 78 kg: Carolin Weiß, BC Bento, Berlin

 

Die letzten zwei Jahre waren für alle Sportler und das Trainerteam samt Physiotherapeuten und Ärzten eine intensive und spannende Zeit. Athletensprecherin Miryam Roper ist glücklich nach 2012 auch in Rio dabei zu sein und sieht das Mannschaftsgefüge durch die intensive Qualifikationssphase gestärkt: „Wir haben in den letzten Jahren mehr Zeit miteinander verbracht als mit unseren Familien und Freunden zuhause. Das prägt. Nach Rio fahren wir darum nicht nur als starkes Team, sondern auch als Familie“.

Die endgültige Entscheidung wer nach Rio fährt, erfolgt durch den DOSB am 28.06.2016. Nachzulesen auf unserer neuen Olympia-Website unter rio2016.judobund.de. Diese neue Website wird euch in den nächsten Wochen und während der Olympischen Spiele mit allen wissenswerten Informationen versorgen.