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14.08.2026

Judo&more 2026: Der Name ist Programm

Ankommen, Matte betreten, Freunde begrüßen – und für eine Woche Teil einer ganz besonderen Gemeinschaft sein. Wenn sich mehr als 160 junge Judoka und rund 40 Betreuerinnen und Betreuer aus ganz Deutschland - 15 von 16 Bundesländern sind vertreten - in der Sportschule Lindow treffen, beginnt nicht einfach ein Trainingslager.

Text und Fotos: Christoph Wesemann

Foto: Christoph Wesemann

Judo&more ist seit vielen Jahren ein fester Termin im Kalender des Deutschen Judo-Bundes und eine Woche, in der das „more“ mindestens genauso wichtig ist wie das Judo.

Schon beim Ankommen ist spürbar, worum es geht: bekannte Gesichter wiedersehen, neue Freundschaften schließen, gemeinsam lachen und natürlich gemeinsam Judo erleben. Die Sportschule Lindow wird für eine Woche zum Treffpunkt einer großen Judo-Familie.

Auf der Matte geht es dabei durchaus ernsthaft zur Sache. Gleich am ersten Vormittag wartet eine besondere Aufgabe: In einer „Geisterstunde“ müssen die jungen Judoka ihre Geister sicher über die volle Matte steuern. Was zunächst nach einem ungewöhnlichen Aufwärmspiel klingt, bringt genau das zusammen, was Judo&more ausmacht: Bewegung, Geschicklichkeit und jede Menge Spaß. Anschließend wird in den Gruppen trainiert, bevor die Randoris den ersten Vormittag beschließen.

Der Nachmittag gehört traditionell den Bodentechniken. Drehen, Halten, Würgen – die ganze Bandbreite der Ne-waza wird auf der Matte ausprobiert und trainiert. Dazwischen bleibt Zeit für das, was außerhalb der Halle mindestens genauso wichtig ist. Der See lockt, Beachvolleyball wird gespielt, Fußball, manche suchen sich einen ruhigen Platz zum Chillen, andere nutzen die Gelegenheit für ein kurzes Nickerchen.

Denn Judo&more folgt keinem starren Rhythmus. Die Woche lebt gerade davon, dass sich intensive Trainingseinheiten und freie Zeit abwechseln.

Training mit Abwechslung

Auch der Dienstag beginnt für die Frühaufsteher bereits um 7 Uhr. Während die einen beim Frühsport aktiv in den Tag starten, drehen sich bei den Langschläfern noch einmal die Decken um. Nach dem Frühstück geht es zurück auf die Matte.

Dabei ist Kreativität gefragt. Gürtel werden zu bunten Figuren gelegt und anschließend Teil des Aufwärmens. Danach stehen Standtechniken auf dem Programm. Trainiert wird in Gruppen, mit unterschiedlichen Schwerpunkten und immer wieder neuen Impulsen.

Dass Judo&more auch vom Austausch lebt, zeigt sich besonders bei den Gasttrainern. Mit Katja Gerber ist in diesem Jahr eine vierfache Europameisterin dabei. Sie bringt nicht nur ihr Können und ihre Erfahrung mit auf die Matte, sondern auch eine zusätzliche Perspektive auf den Judosport. Nach den Trainingseinheiten heißt es schließlich Abschied nehmen.

Am Abend wartet dann kein weiteres Techniktraining, sondern Lagerfeuer und Stockbrot. Ein Tag, der mit Judo begonnen hat, endet mit Gesprächen, Lachen und gemeinsamer Zeit.

Der „more“-Tag

Mittwoch. Judofrei.

Und gerade deshalb ein wichtiger Bestandteil der Woche.

Wenn das „Judo“ Pause macht, rückt das „more“ in den Mittelpunkt. Ein Parcours führt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer quer über das Gelände. An verschiedenen Stationen müssen Aufgaben gelöst werden – körperlich, koordinativ und mit Köpfchen.

Bei rund 30 Grad und tropischer Luftfeuchtigkeit wird aus dem Parcours allerdings schnell eine echte Herausforderung. Getränkestationen werden spontan eingerichtet, Rasensprenger sorgen für Abkühlung. Die Unterstützung vor Ort macht deutlich: Judo&more funktioniert nur, wenn viele Menschen gemeinsam dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen stimmen.

Am Nachmittag bietet das Betreuerteam eine große Auswahl an Freizeitmöglichkeiten. Wer Bewegung sucht, findet sie. Wer lieber entspannt, kann das ebenfalls tun. Und wer einfach Zeit mit Freunden verbringen möchte, braucht ohnehin kein spezielles Programm.

Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis dieser Woche: Es gibt viel zu erleben, aber niemand muss ständig etwas erleben.

