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03.02.2026

Peru – Ein Trainingszentrum für Perspektiven

Was als persönliche Begegnung während eines Auslandsaufenthalts begann, hat sich zu einem außergewöhnlichen Judoprojekt im peruanischen Amazonasgebiet entwickelt.

Entstehung des Projekts

Im Jahr 2015 absolvierte Jannik Wenzel ein Volontariat in Cusco (Peru). Während dieser Zeit suchte er nach einer Möglichkeit, sein Judotraining fortzusetzen, und stieß über soziale Medien auf einen lokalen Judo-Club. Der Kontakt zum Trainer Joel García führte schnell zu einer Einladung ins Training – und zu einer Freundschaft, die bis heute anhält.

Schon damals wurde deutlich, welche besondere Rolle Joel für seine Sportlerinnen und Sportler einnimmt. Viele der Kinder und Jugendlichen stammen aus schwierigen familiären Verhältnissen. Judo ist für sie nicht nur Sport, sondern ein stabilisierender Faktor im Alltag. Joel vermittelt Werte wie Respekt, Disziplin und Verantwortung und übernimmt dabei weit mehr als die klassische Rolle eines Trainers.

Als Joel später von der peruanischen Sportföderation nach Puerto Maldonado entsandt wurde, um dort Judo zu unterrichten, setzte er diese Arbeit unter noch herausfordernderen Bedingungen fort – mit derselben Hingabe und Überzeugung.

Entwicklung vor Ort

Zwischen 2018 und 2024 reiste Jannik Wenzel mehrfach nach Peru und besuchte Puerto Maldonado insgesamt mehrmals. Vor Ort konnte er die kontinuierliche Entwicklung des Projekts miterleben: Eine wachsende, disziplinierte Gruppe von Kindern und Jugendlichen trainiert regelmäßig Judo – trotz einfacher Bedingungen konnten in dieser Zeit außerordentliche sportliche Erfolge erzielt werden: Mehrere Athletinnen und Athleten wurden nationale Meister, einige vertraten Peru erfolgreich bei den Südamerikanischen Schulspielen und gewannen 2x Bronze.

Besonders bemerkenswert ist dabei die gezielte Förderung von Mädchen und jungen Frauen, die im Verein selbstverständlich am Training teilnehmen, Verantwortung übernehmen und sportlich wie persönlich gestärkt werden. Judo bietet ihnen Schutzräume, Selbstvertrauen und neue Perspektiven in einer Region, in der diese Chancen nicht selbstverständlich sind. Im Juli 2024 entstand schließlich bei einem gemeinsamen Treffen die Idee, diese Entwicklung langfristig abzusichern: der Bau eines Judo- und Kampfsport-Leistungszentrums in Puerto Maldonado.

Geografischer und sozialer Kontext

Puerto Maldonado liegt im Südosten Perus, im Herzen des Amazonasgebiets, nahe der Grenzen zu Brasilien und Bolivien. Trotz der abgelegenen Lage ist die Stadt strategisch gut angebunden – mit einem Flughafen mit Verbindungen nach Lima und Cusco sowie einem internationalen Busbahnhof.

Die Region ist geprägt von sozialen Ungleichheiten, begrenzten Bildungs- und Freizeitangeboten und hoher Abwanderung. Gerade hier übernimmt der Judoclub eine wichtige gesellschaftliche Funktion: Er bietet Struktur, Gemeinschaft und Perspektiven – unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder finanziellen Möglichkeiten.

    Projektbeschreibung

    Das geplante Leistungszentrum soll ein Ort sein, an dem Kinder, Jugendliche und Erwachsene Judo und weitere Kampfsportarten erlernen und sich auf nationale sowie internationale Wettbewerbe vorbereiten können. Das Projekt folgt einem klaren inklusiven Leitgedanken: „Wer kann, zahlt. Wer nicht kann, trainiert trotzdem.“

    Geplant sind unter anderem:

    • zwei Judoflächen à 8 × 8 m mit jeweils 3 m Sicherheitsfläche (national und international normgerecht),
    • eine Tribüne für rund 300 Zuschauer,
    • ein Kraft- und Athletikraum,
    • ein Physiotherapieraum,
    • Umkleiden mit Sanitäranlagen,
    • Schlafsaal, Küche und ein Seminarraum für schulische und theoretische Inhalte.

    Nachhaltigkeit und Verantwortung

    Auch ökologische Aspekte spielen eine wichtige Rolle. Die große Dachfläche des Zentrums soll perspektivisch mit Solarmodulen ausgestattet werden, um den Strombedarf nachhaltig zu decken. Zudem bleiben rund 100 m² des rund 1.000 m² großen Grundstücks unbebaut und werden begrünt – ein bewusster Beitrag zum Umweltschutz in einer der artenreichsten Regionen der Welt.

    Ziele und Nutzen

    Das Projekt verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz:

    • Sportliche Entwicklung: langfristige Förderung von Kindern und Jugendlichen sowie verbesserte Trainings- und Wettkampfbedingungen.
    • Soziale Integration: Vermittlung von Stabilität, Werten und Perspektiven als präventiver Schutz vor sozialer Ausgrenzung.
    • Förderung von Mädchen und Frauen: Stärkung von Selbstvertrauen, Gleichberechtigung und Teilhabe durch Sport.
    • Internationale Zusammenarbeit: Ausbau von Austauschprogrammen und Wettkämpfen mit Vereinen aus Peru, Brasilien und Bolivien.
    • Gesundheit und Bildung: Ergänzung des Trainings durch physiotherapeutische Betreuung und edukative Angebote.

    Persönliche Involvierung

    Koordiniert wird das Projekt von Jannik Wenzel, ehemaliger internationaler Judoka aus Deutschland. Nach sportlichen Erfolgen auf nationaler (Bronze DEM u18) und internationaler Ebene (mehrere Medaillen bei European & Panamerican Cups) studierte er an der Deutschen Sporthochschule Köln und der Universität zu Köln (Lehramt Sport & Spanisch). Seit 2024 arbeitet er als Lehrer an deutschen Auslandsschulen in Südamerika.

    Sein Engagement verbindet sportliche Erfahrung, pädagogische Kompetenz und die

    Überzeugung, dass die japanischen Werte des Judo – Respekt, Disziplin und gegenseitiges Wohlergehen – weit über die Matte hinauswirken und echte gesellschaftliche Entwicklung ermöglichen können.

     

    Socials: https://www.instagram.com/judo.ptomaldonado/ 

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