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11.09.2026

Stellungnahme zum Statement von Akaki Japaridze

Die jüngsten Ereignisse und die darauffolgenden Reaktionen in den sozialen Medien erfordern eine klare und unmissverständlichen Positionierung des Deutschen Judo-Bundes (DJB).

Foto: Thomas Wetzel/sportfotos24

Als Sportverband stehen wir für Werte, die durch den schlimmen Vorfall am 5. September 2026 beim Bundesligakampf zwischen dem JC Leipzig und dem TSV Abensberg tief verletzt wurden. Der Vorfall bezieht sich ausschließlich auf einen Bundesligakampf zwischen zwei Judoka, nicht auf eine Auseinandersetzung zwischen zwei Bundesligavereinen oder gar auf eine Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Nationen.

Dieser Vorfall hat nichts mit dem Verhältnis zwischen Deutschland und Georgien zu tun.

Die georgischen Judoka gehören unbestritten zu den stärksten der Welt und zeichnen sich durch Hilfsbereitschaft und Fairplay aus. Viele von ihnen sind aufgrund ihrer herausragenden sportlichen Leistungen weltweite Vorbilder. Die Verbundenheit und der Respekt im internationalen Judosport zeigen sich auch darin, dass noch in diesem Jahr unsere U21-Nationalmannschaften gemeinsam in Georgien trainiert haben. Umso schmerzhafter sind die aktuellen Entwicklungen für die gesamte Judogemeinschaft.

Unverständnis über die Reaktionen in den sozialen Medien

Wir sind fassungslos über das gestrige Statement (am 10.09.2026) von Akaki Japaridze auf Instagram sowie über die Zusprüche und Befürwortungen, die dieser Beitrag, teilweise auch von angesehenen internationalen Judo-Stars, erhalten hat. Eine Relativierung oder gar Verteidigung dieser schwerwiegenden Körperverletzung durch Akaki Japaridze an Timo Cavelius ist für uns nicht tolerierbar und mit den Grundprinzipien unseres Sports unvereinbar.

Es handelte sich am 5. September nicht um eine bloße Unbeherrschtheit oder ein kurzes Schubsen nach einer hitzigen Auseinandersetzung. Timo Cavelius wurde ohne Vorwarnung mit massiver körperlicher Gewalt attackiert. Auch als der Athlet bereits am Boden lag, folgten weitere schwere Schläge, bis die Situation erst durch das couragierte Eingreifen der Teamkollegen beendet werden konnte.

Wir reden hier nicht von einem emotionalen Gerangel oder einer verständlichen Eskalationsstufe nach einer vermeintlichen Provokation. Dies war ein massiver Übergriff, der das Risiko schwerster körperlicher Verletzungen in sich trug.

Sportliche und persönliche Folgen für Timo Cavelius

Timo Cavelius wurde im Uniklinikum Leipzig hervorragend medizinisch versorgt und operiert. Trotz dieser bestmöglichen Behandlung sind die sportlichen Konsequenzen für ihn verheerend: Er verpasst nun nicht nur den Grand Slam in Budapest, sondern auch die Weltmeisterschaft.

Damit droht Timo aus den Top 36 der Weltrangliste zu fallen, was auch seine Teilnahme am Masters-Turnier Ende des Jahres gefährdet. Für alle kommenden Wettkämpfe bedeutet dies eine schlechtere Setzung und damit wesentlich schwerere Lose in den ersten Runden. Die gesamte Olympiaqualifikation wird ihm dadurch massiv erschwert – ein extrem hoher sportlicher Preis für ein Opfer unvorhersehbarer Gewalt.

Der Erziehungsauftrag und die Werte des Judo

Emotionen gehören zu jedem Sport dazu. Unsere Judoka geben auf der Matte alles und kämpfen mit vollem Einsatz. Wer im Sport eine Niederlage hinnehmen muss, weiß, dass dies tiefen Frust oder Ärger auslösen kann – erst recht, wenn der Kontrahent seinen Sieg besonders intensiv zelebriert, wie auch zuhauf zu sehen in vielen Sportarten rund um den Globus. Diese emotionalen Ausnahmesituationen sind menschlich und Teil des Wettkampfs.

Doch genau hier liegt der Kern unserer Sportart: Der Umgang mit diesen extremen Emotionen ist das, was wir unseren Judokindern von der ersten Gürtelprüfung an vermitteln. Es ist ein zentrales Lernziel des Judo, die eigenen Emotionen zu kennen, sie zu kontrollieren und zu regulieren.

Wenn wir im internationalen Wettkampf aufeinandertreffen, darf es keine Rolle spielen, aus welchem Kulturkreis, welchem Land oder welchem Umfeld ein Athlet stammt. Wir können und dürfen nicht das Risiko eingehen, dass Sportler auf der Matte damit rechnen müssen, aufgrund einer Geste oder eines Missverständnisses körperlich attackiert zu werden. Der definierte Regelrahmen und die gemeinsamen Werte müssen jeden Athleten überall auf der Welt gleichermaßen schützen.

