Wir trauern um Wolfgang Zuckschwerdt
Der einstige Top-Judoka hat am 14. April seinen letzten Kampf verloren.
Birgit Arendt

Wolfgang Zuckschwerdt war sein Leben lang eng dem Kampfsport verbunden. Zwar begann er erst mit 15 Jahren mit Judo – man entdeckte ihn als Torwart beim Fußball – und da man Schwergewichtler suchte, war er der perfekte Sportler dafür. Er legte dann auch eine Blitzkarriere hin. Bereits fünf Jahre später wurde er DDR-Meister und wiederholte diesen Erfolg bis 1977 insgesamt sieben Mal. Er gewann vier Medaillen bei Europameisterschaften – jeweils Bronze in der offenen Kategorie 1973 in Madrid, 1975 in London und 1977 in Ludwigshafen. 1975 gewann er EM-Silber im Schwergewicht. Sein größter Erfolg war die Bronzemedaille in der Offenen Klasse bei der WM 1973 in Lausanne. Er stand da gemeinsam mit Klaus Glahn (9. Dan) – ebenfalls Dritter und ehemaliger DJB-Präsident und EJU-Vizepräsident sowie dem heutigen Präsidenten des Kodokan und Olympiasieger, Haruki Uemura als Zweiter, auf dem Podest. Als Olympiakader verpasste er jedoch 1972 und auch 1976 knapp den Olympiastart.
Nach seiner aktiven Zeit wurde er Trainer. Und er war nicht nur ein Wissensvermittler und Techniktrainer – er war auch Sozialarbeiter, Ersatz-Vaterfigur, eben ein Meister seines Fachs. „Er hat so viele Menschen geprägt, hunderten Kindern und Jugendlichen Judo und später Sumo beigebracht. Er hat den Sportlern damit Wege eröffnet, wie sie als ordentliche Persönlichkeiten durchs Leben gehen können“, sagt seine Frau Sandra Köppen-Zuckschwerdt. Sie weiß es sicher am besten. Einst als Schützling von Wolfgang Zuckschwerdt hat sie selbst große Erfolge gehabt, war Europameisterin, WM-Dritte, dreimalige Olympia-Teilnehmerin mit Platz 5 in Sydney im Jahr 2000 und hat viele Medaillen bei Europameisterschaften und Weltturnieren gewonnen. Und sie ist siebenfache Weltmeisterin im Sumo. Die Beiden sind nunmehr seit über 20 Jahren verheiratet und haben Tochter Marie-Luis, selbst erfolgreiche Sumotori, die 2023 Sumo-Weltmeisterin wurde.
Wolfgang Zuckschwerdt war 1990 Gründungsmitglied des Brandenburgischen Judo-Verbandes und formte viele Jahre den Verband mit. Als Trainer feierte er viele Erfolge mit seinen Schützlingen, neben den Erfolgen seiner Frau auch mit der Brandenburger Mannschaft in der 1. Bundesliga. Viermal wurde das Frauenteam unter seiner Leitung Deutscher Meister.
Bereits 1997 begann er als Trainer für den Sumo-Sport. Eigentlich aus einer Not heraus – es war ein guter Ausgleich und gut für das Training der Knie. „Wolfgang hat immer über den Tellerrand hinausgeblickt“, sagt seine Frau.
Sumo sollte später noch einmal eine große Rolle in seinem Leben spielen. Er war Bundestrainer und später Geschäftsführer des Deutschen Sumo-Bundes. „Wenn es ihn nicht gäbe, dann würde es auch kein Sumo in Deutschland geben“, sagt Sandra Köppen-Zuckschwerdt ganz pragmatisch.
Für sein Engagement und seine Erfolge erhielt Wolfgang Zuckschwerdt hohe Auszeichnungen. Die „Ehrennadel in Gold“ des Landessportbundes Brandenburg, Ehrenmitglied im Brandenburgischen Judo-Verband, die Verleihung des 7. Dan im Judo, den 5. Dan im Sumo und vieles mehr.
Er war als Trainer, Mensch und Funktionär eine große Autorität. Für ihn waren Höflichkeit, Respekt und Disziplin wichtige Werte, die er all seinen Sportlern stets mitgegeben hat.
Er gab noch in den letzten Stunden seinen Sportlern einen Gruß auf den Weg: „Verliert eure Ziele niemals aus den Augen, geht respektvoll und ehrlich miteinander um und haltet zusammen!“
„Ich habe ihm versprochen, dass ich euch Türen öffne und Wege aufzeige, um eure Ziele zu erreichen“, erklärte Sandra Köppen-Zuckschwerdt, die Bundestrainerin und Präsidentin des Deutschen Sumo-Bundes ist. „Nicht jeder wird Weltmeister, aber ihr nehmt viel in eurer persönlichen Entwicklung mit.“ Genau das, was sie selbst und noch viele andere Sportler für die eigene Persönlichkeit von Wolfgang Zuckschwerdt gelernt hatten.