Foto: Christoph Wesemann

Noch einmal alles geben

Am Donnerstag wird wieder trainiert. Zwei Einheiten stehen auf dem Programm. Schließlich wissen inzwischen alle: Die Woche geht langsam ihrem Ende entgegen.

Die Nachtwanderung kündigt sich an – und damit einer jener Programmpunkte, die bei Judo&more untrennbar dazugehören. Doch vorher wird noch einmal auf der Matte gearbeitet. Techniken werden wiederholt, Randoris absolviert und die letzten Trainingseinheiten der Woche vorbereitet.

Auch das obligatorische Gruppenfoto darf nicht fehlen. In diesem Jahr als kleines Geheimprojekt organisiert, wird es zu einem gemeinsamen Erinnerungsstück an eine Woche, in der viele einzelne Geschichten zusammenkommen.

Später geht es hinaus in die Nacht. Das Wetter spielt mit. Am Himmel zeigen sich eindrucksvolle Farben, später wird der Blick frei auf die Sterne. Nach den vielen Stunden in der Halle und auf dem Gelände ist die Nachtwanderung ein ruhiger Gegenpol – und zugleich ein Moment, in dem vielen bewusst wird, dass die gemeinsame Zeit bald vorbei sein wird.

Der letzte Tag

Freitag ist der letzte „echte“ Judo&more-Tag. Und wie immer kommt er schneller, als man denkt.

Noch einmal stehen Stand- und Bodentechniken auf dem Trainingsplan. Doch selbst die Aufwärmspiele erzählen an diesem Tag eine eigene kleine Geschichte. Luftballons werden zum Trainingsgerät für Koordination und Geschicklichkeit. Am Ende müssen sie natürlich platzen – möglichst spektakulär.

Am Nachmittag beginnt die letzte Einheit traditionell mit der Judo-Polka. Spätestens jetzt ist klar: Der Trainingsanzug wird bald gegen Party-Outfit getauscht.

Ja, auch das Judo-Sportabzeichen wurde erfolgreich absolviert. Über 30-mal Bronze, 7-mal Silber und sogar einmal Gold, sind eine stolze Bilanz!

Vor der großen Abschlussparty gibt es noch einmal einen Blick zurück. Aus unzähligen Fotos und Videos ist eine Diashow entstanden. Eine Woche in wenigen Minuten: Training, Freizeit, gemeinsame Aktionen, kleine und große Momente.

Und dann wird gefeiert.

Die Stimmung ist ausgelassen. Die Woche hat ihre Spuren hinterlassen – müde Beine, neue Erfahrungen und vermutlich den einen oder anderen Muskelkater. Vor allem aber hat sie Erinnerungen geschaffen. Für viele ist Judo&more deshalb längst mehr als eine Jugendfreizeit. Es ist ein Wiedersehen mit Freunden, ein Kennenlernen neuer Menschen und eine Woche, in der aus vielen einzelnen Gruppen eine Gemeinschaft wird.

Irgendwann muss auch die beste Party enden. Für viele Betreuerinnen und Betreuer beginnt am Samstagmorgen bereits die Rückfahrt. Koffer werden gepackt, Zimmer geräumt, letzte Gespräche geführt. Der See, die Matten und das Gelände der Sportschule bleiben zurück.

Was bleibt, sind die Erinnerungen.

Und die Gewissheit, dass Judo&more nicht allein von Trainingseinheiten, Freizeitangeboten oder einer großen Abschlussfeier lebt. Es sind die Menschen, die diese Woche ausmachen. Das Trainerteam Michael Weyres, Sven Helbig,Thomas Kessler und Gasttrainerin Katja Gerber sorgt für abwechslungsreiche Einheiten, die Betreuerinnen und Betreuer kümmern sich um ihre Gruppen, organisieren Freizeitangebote und übernehmen ganz selbstverständlich auch Aufgaben wie die Schwimmaufsicht.

Hinter den Kulissen wiederum braucht es Menschen, die eine solche Veranstaltung planen, organisieren und über viele Monate vorbereiten. Hier geht ein besonderer Dank an Bundesjugendleiterin Jane Hartmann für ihren unermüdlichen Einsatz für diese Veranstaltung. Erst das Zusammenspiel all dieser Beteiligten macht eine Woche wie Judo&more möglich.

Vielleicht ist deshalb der Abschied jedes Jahr ein wenig schwer.

Denn eine Woche lang ist Lindow nicht einfach nur ein Ort, an dem Judo trainiert wird. Lindow wird zu einem Stück gemeinsamer Judo-Welt.

Und dann heißt es wieder: Koffer packen, Abschied nehmen und nach Hause fahren.

Bis zum nächsten Mal.

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