Zum Inhalt springen
11.02.2026

Matten für Bhutan

Vor etwa einem Jahr hatte Johannes Daxbacher einen Aufruf zu einer Mattenspende gestartet.

Birgit Arendt

Johannes Daxbacher war im Auftrag des DOSB und des Auswärtigen Amtes im Himalaya-Land Bhutan und hat dort erste Schritte unternommen, um den Judo-Verband Bhutan vor allem im Trainerbereich zu unterstützen – wir berichteten. Eine flächendeckende Einführung der Sportart vor allem an Schulen scheitert dort jedoch an Judomatten. Dazu gab es einen Spendenaufruf über die Medien des Deutschen Judo-Bundes und derzeit ist ein großer Container mit 500 Matten auf die Schiffsreise nach Kalkutta und von dort aus dann nach Bhutan gegangen.

Woher kommen aber diese Matten? 

Drei Vereine in Deutschland sind dem Aufruf gefolgt und haben Judo-Matten gespendet.

Bundesfreiwilligendienst-Leistender Paris Reyerding verpackt beim JV Velen-Reken die Matten zum Abtransport

Der Judo-Club Velen-Reken in Nordrhein-Westfalen war einer der drei Vereine. Der Verein hat sich im vergangenen Sommer neue Matten angeschafft, die sie nach den University Games vergleichsweise günstig erwerben konnten. Da die Lagerkapazitäten nicht so groß sind, haben sie Matten aussortieren müssen und da kam der Aufruf genau zum richtigen Zeitpunkt. 

Der Mehrspartenverein mit Judo, JuJutsu und Taekwondo hat über 300 Mitglieder, davon etwa zwei Drittel Judoka. „Wir verstehen uns als ambitionierter Breitensportverein. Wir wollen Spaß, Freude und die Werte unseres Sports vermitteln“, sagt Ullrich Wübbeling vom Verein. Dazu bietet der Verein neben dem Training im verein auch Kurse in Kindergärten und Grundschulen an. „Auch sind wir sind Stützpunktverein für Integration durch Sport und haben fast 20 verschiedene Nationen bei uns vertreten. Das ist für unsere ländliche Region schon recht viel.“

Der Verein versucht, viele der Übungsleiter selbst heranzuziehen und gut auszubilden. „Wir haben über 30 aktive Trainer und Übungsleiter, fast alle mit einer Trainer Lizenz oder einem Übungsleiterschein. Auch haben wir in diesem Jahr wieder einen Freiwilligendienstleistenden“, berichtet Ullrich Wübbeling stolz. Der Verein hat bereits über 40 Dan-Träger hervorgebracht und das große Highlight im Verein war die Ausrichtung der Deutschen Meisterschaften im JuJutsu im Jahr 2005.

Hinter dem Projekt "Judomatten für Bhutan" steht ein ganzes Team von Ehrenamtlichen, die sich eingebracht haben und die Mattenspende vorbereitet und begleitet haben.

Das Team des BC Offenburg

Auch der Budo-Club Offenburg aus Baden hatte sich gerade neue Matten angeschafft und als der Verein von dem Spendenaufruf gehört hat, waren sie sofort dabei. „Es war es für uns ein Anliegen und eine große Freude, mit dieser Mattenspende einen Beitrag zur Steigerung des Bruttonationalglücks in Bhutan leisten zu dürfen“, spielt Martin Ernst vom Verein mit einem Augenzwinkern auf den Glücksindikator im Land an.

Der Budo-Club Offenburg feierte gerade im Herbst sein 50-jähriges Bestehen und blickt auf eine beeindruckende Vereinsgeschichte zurück. Die Pioniere des Vereins sind Rosi und Toni Strumbel († 2014), die sich 1983 mit dem Bau einer eigenen Sportschule einen großen Traum erfüllten. Auf rund 350 Quadratmetern Mattenfläche, zwei Trainingshallen, einem 300 Quadratmeter großen Kraftraum, zwei Saunen mit Freiluftterrasse und einer eigenen Wirtschaft entstand eine Trainingsstätte, die bis heute als Herzstück des Offenburger Judosports gilt und 1983 sogar zum Leistungssportzentrum in Baden ernannt wurde. 

