Unterstützung für Linna ungebrochen

Heiko Herrmann

Nachdem Christian Zeilermeier aus München Linna in ihrer Flucht maßgeblich unterstützt hat, gab es nun ein erstes Treffen. Auch viele andere Judoka unterstützen sie.

16.09.2021 von [Birgit Arendt]

Linna ist seit ihrer gelungenen Flucht aus Afghanistan seit dem 20. August in der Erstaufnahmeeinrichtung im brandenburgischen Doberlug-Kirchhain. Bisher hat sich dort vor allem Benjamin Golze, der Bundeskampfrichter ist und in der Nähe wohnt, um sie gekümmert. Am vergangenen Wochenende durfte sie sogar wieder am Judo teilnehmen. Zur brandenburgischen Landesmeisterschaft U18 war sie eingeladen. Als besonderer Ehrengast bedankte sie sich mit herzlichen Worten für die Möglichkeit, wieder zu ihrer geliebten Sportart zu finden.

Nun gab es in den vergangenen Tagen endlich auch ein besonderes Wiedersehen. Christian Zeilermeier aus München hatte sich bereits Wochen vor der Flucht und vor allem am Ausreisetag selbst sehr engagiert und rührend um Linna gekümmert. Auf seine Initiative hin gab es viele Unterstützer bis zum DJB, der IJF und nicht zuletzt auch der Bundesregierung, um die Flucht zu realisieren. Erstmals traf Christian nun auf Linna. „Ich muss gestehen, dass ich vor dem ersten Treffen wirklich sehr aufgeregt und gespannt war. Lina war anzumerken, dass sie sich auf diesen Besuch unendlich gefreut hat. Sie hat sich ständig bei mir bedankt, was sie aber eigentlich gar nicht muss. In erster Linie hat sie allein den Mut aufgebracht, sich durch die Kontrollen der Taliban, unter Lebensgefahr in den militärischen Bereich des Flughafens in Kabul bis nach Deutschland durchzukämpfen“, sagt er emotional nach wie vor berührt.

Neben vielen emotionalen Momenten gab es viel zu erzählen. Der Fluchttag, ihr Leben in Deutschland in den vergangenen Wochen, die Traurigkeit über die Trennung von ihrem Mann und ihrer Familie, all diese Themen gingen Christian sehr nahe.

„Dankenswerterweise hat sich Benjamin Golze an diesem Tag viel Zeit für uns genommen, so dass wir ein paar sehr schöne Stunden in der nahe gelegenen Stadt Finsterwalde verbringen konnten.“ Am Ende zeigte Linna noch ihre Unterkunft. „Auch diese Eindrücke waren prägend für mich. Denn die Menschen, die ich dort getroffen habe, haben bestimmt vielfach ein ähnliches Schicksal“, sagt Christian nachdenklich.

Linna vermisst insbesondere ihren Ehemann, ihre Familie und Freunde aus Afghanistan. Daher ist es schön, dass es vor Ort und seitens der gesamten Judo-Gemeinschaft in Deutschland so viel Unterstützung und Solidarität gibt.

„Es wäre schön, wenn Linna möglichst bald die Erstaufnahme verlassen könnte und ihr "neues" Leben in Deutschland richtig anfangen könnte. Und natürlich vor allem, dass Linnas Ehemann möglichst bald nachkommen kann und beide die Geburt ihres ersten Kindes gemeinsam erleben können“, hofft Christian auf ein Happy-End für Linna.

Fotos: Heiko Herrmann (Teaser), Benjamin Golze