Starke Junioren beim Heim-Europacup

Falk Scherf

Der Europacup der Junioren 2018 ist Geschichte. Und diese ging einher mit einem Happy End für die Athleten des Deutschen Judo-Bundes (DJB). Mit 15 Medaillen und sieben weiteren Platzierungen in den Top sieben erreichte der DJB den zweiten Platz in der Nationenwertung.

31.07.2018 von [Karolin Huse]

Nicht nur die hervorragende Medaillenausbeute zieht Lorenz Trautmann, Bundestrainer der U21-Frauen, für ein Resümee heran. "Die gesamte Entwicklung seit Anbeginn des Jahres ist ungemein wichtig." Die Siegerin der Gewichtsklasse -63 kg, Annabelle Winzig, ist für Trautmann ein Paradebeispiel. Der Bundestrainer lobte sie als eine der besten U21-Kämpferinnen. "So stark auftretend habe ich Annabelle noch nie gesehen. Das war ihr bisher bestes Turnier", findet Trautmann. Winzig setzte sich in fünf Kämpfen mit fünf Ippons vorzeitig durch. Der Sieg bei diesem stark besetzten Turnier ist aufgrund des Altersklassenwechsels noch höher einzuschätzen. Die auf Platz eins gesetzte Dena Pohl verfehlte das Podest knapp. Nach einer Niederlage im Halbfinale trat sie den Kampf um Platz drei aufgrund von Vorsichtsmaßnahmen wegen einer Verletzung nicht an.

Christina Faber gewann die zweite Goldmedaille für die deutsche Delegation. In der Gewichtsklasse -78 kg setzte sich Faber im Finale gegen Teresa Zenker durch. Diese Gewichtsklasse ist durch ein echtes Luxusproblem gezeichnet. Neben Faber und Zenker dominieren auch Lea Schmid und Julie Hölterhoff die Weltrangliste. Bei den vergangenen Turnieren wechselten sich die Athletinnen untereinander auf dem obersten Treppchen ab. Die Entscheidung über die Startplätze für die anstehenden Höhepunkte werden somit wahrscheinlich sehr schwer zu treffen sein. Auch in Berlin kam es, wie es kommen musste. Die Halbfinals wurden in rein deutschen Duellen ausgetragen. Neben Faber und Zenker stand mit Lea Schmid als Bronzemedaillengewinnerin auch die dritte Deutsche auf dem Podest. Das historische Ergebnis aus Leibnitz konnte nicht erneut erzielt werden. Hölterhoff trat den Kampf um Bronze verletzungsbedingt nicht an. 

Eine weitere herausragende Leistung erbrachte aus Trautmanns Sicht der Juniorenneuling Annika Würfel. Würfel sicherte sich nach einer starken Leistung Silber, nachdem sie eine Woche zuvor bereits Gold in Prag gewann. "Auch sie hat eine großartige Entwicklung seit den Deutschen Meisterschaften vollzogen", schätzt Trautmann ein. In der gleichen Gewichtsklasse errang die 17-jährige Chiara Serra einen guten fünften Platz gegen die weitaus ältere und erfahrenere Konkurrenz. 

Die Medaillenbank Mascha Ballhaus (-48 kg) erkämpfte sich im Leichtgewicht die Bronzemedaille. Die Hamburgerin verlor nur gegen die amtierende Asienmeisterin Tynbayeva (KAZ). Im kleinen Finale brachte Ballhaus einen Waza-ari Vorsprung über die Zeit und hat damit die fünfte Medaille auf einem Europacup in diesem Jahr erkämpft.

Jana Ziegler komplettierte -57 kg ihren Medaillensatz für die EC-Saison 2018. Nach Gold in Kaunas und Bronze in Leibnitz wurde es nun in Berlin Silber. Das Finale gegen eine Französin ging nach einem ausgeglichenen Kampf kurz vor Ende der regulären Kampofzeit verloren. Mit Ziegler stand eine zweite Deutsche auf dem Podest. Caroline Fritze ließ die Berliner Herzen mit einem ansehnlichen Judo höher schlagen. Die 18-jährige schlug auf dem Weg zur Bronzemedaille unter anderem die Grand Slam Bronze Gewinnerin Cysique (FRA) aus Düsseldorf. 

Marlene Galandi konnte dem Druck standhalten und durfte sich nach Bronze bei den Erwachsenen in Celje nun auch Bronze bei den Junioren um den Hals hängen lassen. In einem dynamischen kleinen Finale holte Galandi gegen die Britin Petersen im Golden Score den Sieg.