Der Verein bietet im Budo-Sportzentrum neben Judo auch Fitnesstraining für Jedermann, Fitnesszirkel, Aikido, Schwertkampf und Taiso-Morgengymnastik an.

Stolz sind sie auf ihre Mannschaft in der Baden-Württemberg-Liga, die ohne Fremdstarter kämpft. Immer wieder bringt der Vereine Talente hervor. Der jüngste Erfolg ist der Weltmeistertitel von Gerhard Grafmüller bei den Veteranen-Weltmeisterschaften in der Klasse M6, -81 kg im November in Paris. 

Auch hier gibt es Unterstützung von vielen Judoka des Vereins, die sich für das Projekt „Judomatten für Bhutan“ sehr engagiert eingesetzt haben. 

Die Offenburger bereiten alles für den Abtransport vor

Der dritte Verein, der das Projekt unterstützt hat, ist der JC Schindhard aus der Pfalz.

Nach der Erweiterung des Dojo hatte der Verein neue Matten gekauft und die bisherigen immer für das Vereins-Turnier genutzt. Das fiel jedoch bedauerlicherweise Corona zum Opfer und mit dem Bau eines Kraftraums fehlte nun auch noch die Lagerkapazität. „Wir haben von dem Projekt erfahren und uns war direkt klar, das wollen wir unterstützen. Und wir hoffen, dass die Matten hoffentlich noch viele Randori erleben dürfen“ sagt Vereinschef Ulf Wilke.

Der Verein hat ca. 200 Mitglieder. „Wir wollen den Judoka neben der Judoausbildung auch eine Gemeinschaft bieten. Gerade in der heutigen Zeit ist dies sehr wichtig. Wir sprechen nicht nur über die Judowerte, sondern wir leben Sie auch aktiv in jedem Training vor. Es gibt bei uns sogar einen elften Judowert: „Kann ich nicht“ gibt es bei uns nicht, sondern es heißt: „Ich kann es jetzt noch nicht, aber ich lerne es!“.

Trotzdem Judo eine Einzelsportart ist, fühlt es sich für die Mitglieder als Gemeinschaft und Mannschaft an. Dieses Feedback geben nicht nur die Judoka, sondern auch deren Eltern. Dazu trägt auch das alljährlich stattfindende Zeltlager bei.

Sportlich ist der Verein seit Jahren sowohl national als auch international erfolgreich. Auch in diesem Verein schaffte es die Mannschaft, sich ohne Fremdstarter bis in die Verbandsliga zu kämpfen.

„Besonders stolz macht uns, dass wir es immer wieder schaffen, Judoka auch bis ins Erwachsenenalter an den Verein zu binden und sie auch Verantwortung im Verein sowohl als Trainer als auch in der Vorstandschaft übernehmen.“

Für das Projekt „Judomatten für Bhutan hatte vor allem der Jugendleiter Erik Wilke die Verantwortung übernommen und hat alles geklärt und organisiert. „Es war sehr beeindruckend zu sehen, welches Engagement und Herzblut er da reinsteckte.“ Unterstützt wurde er aber natürlich vom ganzen Vorstandsteam, sowohl organisatorisch als auch als es ans Anpacken bei der Verladeaktion ging. „Auch hier zeigte sich, dass wir außerhalb der Matte die Judowerte leben.“

Der Deutsche Judo-Bund bedankt sich bei allen drei Vereinen auf das Herzlichste für ihr Engagement und die Unterstützung für Bhutan im Rahmen humanitärer Hilfe. 

Neben den drei Vereinen sind einige nationale und sogar internationale Partner notwendig gewesen, um den Transport und alle rechtlichen Fragen im Zusammenhang der Verschiffung der Matten zu regeln. Dazu gibt es jedoch einen weiteren Beitrag.  

Title

Title