Tatami für Bhutan - der Weg der Judomatten von Deutschland in den Himalaya
Deutschlands Engagement für Bhutan trägt nun bereits Früchte.
Birgit Arendt

Bhutan, ein kleines Land im Herzen des Himalaya – nur ein Zehntel der Fläche von Deutschland groß und weniger als ein Hundertstel der Einwohner – ist vor allem bekannt für sein Engagement für das Wohlbefinden der Bevölkerung, ein Land mit dem Glücklichsein als nationalen Wert - und nun auch bekannt für die Entwicklung des Judo-Sports.
Der noch junge Judo-Verband steht vor der Herausforderung, an eine bezahlbare Ausrüstung zu gelangen. Als Johannes Daxbacher 2023 im Auftrag des DOSB und des Auswärtigen Amtes erstmals in das Land reiste, gab sein Engagement den Anstoß zu einer bemerkenswerten Initiative, die in den letzten Monaten verwirklicht wurde. Damit die Kinder und Jugendlichen in Bhutan Judo betreiben können, sind Matten existentiell. Auf einen Aufruf hin meldeten sich die drei Vereine JC Velen-Reken aus Nordrhein-Westfalen, BC Offenburg aus Baden und JC Schindhard aus der Pfalz. Sie alle spendeten zusammen insgesamt 500 Judo-Matten. – hier ein Beitrag dazu.

Wie aber kommen nun diese Matten nach Bhutan? Planung, Vorbereitung, Hilfsbereitschaft und gute Kontakte sind wichtig und die Voraussetzung für den erfolgreichen Transport.
Mit der Mattenspende ging einher, dass alle Voraussetzungen geschaffen werden mussten, um die Matten zunächst nach Hamburg zum Überseehafen und danach per Schiff bis zum Hafen Kolkata in Indien zu bringen. Nach den über 12.000 Seemeilen (ca. 22.500 km) um das Kap der guten Hoffnung in Südafrika ging es noch einmal fast 1000 km vom Kolkata Hafen bis zur Hauptstadt Timphu in Bhutan auf dem Landweg weiter.

Daran waren eine Reihe von Partnern beteiligt, die sich sehr engagiert in dieses Projekt „Judomatten für Bhutan“ einbrachten.
Ein sehr wichtiger Aspekt war dabei die Kostenfrage. Und so bemühte Johannes Daxbacher wieder Dirk Saile vom Bundesverband für Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL), der die Dependance in Brüssel leitet und bereits mehrfach für kostenfreie innerdeutsche Mattentransporte gesorgt hatte. So kamen mit seiner Hilfe deutsche Judomatten bereits nach Äthiopien, Südafrika, Senegal und auch noch vor dem Militärputsch nach Myanmar.
Für Dirk Saile bedeutet Sport eine wichtige Funktion zur Stärkung von Fairness und Respekt und wirkt darüber hinaus auch völkerverständigend. „Deswegen war es auch mir persönlich ein Anliegen, einen kleinen Teil von Brüssel aus zum Gelingen dieses tollen mit so viel Elan durchgeführten Projekts beizutragen“, sagt er und versichert, dass auch in der Zukunft der Deutsche Judo-Bund mit den Unternehmen des BGL im Rahmen ihrer Möglichkeiten rechnen kann. Für ihn war die Zusammenarbeit in diesem Projekt eine ganz besondere. „Wir möchten Markus Ferber, Mitglied des Europäischen Parlaments, für seine Vermittlung und Johannes Daxbacher für die enge, konstruktive und immer freundliche Zusammenarbeit herzlich danken.“
Eines der beiden Logistik-Unternehmen für den innerdeutschen Transport war die Spedition Hamprecht aus Künzelsau. Federführend koordinierte Michael Knorr die Logistik, die Matten aus Offenburg nach Hamburg zu transportieren. Der Firmenchef Rolf Hamprecht ist in der BGL-Vorstandschaft und wurde von Dirk Saile für den Mattentransport angesprochen. Rolf Hamprecht sagte sofort zu: „Gerne beteiligen wir uns an dieser schönen humanitären Aktion. Die Strecke nach Hamburg fahren wir zudem noch täglich. Es freut mich, dass wir dem Deutschen Judo-Bund unter die Arme greifen konnten und haben diesen Transport kostenfrei übernommen.“

Als zweites Unternehmen engagierte sich Dietmar Nowak von Dax-Sports Nürnberg und transportierte ebenfalls kostenfrei die Matten mit seinem Logistikpartner aus den beiden anderen Vereinen nach Hamburg. „Ich fand es großartig, dass einige Vereine uneigennützig ihre gebrauchten Matten zur Verfügung gestellt haben. In der heutigen Zeit ist es wichtig, teilen zu lernen. Das bedeutet eben auch, dass die Starken die Schwachen im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen“, sagt Dietmar Nowak, der auch weitere humanitäre Projekte in der Welt unterstützt. „Mittlerweile ist es eine Herzensangelegenheit, dieses Engagement immer weiter fortzuführen. Ich wünsche mir weitere Maßnahmen dieser Art, um die Judo-Familie in aller Welt zu beglücken!“
Die Koordination in Hamburg übernahm Olaf Lange, vielen bekannt als Referent für die Ü30-Sportler. Seine Aufgabe sollte sein, die Mattenanlieferung und Zwischenlagerung in Hamburg sowie den Weitertransport zum Hamburger Hafen zu organisieren und zu koordinieren. Eine Aufgabe, die schnell viel größere Dimensionen annahm, als ursprünglich gedacht. Für kurzfristige Lagerkapazitäten konnte Olaf Lange seinen eigenen Verein, die Judo-Gemeinschaft Sachsenwald in der TSG Bergedorf (JGS), gewinnen. Ein anderer Teil lagerte bei der Hamburger Dependance der Firma Hamprecht. „Der DJB hat hier mit Johannes Daxbacher ein Projekt initiiert, das in meinen Augen unsere Judo-Werte hervorragend repräsentiert. Ich bin stolz, ein Teil dieses Projektes gewesen zu sein“, sagt Olaf Lange nach Abschluss seiner Aufgabe.