Zwei Medaillen im Schwergewicht komplettierten die Medaillenausbeute bei den Damen. Aus dem erhofften deutsch-deutschen Finale wurde es dank der Auslosung nichts. Im Poolfinale traten Samira Bouizgarne und Renée Lucht gegeneinander an, wobei sich Bouizgarne durchsetzen konnte. Im Finale gegen die Brasilianierin Cruz stand es lange ausgeglichen, bevor sich Bouizgarne aufgrund des dritten Shidos mit Silber begnügen musste. Lucht setzte sich im Kampf um Bronze gegen die Asienmeisterin von 2017, Berlikash, durch. 

Nachdem die U21-Männer am ersten Wettkampftag keine Rolle im Finalblock spielten, gab es am Sonntag gleich vier Athleten, die um die Medaillen kämpften. Allen voran der Berliner Daniel Zorn (-100 kg), der als einziger Deutscher das Finale erreichte. Der auf Platz eins gesetzte Hauptstädtler musste dem Dänen Madsen im Finale nach der Disqualifikation durch den sritten Shido den Vortritt gewähren. Nach dem Turnier in Kaunas stand Zorn in diesem Jahr nun zum zweiten Mal in einem EC-Finale. In der gleichen Gewichtsklasse trumpfte auch Jan Goldhammer auf. Bereits in Lignano bewies Goldhammer mit Silber eine gute Form. Erst im Halbfinale wurde Goldhammer durch Zorn-Bezwinger Madsen gestoppt und verhinderte ein deutsch-deutsches Finale. Dafür ließ er im Kampf um Bronze gegen den Franzosen Devos keine Zweifel offen, wer als Gewinner von der Matte gehen würde. Nach 92 Sekunden stand Jan Goldhammer als Sieger fest. 

Gold-Medaillengewinner aus Kaunas, Tim Schmidt, holte in der Gewichtsklasse -90 kg die nächste Medaille für die Herren. Der Potsdamer sicherte sich mit Bronze die zweite internationale Medaille in diesem Jahr. Im kleinen Finale schlug er den Briten Lovellhewitt. 

Die vierte Medaille erkämpfte ein weiterer Potsdamer, Erik Abramov. Der Schwergewichtler, auf Platz vier gesetzt, wurde seiner Favoritenrolle gerecht und holte in Berlin die vierte EC-Medaille in diesem Jahr. Lediglich der Kadettenweltmeister von 2015, Kaitov (RUS), setzte sich gegen den Deutschen durch. Im Kampf um Bronze machte Abramov mit dem Tsikoridze (GEO) kurzen Prozess und beendete den Kampf nach einer Minute durch einen Haltegriff. 

Der DJB gratuliert den platzierten Athletinnen und Athleten recht herzlich zu diesen tollen Ergebnissen, obgleich den ungünstigen Temperaturbedingungen! 

Die gesamten Ergebnisse:

männlich:

-55 kg:
1. Damir Bolatbekov, KAZ
2. Imam Ibragimov, RUS
3. Rovshan Aliyev, AZE
3. Vano Khubashvili, GEO
5. Balabay Aghayev, AZE
5. Ahmed Yacoub Belkahla, FRA
7. Rashkhan Bakhishaliyev, AZE
7. Nikolas Rechberger, AUT

-60 kg:
1. Tofig Mammadov, AZE
2. Arslan Yessengel, KAZ
3. Lucian Bors Dumitrescu, ROU
3. Renan Torres, BRA
5. Bauyrzhan Narbayev, KAZ
5. Ahmad Yusifov, AZE
7. Ramazan Abdulaev, RUS
7. Luukas Saha, FIN

-66 kg:
1. Kazbek Naguchev, RUS
2. Michael Marcelino, BRA
3. Willian Lima, BRA
3. Giorgi Niazashvili, GEO
5. Luigi Brudetti, ITA
5. Mattia Miceli, ITA
7. Bakhitzhan Abdurakhmanov, KAZ
7. Sunggat Zhubatkan, KAZ

-73 kg:
1. Zhanbolat Bagtbergenov, KAZ
2. Aleko Mamiashvili, GEO
3. Angsarbek Gainullin, KAZ
3. Hasil Jafarov, AZE
5. Giorgi Chikhelidze, GEO
5. Jeferson Santos Junior, BRA
7. Hugo Metifiot, FRA
7. Abdul Malik Umayev, BEL

