Willkommen im Judo - Ihr seid nicht allein!

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Der Judo Club Wiesbaden engagiert sich seit Monaten für ukrainische Flüchtlingskinder und bietet ihnen neben einem "Willkommen im Judo" viele Möglichkeiten mehr.

16.11.2022 von [Birgit Arendt]

Im März 2022 wurden aus der Stadt Saporischschja in der Ukraine 35 Kinder nach Wiesbaden evakuiert. Für sie war es ein komplett neues Leben. Sehr große Unterstützung erhielten sie dabei vom Amt für Soziales und dem Netzwerk Runder Tisch von Wiesbaden, weiteren Sozialträgern, aber vor allem auch vom Judo-Club Wiesbaden.

„Für uns war es extrem wichtig, dass die Kinder hier in Deutschland ankommen, die deutsche Sprache lernen und sich Willkommen fühlen“, sagt Marcel Stebani, einer der Abteilungsleiter des JC Wiesbaden. Dafür engagiert sich ein Team von fast zehn Personen im Verein besonders intensiv. Robertson Linsner ist dabei der Hauptansprechpartner und Organisator im Verein. Für ihn war dieses Projekt eine ganz neue Herausforderung. „Ich hatte mich mit dem Beginn des Krieges ohnmächtig gefühlt und sah darin eine Möglichkeit, in meinem kleinen Rahmen etwas zu bewegen“, sagt er zu seiner Motivation, sich in diese doch recht große Aufgabe zu stürzen. Dabei betont er auch, dass die Anfangszeit sehr beratungsintensiv war und mit großem organisatorischen Aufwand verbunden war und noch immer ist. „Wir haben damals eine große Verantwortung übernommen und nutzten die Chance, aktiv etwas zu tun.“

Die Kinder trainieren gemeinsam mit den deutschen Judoka und die Trainer bieten ihnen extra-Einheiten an. Um das den Kindern zu ermöglichen, haben Unternehmen und die Stadt Judo-Anzüge gesponsort. Neben dem Training gibt es viele andere Dinge, die den Kindern durch die Mitglieder des Judo-Clubs ermöglicht wurden. „Wir sind als Verein sehr breit aufgestellt und haben ein richtig gutes Netzwerk. Es helfen alle und haben sehr gute Kontakte, sodass sowohl behördliche Anliegen ebenso schnell gelöst werden können wie z.B. auch medizinische Probleme“, berichtet Marcel Stebani.

Die Kinder nehmen auch aktiv am Stadtleben teil. Um zu zeigen, wie gut sie integriert sind, liefen sie im Oktober als Mitglieder des Teams „Judoka Johannesstift/EVIM“ (Evangelischer Verein für Innere Mission in Nassau) am 25-Stunden-Lauf 2022 mit und belegten den dritten Platz. „Die Wiesbadener Sportförderung hat uns mit tatkräftiger Unterstützung des Jugendträgers Johannesstift dabei sehr geholfen, dass die Kinder mit Unterstützung von Eltern kurzfristig noch mitlaufen konnten“, sagt Marcel Stebani. Als besondere Ehre empfanden sie es, dass der Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende ihnen persönlich den Pokal für den 3. Platz überreicht hat.

Wie ernst es die Kinder mit der Integration meinen, zeigt sich an einer Geschichte eines der Mädchen. Sie hat in ihrem Zimmer viele Zettel mit deutschen Wörtern an die Wand gepinnt, um schnellstmöglich die Sprache zu lernen.

Das Judo-Training hat sich bereits mit vielen Erfolgen ausgezahlt. Einen ganz besonderen Erfolg hatte Sofia Svydka, die Anfang Oktober Deutsche Meisterin der U18 wurde.

"Wiesbaden ist eine sehr schöne Stadt. Wir sind hier mit dem Team und fühlen uns zu Hause. Wir haben alles, was wir zum Leben brauchen und die Hauptsache ist, dass wir die Möglichkeit haben, unseren Träumen zu folgen. Zuallererst träume ich, dass der Krieg aufhören wird“, sagt sie und ergänzt: „Mein zweitgrößter Traum ist es, die Heimat des Judo, Japan, zu besuchen und Olympiasiegerin zu werden. Ich bin erst 15 Jahre alt und weit weg von zu Hause, aber ich bin bereit, hart zu arbeiten. Ich möchte allen zeigen, dass wir auch in sehr schwierigen Situationen das Recht haben, weiter groß zu träumen. Die Werte des Judo sind mein Leitstern, um Frieden in meinem Leben und in der ganzen Welt zu erreichen."

Sofia Svydka und ihr Team bekamen vor Kurzem ein Grußvideo von ihrem großen Idol Kosei Inoue. Seine Botschaft lautete: „Lasst uns gemeinsam mit der Internationalen Judo-Föderation und der gesamten Judo-Familie in Richtung Frieden gehen! Das ist es, was wir uns wünschen, das ist es, was wir wollen und Sofya und all ihre Freunde können sicher sein, dass sie nicht allein sind.“ Kosei Inoue hat darüber hinaus über seine gemeinnützige Organisation JUDOs die Kinder unterstützt.

Mit all diesen Hilfen eröffnen sich für die Kinder neue Horizonte und sie fühlen sich wohl in ihrem neuen Zuhause. „Auch für uns alle im Verein ist diese Aufgabe eine große Bereicherung“, sagt Robertson Linsner nach neun Monaten, die diese Aufgabe nunmehr im Verein täglich allgegenwärtig ist. „Sie lastet aber auf vielen Schultern und wir haben viele Partner, die sich engagiert um die Jugendlichen kümmern.“

Ein Fazit ist für ihn sehr wichtig. „Wenn Du wirklich überzeugt bist, kannst Du alles schaffen und Du kannst auch das Feuer in anderen entfachen.“

Der Judo Club Wiesbaden wird auch weiterhin fest an der Seite der ukrainischen Flüchtlingskinder stehen.

Auch auf der Seite der IJF gibt es einen Bericht über das große Engagement des Judo Clubs Wiesbaden