Für den weiteren Verlauf waren Spezialisten notwendig, die das Procedere der Verschiffung, die Zollformalitäten und viele Dinge mehr kennen und dem DJB behilflich sein konnten.
Ein wichtiger Berater wurde Wilfried Müller vom Logistikunternehmen LOCON Consult.
Er war sein berufliches Leben lang immer mit dem Transportwesen beschäftigt und es reizen ihn schon immer schwierige Transportorganisationen. Und Bhutan ist da keine Ausnahme. Seine ersten Gedanken waren: Wie kommt man überhaupt mit einem so großen Container nach Bhutan? Bekommt man diesen Container überhaupt über die Straße in den Himalaya? Was ist mit den Zollformalitäten, wer kann was, wann, wo machen? Seine Aufgabe war es zunächst zu prüfen, wie ein Transport machbar wäre, welche Logistikpartner werden benötigt, wer kann das überhaupt?
„Meine Motivation in Bezug auf Judo bzw. humanitäre Unterstützung liegt einfach darin, mein Wissen für den guten Zweck weiter zu geben“, sagt Wilfried Müller.
Er selbst hat als Jugendlicher den Judo-Sport betrieben und ist noch heute begeistert, dass es beim Judo nur auf die eigene Technik und die Geschicklichkeit ankommt. „Kein Hilfsmittel, keine hochmodernen Gerätschaften, nur man selbst kann über Sieg und Niederlage entscheiden.“
Wilfried Müller war für Johannes Daxbacher, der die Fäden der Organisation für dieses Projekt in den Händen hielt, ein sehr wichtiger Partner und Berater. Seine Erfahrungen und sein persönliches Engagement bildete die Voraussetzung, dass die 500 Matten gut bis nach Timphu, der Hauptstadt Bhutans, gelangen konnten.

Ein weiterer sehr wichtiger Berater in allen Fragen des Weges der Matten von Deutschland nach Bhutan war Thomas Masson von Air Tiger Express.
Seine Firma unterstützt bereits soziale Projekte in Deutschland und engagierte sich nun auch im humanitären Projekt der Judo-Matten für Bhutan. „Es war für uns eine Ehre, den Deutschen Judo-Bund bei diesem Projekt zu begleiten und den Überseetransport möglich zu machen“, sagt Thomas Masson. Für ihn war es eine Herzenssache und er verbindet dies auch mit seiner Firmenphilosophie. „Menschen verbinden häufig mit Schlagwörtern oder Initialen etwas Besonderes. Für mich persönlich stehen unsere Initialen ATE für: Antrieb, Teamgeist und Empathie.“
Die Judo-Matten haben nun einen Weg von vielen tausend Kilometern hinter sich. Es war eine logistische Weltreise über Land und See. Von Hamburg aus ging es zunächst per Containerschiff zum Empfangshafen Kolkata in Indien. Der Hafen von Kolkata ist übrigens ein Inlandshafen, den Hooghly River entlang 200 km entfernt vom Golf von Bengalen. Dort übernahm ein LKW den Container und fuhr ihn Richtung Grenzgebiet Indien-Bhutan.

Mit dem Ziel Timphu, der Hauptstadt Bhutans, ging es nach dem Umladen der Matten aus dem Container auf einen LKW auf der anspruchsvollsten Etappe der ganzen Reise über die steilen Passstraßen des Himalayas. „Es ist immer wieder beeindruckend zu sehen, wie eine gut geplante Lieferkette dazu beitragen kann, Sport und Leidenschaft über Kontinente hinweg zu verbinden“, freut sich Wilfried Müller von LOCON-Consult über das gelungene Projekt.

Und Bhutan? Der Präsident des Judo-Verbandes Bhutan, Karma L. Dorji, ist tief beeindruckt von der großzügigen Mattenspende aus Deutschland. „Wir empfinden eine tiefe Dankbarkeit für die Großzügigkeit und enormen Anstrengungen für den Mattentransport.“ Mit diesen Judomatten wird es möglich sein, bis zu zehn neue Judo-Vereine aufzubauen und damit vielen Kindern und Jugendlichen den Judo-Sport zu ermöglichen. Präsident Dorji bedankt sich bei allen, die an dieser erfolgreichen Initiative beteiligt waren. „Ihr Support hilft uns immens. Zu wissen, dass wir Freunde in so großer Entfernung haben, gibt uns großes Selbstvertrauen, besonders in diesen schwierigen Zeiten.“

Für Johannes Daxbacher, der die „Judomatten für Bhutan“ initiierte, wuchs das alles zu einem Riesen-Projekt auf. Er koordinierte, blieb immer wieder dran an allen Formalitäten, motivierte zwischendurch auch immer wieder seine Mitstreiter und ist sehr glücklich darüber, dass letztendlich alles doch recht reibungslos geklappt hat und die Matten in Bhutan angekommen sind. „Ich bin noch ganz „geflasht“ von dieser erfolgreichen Aktion und darf mich bei allen Beteiligten sehr herzlich bedanken. Das ist echte Judo-Freundschaft par excellence. Es ist wirklich ein ganz besonderer „Judo-Wert“, dass ich, dass wir so starke und zuverlässige Unterstützung, Beratung und Zuspruch erhalten haben. Herzlichen Dank auch an einen Judofreund und Sponsor, der nicht genannt werden möchte, für die finanzielle Unterstützung.“