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07.01.2026

Ein weiterer Deutscher in der IJF

Vor wenigen Wochen wurde Dr. Tsegaye Degineh in die IJF-Kommission „Judo for Peace“ berufen.

Birgit Arendt

Foto: Birgit Arendt

Dr. Tsegaye Degineh ist Präsident des Äthiopischen Judo-Verbandes und er leitet diesen Verband jedoch fernab von zu Hause, ist jedoch immer für wichtige Termine vor Ort. Er lebt nun schon seit 37 Jahren in Deutschland, ist hier integriert und engagiert sich in vorbildlicher Weise für das Gemeinwesen auch hier in Deutschland. 

Das brachte ihm eine der höchsten Auszeichnungen in der Bundesrepublik ein. 2021 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande als Brückenbauer zwischen Afrika und Europa, Äthiopien und Deutschland, aber vor allem für sein sportliches und sein ehrenamtliches Engagement auf vielen Ebenen.

Dies hier ist ein Versuch, einen besonderen Menschen vorzustellen, dessen Credo ist, Menschen Hoffnungen zu geben, zu helfen und damit im täglichen Leben ein kleines bisschen Frieden zu schaffen. 

Der zwanzigjährige Tsegaye Degineh bekam einst ein Stipendium in Deutschland und begann nach einem Sprach-Vorbereitungsjahr 1989 mit dem Studium. Zunächst in Zwickau und ab 1991 dann BWL an der Humboldt-Uni zu Berlin. Nach dem Studium bekam er die Möglichkeit zu promovieren und wurde mit Magna cum laude Doktor der Wirtschaftswissenschaften. Lange Zeit arbeitete er dann im Projektmanagement bei Daimler-Benz und ist heute dort Nachhaltigkeitsbeauftragter in den Personalbereich für ganz Deutschland.

Durch seine Affinität grundsätzlich zu den Kampfsportarten erlernte er in Deutschland Judo und Ju-Jutsu. 

2010 begann die Ära Judo dann in Äthiopien. Johannes Daxbacher war das erste Mal in internationaler Judo-Mission dort. 

Dr. Degineh hingegen war zu Seminaren zum Projektmanagement in seiner alten Heimat und bekam dabei Kontakte zum Sportministerium. In dessen Auftrag gab er ein Judo-Polizeitraining in Addis Abeba, draußen auf dem Rasen. Das kam gut an. 

In der gemeinsamen Zusammenarbeit und im Wissen um die internationale Judo-Expertise von Johannes Daxbacher und seiner Frau Regina sprang bei zahlreichen Lehrgängen und Seminaren der Judofunke in Äthiopien sowohl in Addis Abeba als auch in anderen Regionen über. 

Dr. Degineh ermöglichte gemeinsam mit den Daxbachers den Aufbau von insgesamt zwölf Judo-Clubs in Äthiopien und gründete dann 2010 die Ethiopian Judo and Ju-Jitsu Association. Er ist Gründungspräsident. „Es ist nicht ganz einfach, den Verband zu leiten, aber ich habe viel Gelassenheit gelernt und kann auch zum Beispiel mit der Unberechenbarkeit der Behörden ganz gut umgehen“, sagt Dr. Degineh über seinen Spagat zwischen Deutschland und Äthiopien und zwischen der Übermacht Taekwondo und den neueren Kampfsportarten. Sehr stolz ist er, dass Äthiopien seit 2011 Mitglied der IJF ist und gleich in diesem ersten Jahr auf Einladung von Marius Vizer zwei Athleten an den Weltmeisterschaften teilnehmen konnten. Das hatte eine große Symbolkraft. „Bei Judo geht es mir vor allem um die Wertevermittlung und darum, auf der Matte die Menschen gut fürs Leben vorzubereiten.“ 

Die deutsche Judo-Community hat einst unter der Leitung von Johannes Daxbacher den Aufbau von Judo in Äthiopien mit Spenden von Judogi und Matten unterstützt, wofür Dr. Degineh noch heute dankbar ist. Er brachte mit Johannes Daxbacher in Äthiopien lebende Expats verschiedener Nationen zusammen, darunter Judoka aus Japan, Italien, Armenien, Belgien, Korea, Frankreich, den USA und Deutschland. Gemeinsam verfolgten sie das Ziel, die lokale Entwicklung des Sports zu fördern und gleichzeitig ihre eigenen Fähigkeiten zu vertiefen - Judo als eine große, weltumspannende Familie.

Viel beachtet ist sein Buch über Judo in der äthiopischen Nationalsprache Amharisch. Damit hat er viele Türen für unsere Sportart geöffnet.

Dr. Degineh hat viele Herausforderungen in Äthiopien zu bewältigen, geht diese aber mit viel Ruhe und überlegt an. „Wenn man zehn Mal hinfällt, muss man auch zehn Mal wieder aufstehen.“ 

2023 bekam er in Äthiopien die Auszeichnung „Good Person oft the Year“. Es war ihm eine große Ehre.

Aber auch in Deutschland empfindet Dr. Degineh bürgerschaftliches Engagement als eine Ehrensache. Er ist ehrenamtlicher Richter beim Verwaltungsgericht, ist Mitglied in der Deutsch-Afrikanischen Stiftung und ist gerade in der Politik immer dann gefragt, wenn es um Gespräche mit Botschaftern oder anderen Persönlichkeiten aus Afrika geht. „Ich versuche, meiner Stimme Gehör zu geben“.

Die Berufung als Commissioner für „Judo for Peace“ in der IJF war für ihn eine Überraschung. Er ist in der Afrikanischen Judo-Union fürs Marketing zuständig und hat viele Kontakte zu den afrikanischen Judo-Präsidenten. Nun diese neue Aufgabe, auf die er sich sehr freut. „Diese Aufgabe bringt eine hohe Verantwortung mit sich, die wir gemeinsam gut meistern können. Sport bringt die Menschen zusammen, unabhängig von ihrem Status, Hautfarbe, Herkunft oder Religion. Es gibt viel zu tun!“

Rückhalt bekommt Dr. Degineh durch den sicheren Hafen seiner Familie. Seine Frau, die aus Thüringen stammt und seine beiden Töchter sind seine Basis und unterstützen ihn in all seinen Aufgaben. Seine Tochter Saron hat selbst mehrere Jahre Judo trainiert und ist mittlerweile eine gut beschäftigte Schauspielerin, Leah ist ein glückliches, fröhliches Mädel, das mit Beeinträchtigungen so manche Hürde im Leben meistern muss. „Sie ist die Wärme meines Herzens“, sagt er liebevoll. 

Dr. Degineh steht auf beiden Seiten der Nationen wie ein Fels in der Brandung. „In Äthiopien bin ich ein Verfechter für Deutschland und hier bin ich ein Verfechter für Äthiopien. Der Dialog ist wichtig. Auch auf der Matte.“

Die Zusammenarbeit zwischen Dr. Degineh und Johannes Daxbacher begann einst im Projekt „Judo for Ethiopians“. Nun wird diese sehr enge, vertrauensvolle und freundschaftliche Beziehung auf einer neuen Ebene fortgesetzt. Dr. Degineh als IJF-Commissioner „Judo for Peace“ arbeitet gemeinsam mit Johannes Daxbacher als DJB-Referent „Judo für Frieden“ und Vorsitzender der IJF Police Commission sowohl im DJB als auch in der IJF in engem Schulterschluss zusammen.

 

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