So war es bei den Special Olympics World Games

Bei den Weltspielen der Special Olympics (14.-21.03.2019) für Sportler mit einer geistigen Beeinträchtigung, schnitten die sechs nominierten deutschen ID-Judokas so erfolgreich wie nie ab. Mit insgesamt zwei Gold-, vier Silber- und einer Bronzemedaille konnte das deutsche Team wahrlich glänzen. 

28.03.2019 von [Frank Schuhknecht]

Die von Special Olympics beauftragten Coaches Alwin Brenner und Marina Müller betreuten die Athleten hervorragend und der daraus entstandene Teamgeist ließ die sechs Judoka über sich hinaus wachsen. Mit einer Goldmedaille für Samuel Dietz (Bayern) und Jasmin Siebelitz (NRW), Silber für Lara Holzmüller (Bayern), Stephanie Drescher, Andreas Gramsch (beide NRW) und Dennis Lam (RLP) sowie Bronze für Stephanie Drescher, war die deutsche Delegation  sehr erfolgreich. 

(v.l. Marina Müller, Jasmin Siebelitz, Samuel Dietz, Stephanie Drescher, Andreas Gramsch, Lara Holzmüller, Dennis Lam, Alwin Brenner)

Insgesamt gingen für Special Olympics Deutschland (SOD) bei den Weltspielen in Abu Dhabi  163 Athletinnen, Athleten und Unified Partner an den Start. Die Mitglieder der 229 Personen umfassenden Deutschen Delegation waren vor Ort auch Repräsentanten des Gastgeberlandes der nächsten Weltspiele – 2023 in Berlin.

Die 7.000 Aktiven der Weltspiele wurden von 2.500 Trainern betreut. Wettbewerbe wurden in insgesamt 24 Sportarten ausgetragen. 20.000 freiwillige Helfer unterstützten die Organisation der Spiele. Ein Schwerpunkt dieser Weltspiele war Special Olympics Unified Sports, bei dem Athleten und Athletinnen mit und ohne Behinderung ein Team bildeten. So sind die Wettbewerbe in einigen Sportarten ausschließlich für Unified-Teams ausgeschrieben. 

Von den insgesamt 170 Nationen nahmen 19 (Burkina Faso, Usbekistan, Frankreich, Russland, Portugal, Indien, Schweden, Mongolei, Aserbaidschan, Großbritannien, Turkmenistan, Vereinigte Arabische Emirate, Belgien, Niederlande, Estland, Kasachstan, Elfenbeinküste, Rumänien) an den Judowettbewerben teil.

Zunächst flog die deutsche Delegation bereits am 8.03.2019 nach Dubai, um im angrenzenden Emirat Schardscha am Host Town Programm teilzunehmen. Dieses dient zur Akklimatisierung, dem vorbereitenden Training und dem Kennenlernen der Kultur der Ausrichterregion. Es stand der Besuch der Pace International School an, mit einem überwältigenden Empfang der Schüler und Lehrer. Im Anschluss an diesen grandiosen Einstieg bezogen die deutschen Teilnehmer ihr Quartier in Abu Dhabi, wo die Wettkämpfe stattfanden. 

Am Tag der Eröffnungsfeier standen morgens im Adnec Exhibition Center in Abu Dhabi die Klassifizierung aller Athleten und abschließende Einteilung in den Wettkampfklassen statt. Am Abend startete die Eröffnungsfeier im Zayed Sports City Stadium ganz im Stil der Olympischen Spiele mit dem Einmarsch der 170 Nationen und u.a. mit der Liveperformance des World Games Song durch Avril Lavigne. Nach dem feierlich das Olympische Feuer entzündet und das Stadion mit einem Feuerwerk erhellt wurde, waren die Spiele eröffnet.

Erster Wettkampftag – Erste Medaillen

Am ersten Wettkampftag der World Games in Abu Dhabi konnte der Münchener Samuel Dietz die erste Goldmedaille im Judo für Deutschland erkämpfen. Silber für Lara Holzmüller ebenfalls aus München, sowie Bronze für Stephanie Drescher NRW.

Im Best of 3 musste Samuel im Schwergewicht der Wettkampfklasse 1 in der ersten Begegnung gegen den Schweden Michael Malmer eine Niederlage hinnehmen. Die nächsten zwei Begegnungen gingen knapp nach einer maximal gekämpften Zeit von einer Minute im Golden Score, jeweils mit Kampfrichterentscheid zu Samuels Gunsten. Er war über 4 Minuten der aktivere Kämpfer und gewann somit Gold für Deutschland.

In der Wettkampfklasse 2 der Frauen trat Stephanie Drescher aus NRW an. Den ersten Kampf musste die Kämpferin aus Meschede gegen die starke Britin Westwood verloren geben, ebenso wie die zweite Begegnung gegen Gnane aus Burkina Faso. Anschließend jedoch konnte Stephanie Drescher souverän vorzeitig die Belgierin Spruytte besiegen. Letzte Gegnerin war Beliaeva aus Russland, die gegen Drescher schnell in Rückstand geriet. Kurz vor Ende der regulären Kampfzeit besiegte die Kämpferin aus NRW die Russin mit einem Haltegriff und holte so die Bronzemedaille in Abu Dhabi.