-81 kg:
1. Vladimir Akhalkatsi, GEO
2. Robert Rajkai, HUN
3. Roland Goz, HUN
3. Guilherme Schimidt, BRA
5. Soso Ebilashvili, GEO
5. Simon Gautschi, SUI
7. Murad Fatiyev, AZE
7. Pieter Vandyck, BEL

-90 kg:
1. Lasha Bekauri, GEO
2. Darko Brasnjovic, SRB
3. Eldar Allakhverdiev, RUS
3. Tim Schmidt, UJKC Potsdam, BB
5. Tom Boneschansker, NED
5. Harry Lovellhewitt, GBR
7. Matheus Assis, BRA
7. Giovani Ferreira, BRA

-100 kg:
1. Mathias Madsen, DEN
2. Daniel Zorn, BC Randori Berlin, BE
3. Denis Bakanov, RUS
3. Jan Goldhammer, BAC 55 Hockenheim, BA
5. Paul Devos, FRA
5. Zauri Kenchadze, GEO
7. Valeriy Endovitskiy, RUS
7. Yvo Witassek, UJKC Potsdam, BB

+100 kg:
1. Kemal Kaitov, RUS
2. Dzhamal Gamzatkhanov, RUS
3. Erik Abramov, UJKC Potsdam, BB
3. Andre Soares, BRA
5. Bibarys Abdigani, KAZ
5. Amirani Tsikoridze, GEO
7. Jamal Feyziyev, AZE
7. Jonas Schreiber, Sport-Union Annen, NW
 

weiblich:

-44 kg:
1. Lois Petit, BEL
2. Gamze Sayma, TUR
3. Oumaima Bedioui, TUN
3. Fatime Beringer, HUN
5. Olga Borisova, RUS
5. Silvia Giuseppa Drago, ITA
7. Amanda Arraes, BRA
7. Adiya Saiyn, KAZ

-48 kg:
1. Tugce Beder, TUR
2. Galiya Tynbayeva, KAZ
3. Mascha Ballhaus, T.-H. Eilbeck, HH
3. Virginia Nemeth, CAN
5. Ekaterina Dolgikh, RUS
5. Laura Ferreira, BRA
7. Akmaral Nauatbek, KAZ
7. Amy Platten, GBR

-52 kg:
1. Larissa Pimenta, BRA
2. Annika Wurfel, VfK Bau Rostock, MV
3. Coraline Marcus Tabellion, FRA
3. Amber Ryheul, BEL
5. Faiza Mokdar, FRA
5. Chiara Serra, KSV Esslingen 1894, WÜ
7. Seija Ballhaus, T.-H. Eilbeck, HH
7. Yasmin Javadian, GBR

-57 kg:
1. Pleuni Cornelisse, NED
2. Jana Ziegler, TSV München-Großhadern, BY
3. Sarah Leonie Cysique, FRA
3. Caroline Fritze, Judo-Club 03 Berlin, BE
5. Shaked Amihai, ISR
5. Ketelyn Nascimento, BRA
7. Ghofran Khelifi, TUN
7. Margarita Shrainer, RUS

-63 kg:
1. Annabelle Winzig, Homburger Turngemeinde 1846, HE
2. Selina Delen, BEL
3. Hanako Kuno, CAN
3. Jovana Obradovic, SRB
5. Emilia Kanerva, FIN
5. Dena Pohl, UJKC Potsdam, BB
7. Ryanne Lima, BRA
7. Gabriella Moraes, BRA

-70 kg:
1. Madina Taimazova, RUS
2. Martina Esposito, ITA
3. Marlene Galandi, UJKC Potsdam, BB
3. Ellen Santana, BRA
5. Moldir Narynova, KAZ
5. Kelly Petersen Pollard, GBR
7. Maya Goshen, ISR
7. Chloe Nunn, GBR

-78 kg:
1. Christina Faber, Judo Club Wiesbaden 1922, HE
2. Teresa Zenker, SV Halle, ST
3. Lea Schmid, Judozentrum Heubach, WÜ
3. Renee Van Harselaar, NED
5. Julie Hoelterhoff, KSV Esslingen 1894, WÜ
5. Petrunjela Pavic, CRO
7. Melanie Dhaiby, FRA
7. Arijana Peric, Judo-Club 71 Düsseldorf, NW

+78 kg:
1. Luiza Cruz, BRA
2. Samira Bouizgarne, 1. Judo-Club 1958 Mönchengladbach, NW
3. Renee Lucht, HT16, HH
3. Sofiia Pirogova, RUS
5. Kamila Berlikash, KAZ
5. Kubranur Esir, TUR
7. Merel Barkman, NED
7. Laura Fuseau, FRA