Konsequenzen für die Zukunft

Dass Akaki Japaridze nach mehreren Tagen Bedenkzeit und Raum zur Reflexion dieses Verhalten öffentlich rechtfertigt, zeigt aus unserer Sicht eine gefährliche Einsichtslosigkeit. Man stelle sich vor, die Beteiligten vor Ort hätten in gleichem Maße mit Gegengewalt reagiert – der Sport würde im Chaos versinken.

Selbst mit einer aufrichtigen Entschuldigung wäre dieser Vorfall nur schwer zu verzeihen gewesen. Mit dieser uneinsichtigen Stellungnahme hat Akaki Japaridze jedoch bewiesen, dass er die Werte des Judo aus Sicht des DJB nicht verstanden hat.

Wer den Schutzraum der Tatami so missachtet, hat im fairen Sportsgeist des Judo keinen Platz mehr. Wir stehen weiterhin fest an der Seite von Timo Cavelius. Wir vertrauen auf die sportrechtlichen Konsequenzen der entsprechenden Gremien.

Foto: Marcel Haupt

English version: Statement on the Statement by Akaki Japaridze

The recent events and the subsequent reactions on social media demand a clear and unequivocal positioning by the German Judo Federation (DJB).

As a sports federation, we stand for values that were deeply violated by the terrible incident on September 5, 2026, during the Bundesliga match between JC Leipzig and TSV Abensberg. This incident relates exclusively to a Bundesliga match between two individual judoka, not to a conflict between two Bundesliga clubs, and certainly not to a dispute between different nations.

This incident has nothing to do with the relationship between Germany and Georgia.

Georgian judoka are indisputably among the strongest in the world. Many of them are global role models due to their outstanding athletic achievements. The close bond and mutual respect within international judo are also reflected in the fact that our U21 national teams trained together in Georgia just this year. This makes the current developments all the more painful for the entire judo community.

Incomprehension Over Social Media Reactions

We are stunned by yesterday’s statement (on September 10, 2026) by Akaki Japaridze on Instagram, as well as the support and endorsement this post received, partially from well-respected international judo stars. Any downplaying or outright defense of this severe physical assault committed by Akaki Japaridze against our national team athlete Timo Cavelius is intolerable to us and incompatible with the core principles of our sport.

What happened on September 5 was not a mere lack of self-control or a brief shove following a heated argument. Timo Cavelius was attacked with massive physical violence without warning. Even when the athlete was already on the ground, further heavy blows followed, until the situation was finally brought to an end by the courageous intervention of his teammates.

We are not talking about an emotional scuffle or a understandable escalation following an alleged provocation. This was a massive assault that carried the risk of severe physical injury.

Athletic and Personal Consequences for Timo Cavelius

Timo Cavelius received excellent medical care and underwent surgery at the Leipzig University Hospital. Despite this optimal treatment, the athletic consequences for him are devastating: he will now miss not only the Grand Slam in Budapest but also the World Championships.

As a result, Timo is at risk of falling out of the top 36 in the world rankings, which also jeopardizes his participation in the Masters tournament at the end of the year. For all upcoming competitions, this means a lower seeding and consequently much tougher draws in the opening rounds. His entire Olympic qualification is thus made massively more difficult—an extremely high athletic price to pay for a victim of blind violence.

The Educational Mission and the Values of Judo

Emotions are a natural part of any sport. Our judoka give everything on the mat and fight with full commitment. Anyone who has to accept a defeat in sports knows that this can trigger deep frustration or anger—especially if the opponent celebrates their victory particularly intensely. These exceptional emotional situations are human and a part of competition.

Yet, this is precisely the core of our sport: managing these extreme emotions is what we teach our judo children from their very first belt exam. It is a central learning objective in judo to recognize, control, and regulate one’s own emotions.

When we meet in international competition, it must not matter what cultural background, what country, or what environment an athlete comes from. We cannot and must not run the risk of athletes having to expect a physical attack on the mat due to a gesture or a misunderstanding. The defined regulatory framework and shared values must protect every athlete equally, anywhere in the world.

Consequences for the Future

The fact that Akaki Japaridze publicly justifies this behavior after several days of reflection and time to reconsider shows a dangerous lack of insight. Imagine if those present on-site had reacted with retaliatory violence to the same degree—the sport would sink into chaos.

Even with a sincere apology, this incident would have been difficult to forgive. However, with this unrepentant statement, Akaki Japaridze has proven that he has not understood the values of judo.

Anyone who disregards the sanctuary of the tatami in this manner has no place in the fair sporting spirit of judo. We continue to stand firmly by the side of Timo Cavelius and demand consequences under sports law.

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