Letzte Athletin am ersten Tag der Judowettkämpfe im Exhibition Center ADNEC in der Wettkampfklasse 3 war Lara Holzmüller ebenfalls aus München. Erste Gegnerin für Lara war die Finnin Gronholm, die sofort gegen Lara mit O-Soto-Gari in den Rückstand geriet. Lara konnte ihren Vorsprung verteidigen und gewann ihre erste Begegnung mit Ippon für Haltegriff.
Auch die zweite Begegnung entschied Lara gegen die Portugiesin Almeida für sich. Den entscheidenden Kampf gegen die Slovakin Skerlep ging mit Ippon verloren, so dass Lara Holzmüller sich eine hervorragende Silbermedaille erkämpfte.

Zweiter Wettkampftag – Zweites Gold und 2x Silber

Der zweite Tag wurde ausschließlich von Athleten aus NRW bestritten.  Hier konnte Jasmin Siebelitz in Abu Dhabi, nach den World Games 2015 in Los Angeles, ihren Titel bei den Weltspielen für Menschen mit einer Beeinträchtigung verteidigen. Der erste Kampf verlief gegen die Kämpferin aus Estland zunächst ein wenig holprig, doch dann gelang Jasmin der Ippon durch Haltegriff. Gegen Altantsetskg aus der Mongolei gelang der Kämpferin vom 1. Budokan Hünxe der vorzeitige Sieg durch O-Goshi. Über die volle Kampfzeit von 3 Minuten plus eine Minute Golden Score ging die Begegnung gegen die Russin Korobeynikova, die Siebelitz verdient mit Kampfrichterentscheid gewann. Den alles entscheidenden Kampf um die Titelverteidigung gewann Jasmin Siebelitz mit Waza-ari Vorsprung gegen Oester Hall aus Schweden.

Silber erkämpfte sich erneut Stephanie Drescher vom BSV Meschede, nach Bronze am ersten Tag. Da eine leichtere russische Kämpferin in der WK1 kampflos gewesen wäre, wurde ein 3er Pool mit schwereren Kämpfern der WK2 eröffnet. Der erste Kampf ging dann auch gegen die Russin Bobkova verloren, während Stephanie Drescher, wie am Vortag auch die Oberhand gegen Spruytte aus Belgien behielt und Silber gewann.

Letzter Kämpfer aus NRW war Andreas Gramsch, ebenfalls vom 1. Budokan Hünxe. Seinen ersten Kampf ging über die volle Distanz und in den Golden Score. Der Niederländer Knoester, sowie Andreas hatten einen Waza-ari auf der Tafel, Andreas hatte seinen Gegner zweimal im Haltegriff, dennoch fiel die Kampfrichterentscheidung zu Gunsten des Niederländers aus. Die zweite Begegnung gegen den Österreicher Zamecnik konnte der Judoka aus NRW für sich entscheiden und holte die 2. Silbermedaille des Tages.

Dritter Wettkampftag - Noch einmal Silber für Deutschland

Dennis Lam aus Rheinland-Pfalz gewann am letzten Wettkampftag der Special Olympics World Games in Abu Dhabi die Silbermedaille. Der am letzten Tag einzige startende ID-Judoka der deutschen Delegation, verlor seinen ersten Kampf kurz vor Ende der regulären Kampfzeit nach zwei Waza-ari Wertungen gegen den Briten Henaghan. Die zweite Begegnung gewann der Kreuznacher vorzeitig mit einem Ippon gegen Meeus aus Belgien. Die Silbermedaille sicherte sich Lam mit einem vorzeitigen Sieg gegen den Inder Singh. Mit 2 x Gold, 4 x Silber und 1x Bronze war es für die deutschen ID-Judoka die beste bisher erreiche Medaillenausbeute. 

Abschluss der Weltspiele – Großartige Bilanz der Deutschen Delegation

Die Special Olympics World Games 2019 sind am Abend mit der Abschlussfeier im Zayed Sports City Stadium in Abu Dhabi beendet worden. Die 229 Personen umfassende Deutsche Delegation hat sich bei den Weltspielen vom 14.-21.03.2019 in Abu Dhabi mit ihren sportlichen Leistungen, ihrem Auftreten und ihrem Teamspirit hervorragend präsentiert und Deutschland als Gastgeber der nächsten Weltsommerspiele würdig vertreten.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten haben die 163 Athletinnen, Athleten und Unified Partner vom Team Special Olympics Deutschland (SOD) ihr Bestes gegeben und bringen insgesamt 118 Medaillen mit nach Hause, davon 41 Gold, 47 Silber und 30 Bronze.